Windkraft im Reinhardswald - Viele fordern: "Wald soll sauber bleiben"

Volles Haus: Rund 50 Besucher tauschten sich mit den geladenen Experten hauptsächlich zum Thema Reinhardwald aus. Auch zu Beberbeck und der Sababurg wurde diskutiert. Alle Fotos: Hoffmann

Fürstenwald. Zu der Debatte mit Experten über Reinhardswald, Sababurg und Beberbeck kamen 50 Besucher.

Für viele ist der Reinhardswald mehr als einfach nur eine wunderbare Landschaft. Er ist ein Naturwald, ein Kulturraum, eines der größten zusammenhängenden Waldstücke in Deutschland, in dem sich trotz oder gerade wegen der kulturellen Prägung eine große biologische Vielfalt entwickelt und erhalten hat. Sababurg, Tierpark, Friedwald, Beberbeck als größte geschlossene landwirtschaftliche Fläche in Hessen und auch der Wald an sich machen naturverbundene Menschen der Region stolz. Aktuelle Entwicklung rufen sie nun aber auf den Plan, um all das zu schützen.

Nik Barlo

„Wir alle können uns froh und glücklichschätzen, dass Bäume nicht laufen können, sonst würde der Reinhardswald jetzt aussehen wie die schottischen Hochebenen“, leitete Nik Barlo Jr. vom Grebensteiner Verein Global Arts am Donnerstagabend in eine Debatte ein, zu der er gemeinsam mit Kordula Klose nach Fürstenwald ins Café Bahnhof eingeladen hatte. Das war bis auf den letzten Platz gefüllt.

„Nach der Kriegserklärung aus Wiesbaden wären wohl alle Bäume weggerannt, denn unser Wald wird völlig übernutzt.“ Nicht nur, dass er industriell abgeholzt werde, seien nun auch noch Windkraftanlagen in großer Zahl wie auch eine Kaliabwasserverklappungsanlage zu erwarten. Selbst Fracking solle laut eines Landesgutachtens auf zwei Dritteln der Fläche unbedenklich sein, sagte Barlo.

Kordula Klose

„Hier kollidieren Interessen, hier drohtnachhaltig Gefahr für den Reinhardswald und seine Region“, so Kordula Klose, die von den eingeladenen Experten wissen wollte: Wo soll es hingehen? Landkreissprecher Harald Kühlborn nahm einem der Themen gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln: „Fracking wird es im Reinhardswald nicht geben.“ Windkraftanlagen seien jedoch kaum zu vermeiden, allerdings nicht in dem Umfang, wie er immer wieder diskutiert werde. Das sieht auch Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth so, der hier auf die klare Aussprache gegen Windkraft im Reinhardswald aller anliegenden Kommunen verwies. Zur Salzverklappung gibt es laut Kühlborn ebenso klare Positionen des Kreistages: „Das geht mit dem Landkreis Kassel in seiner derartigen politischen Konstellation überhaupt nicht, da sind wir uns einig und werden diesbezüglich auch alle politischen und rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um das zu verhindern.“

Ob Windräder, Salzpipeline oder Fracking, die rund 50 Besucher wollen ihren Reinhardswald sauber sehen und dafür nun gemeinsame Sache machen. Die geplante Ausweisung als Naturpark ist für viele dabei nur Augenwischerei und allenfalls als erster Schritt zu werten. Ein Biosphärenreservat als Schutzstatus könnte die Lösung sein, auch für Otto Löwer vom BUND: „Wir können die Politiker allerdings nur beeindrucken, wenn wir uns einig sind, ein ganzheitlicher Blick auf die Gesamtthematik ist wichtig.“ Einige sehen gar eine Volksstiftung „Natur und Kulturerbe Reinhardswald“ als richtigen Weg, um die leidenschaftlich diskutierten Themen des Abends weiter zu bearbeiten und zu einer zufriedenstellenden Lösung zu führen.

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