"Der Wolf wird kommen": Jagdverband bereitet Jäger auf Begegnung vor

Könnten auch bald in unseren Wäldern eintreffen: Damit Jäger auf die Begegnung mit Wölfen (hier im Tierpark Sababurg) vorbereitet sind, gibt es jetzt spezielle Schulungen. Fotos: Hoffmann

Sababurg. Immer wieder werden derzeit Wolf-Sichtungen gemeldet. Obwohl eindeutige Beweise für die Existenz fehlen, bereiten Experten Jäger auf die Begegnung mit den Tieren vor.

Es braucht nur einen lauten Ruf, schon kommen sie ganz langsam aus dem Unterholz ihres Geheges. Raschka und ihre acht männlichen Kollegen Fenrir, Loupo, Amarok, Clint, Albert, Othello, Aaron und Timur pirschen immer näher heran, von Scheu keine Spur. Den im Tierpark Sababurg lebenden Wölfen ist die Stimme von Dieter Sellemann sichtlich vertraut.

Sie wissen genau: Wenn er kommt, winkt eine fleischige Leckerei. Am Samstagvormittag allerdings muss der Wolfsexperte des Landesjagdverbandes (LJV) Hessen seine tierischen Freunde enttäuschen, er ist lediglich vorbei gekommen, um gemeinsam mit einigen Teilnehmern seiner Wolfsschulung nach dem Rechten zu sehen.

Dieter Sellemann

Aug’ in Aug’ mit den Raubtieren keimt zwar Respekt auf, Angst aber nicht. Es mag an den beruhigenden Worten Sellemanns liegen: „In freier Wildbahn einem Wolf derart nah zu kommen, ist fast undenkbar, sie sind viel zu scheu.“ Dennoch will der stellvertretende Vorsitzende des Kreisjagdvereins Hofgeismar auf mögliche Wolf-Mensch-Begegnungen vorbereiten, die nämlich seien auch in unserer Region längst wieder im Rahmen des Möglichen.

„Der Wolf, der in Deutschland fast ein Jahrhundert lang als ausgerottet galt, kann täglich hier eintreffen.“ Grund zur Panik sieht er deshalb nicht, aber zum Handeln: „Der Wolf wird kommen, wir sind darauf in Hessen nur leider noch nicht vorbereitet.“ Deshalb will er nun, als einer von zwei Wolfsbeauftragten des LJV Hessen, mit Kollege Dr. Wolfgang Fröhlich verstärkt aufklären.

Iris Fiege

Wichtig sei vor allem, die vermeintlichen Sichtungen zu bündeln und eventuelle Spuren zu sichern. Das findet auch Dr. Fröhlich, Leiter des Wildparks Knüll, der aktuell mit diversen Meldungen von angeblichen Wolfssichtungen konfrontiert ist. „Wir haben leider noch keine gesicherten Hinweise, der endgültige Beweis fehlt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Schwalm-Eder-Kreis ein Wolf angesiedelt hat, ist nicht mehr von der Hand zu weisen.“

Deshalb sollen nun bei den zwei Wolfskennern alle Drähte hinsichtlich einer möglichen Ansiedlung in Hessen zusammenlaufen. „Wir sind dabei, für den LJV ein Wolfs-Beraternetz aufzubauen.“

Der Bedarf ist da, Iris Fiege etwa weiß bislang nicht, wie sie sich zu verhalten hätte, sollte sie einmal auf einen Wolf treffen. „Ich habe mich zwar ins Thema eingelesen, aber das reicht längst nicht aus“, so die Jägerin aus Espenau, die der Rückkehr mit einer gewissen Skepsis entgegen blickt.

Viele Fragen beschäftigen sie: „Ist genug Platz für alle da, wie verhalten wir Jäger uns, und wie reagieren wir auf Fragen aus der Öffentlichkeit?“ Antworten findet sie gemeinsam mit rund 30 weiteren Jagdkollegen in der LJV-Schulung der Wolfsbeauftragten, allerdings erst nach ihrem Besuch bei Raschka und deren männlichen Kollegen Fenrir, Loupo, Amarok, Clint, Albert, Othello, Aaron und Timur.

Von Sascha Hoffmann

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