Ehepaar Dieter Christian und Barbara Ochs ist nach Europatour im Traktor wieder in Carlsdorf angekommen

Reise durch die Langsamkeit

Oft umringt von Journalisten: 31 Mal waren die Carlsdorfer mit ihrem Projekt in der Zeitung, drei Mal im Fernsehen. Die Berichte hüten Dieter Christian und Barbarar Ochs wie einen Schatz. Foto: Thon

Carlsdorf. Angekommen. Hinter Dieter Christian (62) und Barbara Ochs (66) aus Carlsdorf liegen 14 000 Kilometer quer durch Europa. Für die Reise hat sich das Ehepaar sechs Monate und einen Tag Zeit gelassen. Man könnte auch sagen, ihr Transportfahrzeug ließ ein höheres Reisetempo nicht zu. Denn unterwegs waren sie mit einem 28 Jahre alten Traktor der Marke Zetor.

In ihm tuckerten sie durch die Weiten des Kontinents. In Dänemark stemmte sich der Trecker samt angehängtem Bauwagen gegen Windstärke zehn. In Schweden manövrierte er sie über verschneite Straßen und brachte sie zu den Rentierherden. Ebenfalls in Schweden, bei Jönköping, verirrten sie sich mit ihm auf die Autobahn. Dort erlebten sie die längsten viereinhalb Kilometer der Reise. Der Zetor buggsierte sie bis hinauf ans Nordkap. Mit ihm schlängelten sie sich vorbei an den Seen Finnlands. Vor den gewaltigen Mückenschwärmen im Baltikum konnte sie die mit Aufklebern übersäte Zugmaschine nicht schützen. Und auch den Schweiß, der dem Paar in Südfrankreich in der auf 45 Grad aufgeheizten Fahrerkabine bei 20 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit über Stirn und Rücken rann, mussten sie erdulden.

Dafür öffnete der Zetor Türen zu den Herzen vieler Menschen – und das in ganz Europa. „Die Freundlichkeit der Leute hat uns überrascht“, sind sich Dieter und Barbara Ochs einig. Wo sie hinkamen, standen sie im Mittelpunkt, waren umringt von neugierigen, aufgeschlossenen Menschen. Und die Ochs erzählten ihre Geschichte immer wieder aufs Neue. Ohne jeden Anflug von Langeweile und Überdruss. Im Gegenteil. Die Begegnungen mit Niederländern, Deutschen, Franzosen, Letten, Polen und Co. waren für die Carlsdorfer der Höhepunkt ihrer Reise durch die Langsamkeit. Die Adressliste in ihren Mail-Kontakten ist in den vergangenen Monaten um einiges gewachsen. Viele Menschen besuchten ihr Gästebuch im Internet. Knapp 160 000 Klicks hat Dieter Ochs auf seinem Portal www.wirlassendenstauhinteruns.de bislang gezählt. Nun möchte er noch mehr Menschen an seinen Erlebnissen teilhaben lassen. Daher will er unter dem Titel „Der Himmel ist überall“ ein Reisebuch veröffentlichen.

Schmerzhafte Nierensteine

Gestartet war das Paar mit dem Ziel, 18 000 Kilometer zu schaffen, am Ende standen auf dem Tacho 14 000. Auf die Runde über die Iberische Halbinsel mussten sie aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Dieter Ochs litt monatelang unter Nierensteinen. Unter Schmerzen lenkte er das Gespann durch Europa. In Krankenhäusern unterzog er sich Operationen. Auswirkungen auf das Reisefieber der Eheleute hat das aber nicht – fürs nächste Jahr steht der Plan schon fest: Dann wollen sie für einige Wochen auf dem Jakobsweg in Norwegen unterwegs sein und zwar zu Fuß.

Von Antje Thon

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