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Verzögerte Straßensanierung an der Weser: Baustelle noch bis Ende Juni

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Von: Thomas Thiele

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Der Erdboden wird in acht Meter langen Abschnitten (soweit der Baggerarm reicht) aufgegraben und mit Flüssigzement durchmischt und verfestigt.
Der Erdboden wird in acht Meter langen Abschnitten (soweit der Baggerarm reicht) aufgegraben und mit Flüssigzement durchmischt und verfestigt. © Thomas Thiele

Das Ende der Baustelle zwischen Gieselwerder und Oedelsheim kommt langsam in Sicht – in voraussichtlich drei Monaten, Ende Juni, soll die Landesstraße L 561 fertig und wieder befahrbar sein.

Gieselwerder / Oedelsheim – Die eigentlich für Ende 2021 geplante Fertigstellung hatte sich deutlich verzögert.

Von den 1700 Meter Gesamtstrecke waren Mitte der Woche über die Hälfte im Untergrund saniert, bis Mitte Mai soll dies abgeschlossen sein. Für die neue Fahrbahn sind aus Richtung Gieselwerder immerhin bereits 700 Meter Frostschutzschicht aufgebracht und noch etliche Meter mehr die Bordsteine gesetzt, wie Vertreter von Hessen Mobil bei einem Ortstermin erklärten.

Grund für die Arbeiten waren Setzungen der an einem Hang entlangführenden Fahrbahn. Bei früheren Fahrbahnverlängerungen sei, so konnte Hessen Mobil bei älteren Zeitzeugen erfahren, Sandstein und Erdreich an der hangseite abgetragen und an der Talseite aufgeschüttet worden, was in einigen Bereichen nicht stabil genug war und in den vergangenen Jahren absackte. Zwei Teilstücke der Straße waren deshalb teilweise gesperrt und zuletzt nur einspurig befahrbar.

Um das Problem zu beheben, wird der Untergrund auf der talseitigen Fahrbahnhälfte nun auf voller Länge mit flüssigem Zement stabilisiert (siehe Hintergrund). Es handelt sich dabei um die bisher größte Baustelle dieser Art im Landkreis Kassel. In einigen weiteren Bereichen wird der feuchte Boden im Trockenverfahren mit Kalk vermischt, um ihn standsicher zu machen. Nachdem eine Drainage bisher nur abschnittsweise vorhanden war, wird die neue Entwässerung nun auf voller Länge eingebaut.

Die Vollsperrung sorgt seit Monaten für Aufregung: Nach dem Start der Arbeiten am 19. Juli vorigen Jahres wurde die Baustelle schon im August wieder stillgelegt, nachdem gerade die Asphaltschicht weggefräst war. Als Grund wurde genannt, dass ein Subunternehmer Probleme bei der Fortsetzung der Arbeiten hatte. Dadurch verzögerten sich die eigentlich auf sechs Monate geschätzten Arbeiten bereits um mehrere Wochen, inzwischen muss man mit fast einem Jahr Baustelle rechnen.

Autofahrer müssen bereits seit einem Dreivierteljahr einen gut 20-minütigen Umweg über Arenborn, Vernawahlshausen und Lippoldsberg fahren, Lkw sogar einen noch deutlich längeren über Uslar und Lauenförde. Betroffen sind neben den Berufspendlern auch der Schülerverkehr zu den Schulen nach Bad Karlshafen und Hofgeismar und der Öffentliche Personennahverkehr. Als eine Abhilfe fährt die Weserfähre Odelsheim auch wochentags morgens und abends. Weitere Lösungen ergaben sich bisher nicht.

Versuche von Autofahrern, die weggebaggerte Straße dennoch zu benutzen, habe es kaum gegeben, weil aufgrund der Gruben und Baufahrzeuge kaum ein Durchkommen ist. Einmal habe ein ortsfremder Autofahrer sich verirrt und sei in eine hydrozementierte Fläche gefahren. Er sei aber wieder freigekommen. Veranschlagt waren die Arbeiten vom Land Hessen mit insgesamt 3,8 Millionen Euro.

Bodenstabilisierung: Flüssiger Zement wird mit Untergrund vermischt

Bei dem zur Sanierung der L 561 verwendeten Hydrozementationsverfahren wird flüssiger Zement mit dem Untergrund vermischt. Ein Bagger hebt (bedingt durch die Länge des Baggerarms) jeweils acht Meter lange, vier Meter breite und bis zu drei oder mehr Meter tiefe Gruben aus. In den umgegrabenen Boden wird der Zement eingeleitet und mit dem Baggerlöffel durchgerührt. Die geschieht in mehreren Schichten, bis die gesamte Grube wieder gefüllt ist. Etwa drei dieser Acht-Meter-Abschnitte werden pro Tag geschafft. (Thomas Thiele)

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