Rettung für ältestes Haus: Paar kaufte Baudenkmal

Riesig: Nordhessens ältestes Fachwerkhaus am Hochzeitsberg in Grebenstein wird saniert.
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Riesig: Nordhessens ältestes Fachwerkhaus am Hochzeitsberg in Grebenstein wird saniert.

Grebenstein. Fachwerkexperten schwärmten, Denkmalschützer schwärmten, Touristen fotografierten das älteste Fachwerkhaus Nordhessens am Hochzeitsberg 5 in Grebenstein, doch kaufen wollte das gut erhaltene gewaltige Gebäude aus dem Jahr 1428 lange Zeit niemand.

Dabei war es bis zuletzt bewohnt und in einem relativ guten Zustand. Bis sich jetzt Dörthe Maske, Opernsängerin, und Dirk Notroff, Projektmanager, in das Haus verguckten und es übernahmen. Überzeugt hatte sie die große Diele neben den Wohnräumen, die – wieder freigelegt – als Konzert- und Kulturraum dienen soll.

Bis es soweit ist, steht aber noch viel Arbeit bevor, wie sie jetzt dem Denkmalbeirat des Kreises Kassel bei einem Ortstermin vorführten. Das viergeschossige Gebäude an der Grenze zwischen der mittelalterlichen Grebensteiner Alt- und Neustadt ist ein Beispiel für den frühen Fachwerkbau und sogar noch etwas älter als das Lecksche Haus von 1430.

Fund unter Tapeten

Bei den Sicherungs- und Freilegungsarbeiten in dem im 19. Jahrhundert teilweise erneuerten Haus fanden die neuen Besitzer sogar noch gotische Türbögen. Sie entdeckten aber auch, dass ein sechs Meter langer, jahrhundertealter Haupttragbalken, auf dem die oberen Stockwerke lasten, sich um über 20 Zentimeter durchgebogen hat. Und zwar soweit, dass die Enden kaum noch in den Lagern hängen. Problem: Die Senke im Fußboden hatten Generationen von Vorbewohnern immer wieder durch neue Bodenschichten ausgeglichen, so dass das Gewicht noch zunahm. „Da hilft nur noch ein hydraulisches Anheben“, konstatiert Dirk Notroff.

Das ganze Haus zu sanieren, wird nicht billig. Deshalb wollen die Besitzer bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einen Zuschuss beantragen. Deren Projektreferentin Dr. Karin Gehrmann, die den Denkmalbeirat auf einer Besichtigungstour durch den Kreis begleitete, wertete das Haus als sehr wertvolles Objekt, für das sich ein Antrag für 2014 mit Finanzierungsplan lohne. Allerdings müsse die aus Lottomitteln und Spenden finanzierte Stiftung unter vielen Anträgen abwägen.

Den Kauf gewagt haben die neuen Besitzer unter anderem, weil es in Grebenstein seit einiger Zeit eine Bauakademie gibt, die sich mit Planungen und den richtigen Handwerkstechniken zur Wiederbelebung alter Fachwerkhäuser befasst. Akademieleiter Peter Reuting und Bürgermeister Danny Sutor berichteten dem Denkmalbeirat von der sehr erfolgreichen Arbeit der Akademie, die bereits mehreren Häusern in Grebenstein zu neuen Bewohnern verholfen hat.

Von Thomas Thiele

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