120 Gäste in der Elch-Lodge

Reinhaldswald wird 1000 Jahre alt - und bekommt gleich zwei Geburtstagsfeiern

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Geburtstagsfeier für den Reinhardswald: Für das Aktionsbündnis Märchenland konnte Moderator Dr. Norbert Teuwsen etwa 120 Festgäste in der Elch-Lodge des Tierparks Sababurg begrüßen.

Der Reinhardswald ist 1000 Jahre alt. Weil aber ein Wald nicht selber Geburtstag feiern kann, tun das andere für ihn. Und zwar gleich zweimal in dieser Woche.

Am Mittwochabend war es das Aktionsbündnis Märchenland Reinhardswald, das mit seiner Feier in der Elch-Lodge im Tierpark Sababurg den Auftakt machte. Am heutigen Freitag ist es die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), die um 18 Uhr ins Schäferberg-Hotel einlädt.

Er habe schon manchen runden Geburtstaggefeiert, sagte Dr. Norbert Teuwsen, ehemaliger Reinhardshäger Forstamtsleiter als gut gelaunter Moderator des Abends, „aber ein 1000. ist noch nicht dabei gewesen“. 

Wald ist schützenswertes Ökosystem

Das gilt sicher auch für die illustre Gästeschar, die sich aus Forstleuten, Waldfreunden, Bürgermeistern und Naturschützern zusammensetzte. Allen gemein und bewusst ist, dass es sich beim Reinhardswald um ein besonderes, um ein sensibles und gerade deshalb um ein schützenswertes Ökosystem handelt.

Festgäste, Redner und Organisatoren der Geburtstagsfeier: (von links) Dr. Norbert Teuwsen, Christian Trappe, Fred Dettmar, Josef Rapp, Saxana, Partnerin von Maler Helge Hommes und Klaus Becker.

Daher ist einerseits die Freude groß, dass auch nach 1000 Jahren noch von einem großen, geschlossenen Waldgebiet gesprochen werden kann, das es so in Hessen kein zweites Mal gibt. Andererseits treibt die Geburtstagsgäste aber auch die Sorge um, dass der Wald trotz Naturpark-Etikett seinen Wert als einzigartige Naturlandschaft verlieren könnte. 

Orkane, Borkenkäfer, Windpark

Denn da waren nicht nur die Orkane der jüngsten Zeit und da ist die aktuelle Borkenkäferplage, die Abertausenden von Bäumen den Garaus macht, sondern da sind auch die Pläne zur Nutzung des Waldes als Standort für Windparks. Eine Realisierung solcher Vorhaben würde den Wald zu einer „Industrielandschaft“ verkommen lassen befürchten viele.

Solche Befürchtungen griffen auch die drei Festredner des Abends, Förster a.D. Hermann-Josef Rapp, Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar und Pfarrer Christian Trappe auf. Rapp, bekannt als die „Stimme des Reinhardswaldes“, sieht sogar die „finale Phase des Waldes“ gekommen. Wie dieses Finale ausgeht, ist offen.

Kritik an der Landespolitik

Zu den Ehrengästen des Abends gehörten neben dem Hann.Mündener Historiker Martin Czichelski, der die erste Urkunde des Reinhardswaldes entdeckt hatte, auch Landesforstmeister a.D., Dr. Wolfgang Dertz sowie der Leiter des Landesbetriebs Hessen Forst, Michael Gerst. Bei aller Geburtstagsfreude konnte auch Dertz und Gerst die bei allen Rednern durchscheinende Kritik an der Landespolitik beim Thema Windkraft im Wald nicht verborgen bleiben.

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