Einblick in die Zeltstadt in Calden

Reportage: Eine Stunde im Flüchtlingscamp

Calden. Erstmals durften am Dienstag Journalisten in die Zeltstadt in Calden. Redakteur Max Holscher schildert seine Eindrücke.

Kurz bevor der Tross aus 30 Journalisten erstmals am alten Flughafen Calden Zutritt zu einer hessischen Erstaufnahme-Einrichtung erhält, fährt ein Audi Q5 vor. „Wir wollen Kleidung abgeben“, sagt der Mann. Während er sein Spende abgibt, gehen Flüchtlinge durch die Tür zur Halle in die Aufnahmeeinrichtung. Meist haben sie Aldi-Tüten in der Hand. Einige Flüchtlinge sitzen vor der Einrichtung, hören auf ihren Handys Musik. Dann geht es los.

Um 14 Uhr öffnet sich ein großes Tor zur Halle. Diese müssen alle durchqueren, wenn sie in die Zeltstadt wollen. Eine Lärmwelle schwappt den Besuchern entgegen: Stimmengewirr, klapperndes Geschirr, schreiende Kinder. Gerade ist Essensausgabe. Auf den Plastiktellern ist Hühnchen, Reis und Brot zu sehen. Sofort suchen die Flüchtlinge den Kontakt und wollen sich unterhalten.

Erstmals ein Blick in eine hessische Erstaufnahme-Einrichtung: Über 1200 Asylsuchende leben derzeit in der Zeltstadt am alten Flughafen in Calden. Foto: S. Hoffmann

Gleich daneben, auf der linken Seite, warten Menschen auf den Doktor und medizinische Versorgung. Auf der rechten Seite an einem langen Tisch gibt es Informationen für die Flüchtlinge, Dolmetscher beraten, wie es mit ihrem Asylverfahren weitergeht. Dort muss sich jeder Flüchtling täglich melden. So wird die Anwesenheit überprüft. Vor allem Menschen aus Syrien und Afghanistan bilden immer wieder eine Traube um die Journalisten. 400 Syrer gibt es in der Unterkunft und 400 Albaner. „Schlechtes Essen“ hört man häufiger von ihnen, während es über das Gelände geht. 38 000 Quadratmeter ist es groß. 1200 Menschen schlafen, essen, leben hier in 43 Zelten.

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Auf der einstündigen Tour geht es an zig Zelten entlang, in die aber nicht fotografiert werden soll. Beim Blick hinein sind Feldbetten zu sehen: Einige Menschen liegen dort, dösen, hören Musik. „Es ist kalt hier nachts“, sagt ein afghanischer Flüchtling. „Scheiße hier, alles Lüge“, ruft ein Flüchtling, vermutlich vom Westbalkan. Es läuft nicht alles rund in der Zeltstadt. Von Polizeieinsätzen berichten die Flüchtlinge. Vom Warten, dass sie nicht transferiert werden. Frust ist zu spüren. An diesem Tag, so ist zu hören, gab es einige Unruhen. Der Anführer der gut organisierten Gruppe aus dem Westbalkan erfuhr, dass er kein Asyl bekommt.

Nach einer Stunde ist der Gang vorbei. Ein beeindruckendes Erlebnis mit vielen offenen Menschen. Der Besuch hinterlässt aber auch die Erkenntnis, dass es frustbedingt viele Probleme gibt, die die Behörden vor große Probleme stellen könnten.

Einblick in die Caldener Zeltstadt für Flüchtlinge

Archivvideo aus Calden

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