Polizeieinsatz wegen zugeschüttetem Bauloch

Richtfunkmast erhitzt Gemüter - Anlieger beklagen Mangel an Information

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Erbost: Bernd Jäger fühlt sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Im Hintergrund ist die verfüllte Baugrube zu sehen.

Niedermeiser. Für Aufregung und einen Polizeieinsatz sorgte am Montagmorgen das Vorhaben, einen Richtfunkmasten in Niedermeiser aufzustellen.

Er sollte nach Genehmigung und in Abstimmung mit dem Landkreis Kassel sowie der Stadt Liebenau auf dem städtischen Grundstück Erser Straße Ecke Oelmühlenweg platziert werden. Bei Eintreffen des Kranwagens stellten die Mitarbeiter der ausführenden Firma fest, dass das in der Woche zuvor gegrabene Bauloch zugeschüttet worden war. Die mit der Breitbandversorgung beauftragte Firma erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung.

Für den Anlieger des benachbarten Grundstücks, Bernd Jäger, bedeutete das Geschehen eine echte Überraschung. „Ich habe zwar registriert, dass dort gearbeitet wurde, wusste aber nicht, dass ein Richtfunkmast aufgestellt werden soll“, erklärte der 53-Jährige. Der Betreiber einer Kfz-Werkstatt hatte drei seiner Fahrzeuge vor der Baustelle geparkt. Auch für Wilhelm Perndl, ebenfalls Anlieger am Oelmühlenweg, war das Vorhaben neu. Dass es im Vorfeld eine Bürgerversammlung und öffentliche Ortsbeiratssitzungen gegeben hatte, war beiden bekannt. Auch, dass dabei über unterschiedliche Standorte diskutiert und die zu erwartende Strahlung gesprochen worden war.

„Die Entscheidung für diesen Standort wurde uns nicht mitgeteilt“, erklärten die Anlieger. Grundsätzlich erwarte er detaillierte Aufklärung darüber, was es mit der Strahlung von Richtfunkmasten auf sich habe, so Jäger, der sich umgehend bei der Stadt Liebenau über den Mangel an Information beschwert hatte.

Liebenaus Bürgermeister Peter Lange wies diesen Vorwurf im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Es hätte ausreichend Möglichkeiten gegeben, sich zu informieren. Zudem habe es eine von städtischer Seite begleitete Wurfsendung in den Häusern am Oelmühlenweg gegeben, erklärte Lange.

Bei einem von Jäger kurzfristig initiierten Treffen am Montagabend kamen rund 30 Anlieger zusammen. Das Gros habe nichts von dem Standort Oelmühlenweg gewusst, teilte Jäger der HNA am Dienstag mit. Man wolle sich weitere Schritte gegen den Bau vorbehalten. (ziv)

Firma: Das ist Sabotage

Die mit dem Breitbandausbau im Landkreis Kassel beauftragte Firma ACO (Kassel) wollte gestern vor Ort zunächst keine Auskünfte geben, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele und sie den Ermittlungsbehörden nicht vorgreifen wolle. Nachmittags bestätigte Geschäftsführer Klaus Peter v. Friedeburg in einer Pressemitteilung unsere Recherchen und sprach von einer Sabotage des Breitbandausbaus im Kreis Kassel. Unbekannte würden den Bau verzögern, obwohl das Vorhaben abgestimmt und bekanntgemacht sei und eine gültige Baugenehmigung vorliege.

Die Baugrube war zugeschüttet und der Zugang zur Baustelle durch parkende PKW blockiert, so dass keine weiteren Arbeiten möglich waren. Auch die Polizei konnte die Fahrzeuge nicht entfernen. Selbst durch direkte Ansprache des Halters eines VW-Busses konnte nicht erreicht werden, dass dieser sein Fahrzeug um wenige Meter versetzte, schreibt v. Friedeburg.

Die „absolut notwendige und politisch gewollte“ Breitbanderschließung komme dadurch ins Stocken. Das Ganze habe „strafrechtliche und zivilrechtliche Schadenersatzrelevanz“. Zur Schadenshöhe wollte ACO noch keine Angaben machen, dies werde mit der Baufirma abgerechnet. v. Friedeburg: „Wir wollen erst mal sehen, dass wir den Täter ermitteln können, und dann nach seinen Beweggründen forschen. Wichtiger, als mit horrenden Ersatzansprüchen zu drohen ist es, Missverständnisse und mangelndes Wissen über die eingesetzte Technik auszuräumen.“ (tty)

Erneut ein DSL-Infoabend

Einen weiteren Informationsabend über mögliche Gefahren von Strahlen, die von einem Richtfunkmasten ausgehen, bietet die Stadt Liebenau am Freitag, 19 Uhr, in der Kleinsporthalle Niedermeiser an. Man habe zwar, so Bürgermeister Peter Lange, bereits ausführliche Aufklärungsarbeit geleistet, doch da weiterer Informationsbedarf bestehe, werde die Stadt dies anbieten. Es wird ein Vertreter der Firma ACO anwesend sein. (mrß)

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