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Der Rekordpfarrer lässt los

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Mir lag nie das Salbungsvolle, ich bin...
Mir lag nie das Salbungsvolle, ich bin...

Hofgeismar. Das kommt nicht oft vor: Während andere Pfarrer mehrfach versetzt werden, versieht Pfarrer Jürgen Graul schon seit 38 Jahren den Dienst in seiner ersten und einzigen Pfarrstelle - der Neustadt in Hofgeismar. Wenn er morgen an seinem 65. Geburtstag mit einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet wird, ist er zugleich der dienstälteste Pfarrer in der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Da fällt ihm das Loslassen nicht leicht, obwohl er sich darauf vorbereitet hat.

Jürgen Graul, Jahrgang 1947, stammt aus einer christlich geprägten Kaufmannsfamilie in Hohenkichen und kam schon früh mit der Kirche in Verbindung.

Ohne Umwege

Er war in der evangelischen Jugend tätig und wurde - obwohl er noch Schüler war - Besuchern schon als Vikar vorgestellt, so sehr engagierte er sich in der Kirche. Sein Weg führte ihn von der Schulbank ohne Umweg an die Universität in Marburg und 1969 auch für ein Jahr nach Göttingen.

Zugleich spielte der Sport eine wichtige Rolle: Er spielte Handball und Fußball, hatte Kontakte zu Sportpfarrer Wolfgang Dietrich und zu Heinz Döring, der Olympiapfarrer 1976 in Montreal war. Für Graul gehören Arbeiten, Kirche und Sport zusammen - nachdem er 1974 Pfarrer in Hofgeismar wurde, übernahm der frühere Sportschütze einen Übungsleiterposten bei der TSG Hofgeisar, er leitete den Seniorensport, Skilaufen und Breitensport waren seine Leidenschaft. „Ich bin in jedem Winter dreimal zum Skilaufen in die Alpen gefahren“, erinnert er sich.

Spuren hinterlassen

Allerdings hinterlassen die Jahrzehnte auch Spuren: Ein Achillessehnenabriss und eine neue Hüfte sorgen dafür, dass sich Jürgen Graul heute mit Aquajogging fit hält, das die Knochen nicht belastet.

Im Rückblick war die Sanierung der vom Einsturz bedrohten Neustädter Kirche von 1981 bis 1985 die bewegendste Zeit für ihn. „Das gab manche schlaflose Nacht. Ich hatte oft Angst, dass am Morgen nur noch eine Ruine steht“, erinnert sich Graul. Freude haben ihm auch die Altenfahrten gemacht, die er jährlich organisierte und die für viele Menschen die einzige Möglichkeit für einen Ausflug waren: „Kein Vergleich mit heute, da sind ältere Menschen viel mobiler“.

Von Thomas Thiele

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