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Risiken durch Atommüll am Gleis: Bürgerinitiative weist auf sanierungsbedürftige Bahnbrücken hin

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Von: Markus Löschner

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Mitglieder der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck machen ihre Haltung am Zug aus Richtung Würgassen in Ottbergen (Kreis Höxter) deutlich.
Mitglieder der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck machen ihre Haltung am Zug aus Richtung Würgassen in Ottbergen (Kreis Höxter) deutlich. © Markus Löschner

Die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck hat in einer Veranstaltung über die möglichen Risiken durch den geplanten Atommülltransport auf Bahnstrecken informiert.

Würgassen – Die meisten Mitglieder der Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck kamen mit dem Zug zu ihrer Informationsveranstaltung.

Die fand passenderweise im Bahnhof im nordrhein-westfälischen Ottbergen statt. Würde das geplante Atommüll-Logistikzentrum in Würgassen gebaut, würden viele der Transporte von hier aus auf die eingleisige Strecke in Richtung Würgassen geschickt oder von dort kommend auf den weiteren Weg ins Endlager Schacht Konrad.

Ein Kritikpunkt der Bürgerinitiative wird bei der Einfahrt der Sollingbahn, die von Bad Karlshafen bis hierher gerade einmal 18 Minuten benötigt, klar: Pendler, Schüler, Touristen und Atommülltransporte müssen sich den Bahnhof teilen – zwischen dem Regionalzug und einem abgestellten Güterzug gibt es nur wenige Meter Abstand. Oft führt die Bahnstrecke durch kleine Orte, an Wohngebieten sowie touristischen Einrichtungen vorbei.

Geplantes Atommülllager: Transportrisiko

„Das Transportrisiko wird heruntergeredet“, kritisiert Dirk Wilhelm, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Neben möglicher Strahlenbelastungen meint er hier vor allem Unfälle, die besonders auf eingleisigen Strecken immer wieder vorkommen. Zum Stundentakt des Regionalverkehrs kämen dann zehn Atommüllzüge pro Tag.

Von Ottbergen kommend müssen diese an der Weiche zur Einfahrt in das Würgasser Betriebsgelände anhalten und die Fahrtrichtung ändern. Für die 120 Meter langen Züge dauere dieses Manöver zwischen Würgassen und Bad Karlshafen zehn Minuten, sagt Wilhelm.

Zudem verweist die Bürgerinitiative auf einen Investitionsstau bei Bauwerken wie etwa Brücken auf den Strecken. Nur wenige seien nicht mit Mängeln belastet oder müssten in naher Zukunft erneuert werden.

Strecke ist eingleisig: Bauten stammen überwiegend aus den 1870er-Jahren

Zwar spricht die BGZ, die das Logistikzentrum für die Bundesregierung plant, von vier alternativen Bahnstrecken. Der Gleisanschluss zum Betriebsgelände ist allerdings nur von der Strecke Ottbergen – Bodenfelde erreichbar.

Die ist auf ihren 27 Kilometern eingleisig, alle knapp 30 Bauwerke stuft die Bahn in den Zustandsklassen 2 (Instandsetzungsmaßnahmen sind zu planen) und 3 (Erneuerungsmaßnahmen sind zu prüfen) ein.

Die Bauten stammen überwiegend aus den 1870er- Jahren. „Wenn die Bahnstrecke wegen Baumängeln oder einem Brückenneubau ausfällt, droht die Verlagerung aller Atomtransporte auf unsere Straßen“, warnt Dirk Wilhelm.

Bürgerinitiative weist auf Passus im Vertragswerk des Atomdeals 2017 hin

Bei allen Diskussionen über die Standortwahl und die logistische Notwendigkeit eines Logistikzentrums für sämtlichen mittel- und schwachradioaktiven Atommüll aus ganz Deutschland hat die Bürgerinitiative Atomfreies Dreiländereck jetzt auf einen Passus im Vertragswerk des Atomdeals aus dem Jahr 2017 hingewiesen.

Bundesregierung und AKW-Betreiber hatten sich hier über Abwicklung und Finanzierung des Atomausstiegs geeinigt.

„Ein Bereitstellungslager zur Übergabe der endlagerfähigen Gebinde von den Betreibern an den Bund ist Bestandteil des Vertrags“, erklärte Dirk Wilhelm in Ottbergen. Es müsse also gebaut werden, sollten sich nicht alle Vertragspartner auf eine andere Lösung einigen. (Markus Löschner)

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