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Roman um Liebe und Tod im Kloster Helmarshausen erlebt Neuauflage

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Von: Thomas Thiele

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Das Buch spielt im Kloster Helmarshausen zur Zeit der berühmten Klosterwerkstatt im Jahr 1107. Die Skulptur im Klosterhof zeigt die Mönche Rogerus als Goldschmied mit Tragaltar (rechts) und den Buchmaler Herimann, der das Evangeliar Heinrichs des Löwen schrieb.
Das Buch spielt im Kloster Helmarshausen zur Zeit der berühmten Klosterwerkstatt im Jahr 1107. Die Skulptur im Klosterhof zeigt die Mönche Rogerus als Goldschmied mit Tragaltar (rechts) und den Buchmaler Herimann, der das Evangeliar Heinrichs des Löwen schrieb. © Thomas Thiele

Neue Verpackungen können Sinn machen, vor allem, wenn sie dem Inhalt näher kommen. Wie bei dem Kriminalfall, der eigentlich eine Liebesgeschichte und eigentlich ein Emanzipationsabenteuer ist, das in Helmarshausen und anderen Orten der Region spielt.

Helmarshausen/Leipzig – „Das Geheimnis des Mönchs“ hieß das Buch, als es der Kirchenjournalist Hermann Multhaupt 2006 erstmals veröffentlichte. Nur zwei veränderte Worte und eine inzwischen geänderte Weltsicht machen das Wieder- oder Erstmallesen spannend von „Das Geheimnis der Buchmalerin“.

An Historienromanen herrscht wirklich kein Mangel. Nach Quo vadis oder Die letzten Tage von Pompeji schien das Thema angestaubt, kam aber ab 1980 spätestens mit Der Name der Rose oder Der Löwe von Uruk und erst recht dann mit Die Säulen der Erde und Der Medicus ganz prominent in die Bestsellerlisten. Danach gab es eine Flut von Historienromanen, denn plötzlich wollten viele mitschwimmen. Historische Romane mit Frauen als Heldinnen schienen fast das Übergewicht zu gewinnen: Die Seherin, Die Päpstin, Die Wunderheilerin, Die Wanderhure, Das Geheimnis der Hebamme, Die Henkerin und Ähnliches prägte die Buchtitel.

Regionale Geschichte macht es besonders lesenswert

In dieser Romanflut fielen letztlich, wie bei den Krimis, die Titel mit Lokalkolorit als eigenes Marktsegment auf, das sie bis heute behaupten. Dazu gehört auch Das Geheimnis der Buchmalerin, dessen Titel nun auch wirklich die Perspektive der Titelfigur wiedergibt.

Was den Roman besonders lesenswert macht, sind die vielen Details aus der regionalen Geschichte von Corvey bis ins Eichsfeld, die Autor Multhaupt, geboren 1937 und bis 2000 Chefredakteur der Kirchenzeitung „Der Dom“ in Paderborn, geschickt einfließen lässt.

So entsteht ein lebendiges Bild der Zeit vor 900 Jahren, als die meisten Menschen im Oberwesergebiet unfrei lebten, nicht lesen und schreiben konnten und, wie in den folgenden Jahrhunderten auch, kaum aus ihrem Heimatdorf herauskamen.

Die Handlung

Das aus Gottsbüren stammende aufmüpfige Bauernmädchen Imma, das zur Strafe bei einem Müller in Oedelsheim arbeiten soll, flieht heimlich und tritt als Mönch verkleidet in das Kloster Helmarshausen ein, das damals um sein Weiterbestehen kämpft und von Hochwassern bedroht ist. Imma macht sich als Novize Immanuel mit dem Klosterleben vertraut, denn sie ist fasziniert von der Kunst der Buchmalerei. Bis sie in der später weltberühmten Helmarshäuser Werkstatt arbeiten darf, sind einige Hindernisse zu überwinden.

Unter anderem begleitet sie den Abt Thietmar auf einer wochenlangen Reise nach Trier, wo sie in spannenden Verhandlungen und Verwicklungen um Überbleibsel toter Heiliger ringen, damit Helmarshausen zum Anziehungspunkt für Pilger werden kann, die Sündenablass erkaufen und Geld einbringen. Das Interessante ist, dass die meisten geschilderten Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben und die Verkleidungs-Geschichte, obwohl diese Fiktion ist, mit Abstrichen nachvollziehbar ist.

Sprachlich ist es solides Handwerk mit nicht ganz stolperfreier Sprache, aber einigen einprägsamen Passagen („Der Himmel dehnte sich aus, als sei er grenzenlos“) und einige Szenenbeschreibungen erinnern an Kinobilder aus Umberto Ecos Kloster-Krimi.

Der ärmliche Alltag und die Seelennöt der Menschen werden ebenso deutlich wie der vor Aufgaben strotzende Klosteralltag, aber auch das manchmal gute Essen und die Einflussversuche der Mächtigen jener Zeit in der Region. Am Ende spielen sogar die Auswirkungen der Kreuzzüge eine Rolle und verändern das Leben der Titelheldin komplett.

Der Roman endet überraschend und geht nahtlos über in eine Schilderung des weiteren realen Schicksals des Abts von Helmarshausen und des Klosterlebens jener Zeit. Ein kleines Roman-Lexikon zum Nachschlagen und Weiterforschen rundet das Buch ab. Ein durchaus lohnendes Leseerlebnis. (Thomas Thiele)

Info: Hermann Multhaupt: Das Geheimnis der Buchmalerin, Historischer Roman, St. Benno Verlag Leipzig, 280 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-7462-6174-4, 16,95 Euro.

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