Dr. Schlitzberger mahnt archäologische Forschungen in Hessens Nordspitze an - Neue Sicht auf Römerzeit

Römerlager im Reinhardswald?

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Fordert Beweise: Dr. Udo Schlitzberger präsentierte neue Thesen und Forschungen zu den Marschwegen der Römer in Nordhessen und Südniedersachsen im Umfeld der Varusschlacht. Die Dekoration mit selbstgefertigten römischen Rüstungsteilen (hinten) hatte Lothar Kessler (Dörnberg) mitgebracht.

Bad Karlshafen. Die Archäologie in ganz Hessen ist im Umbruch, seit neue Funde in Südniedersachsen belegen, dass die Römer viel weiter und länger in Germanien aktiv waren als bisher angenommen.

Die Diskussionen befeuert der Historiker und frühere Kasseler Landrat Dr. Udo Schlitzberger (Fürstenwald) mit neuen Thesen zu den Marschwegen der Römer vor 2000 Jahren, die nach seiner Ansicht durch den Kreisteil Hofgeismar führten, den Reinhardswald querten und bis zur Sieburg bei Bad Karlshafen reichten.

„Ich behaupte nicht, dass es stimmt, doch ich hätte gern gewusst, ob da was dran ist“, begründet er seine Forderung nach wissenschaftlichen Untersuchungen in diesem Waldareal, das mit 140 Hektar die größte Befestigungsanlage und zugleich einer der letzten weißen archäologischen Flecken in Hessen ist.

In einem über zweistündigen Vhs-Vortrag untermauerte er am Mittwoch in Bad Karlshafen gemeinsam mit seinem Mitforscher Klaus Köhler (Dörnberg) seine Thesen mit erstaunlichen Details.

Die Entdeckung des Römerlagers bei Hedemünden und des Schlachtfeldes bei Oldenrode (Northeim) habe die Forscher zum Nachdenken gebracht. Viele Funde, auch von Laien, erscheinen plötzlich in neuem Licht, wie jene, die zur Entdeckung der ersten Römerstadt westlich des Limes (bei Waldgirmes) führten.

Schlitzberger und Köhler stellen dar, dass römische Marsch- und Nachschubrouten von Mainz entlang der Flüsse Lahn, Ohm, Schwalm, Eder und Fulda bis an die Weser und weiter zur Elbe führten. In das 27-Kilometer-Raster der Tagesetappen würde auch die bis heute nicht untersuchte Sieburg bei Bad Karlshafen passen, die von der aktuellen Forschung in die Karolingerzeit (um 800) datiert wird, während andere den Ursprung in der Eisenzeit (bis 1200 v. Chr.) sehen. Schlitzberger hofft auf neue Erkenntnisse durch aktuelle Laserscans der Erdoberfläche, die in Kürze zur Verfügung stehen. Spannend könnte dann auch ein 80 mal 120 Meter großes Wallviereck sein, das ein Lehrer aus Vellmar vor wenigen Tagen im Reinhardswald entdeckte. Er glaubt nicht an eine alte Forstanlage, sondern an eine Wallanlage der Römerzeit. Sie würde in Schlitzbergers Wegekonzept passen.

Auf seiner Seite sieht Schlitzberger auch Hessens Vize-Landesarchäologin Dr. Vera Rupp. Sie sagte kürzlich: „Wir müssen alles neu denken, jede Trasse, jede Burg unter neuer Perspektive sehen.“

Ewige Suche nach Segestes-Burg

Segestes war ein Fürst des Germanenstammes der Cherusker, der mit den Römern kooperierte und im Streit lag mit seinem Schwiegersohn Arminius, dem späteren Varusschlacht-Gewinner. Als Segestes seine Tochter zu sich zurückholte, wurde seine Burg von Arminius belagert, so dass Segestes die Römer um Hilfe rief. Wo dieser Grafensitz lag, ist bis heute ungeklärt. Diskutiert werden schon lange die Eresburg bei Obermarsberg, der Desenberg bei Warburg und die Sieburg bei Bad Karlshafen. (tty)

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