Willi und Ursel Alhart feiern Diamantene Hochzeit

Sägespäne verrieten einst, dass sie ein Liebespaar sind

Ursel und Willi Alhart feiern ihren 60. Hochzeitstag.
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Mit Sägespänen und erfrorenen Rosen ins Eheglück: Ursel und Willi Alhart feiern heute ihren 60. Hochzeitstag.

Ein Brauch, der heute fast vergessen ist, hat es vor über 60 Jahren den Bewohnern im Ort verraten.

Westuffeln - Eine Spur aus Sägespänen führte vom Haus der Alharts hin zum Haus der Himmelmanns und hat es damals allen deutlich gezeigt. Willi und Ursel sind ein Paar. Heute feiert das Ehepaar Alhart seinen 60. Hochzeitstag.

„Wir sind beide aus Westuffeln und uns natürlich immer über den Weg gelaufen“, erinnert sich Ursel Alhart, geborene Himmelmann, an das erste Kennenlernen. „Damals gingen die Mädchen immer noch gemeinsam am Sonntag spazieren und die Jungen folgten ihnen.“ 17 Jahre alt war sie damals ungefähr, während Willi Alhart bereits drei Jahre älter war.

„Ich habe dann schließlich ein Auge auf sie geschmissen“, erklärt der heute 83-Jährige schmunzelnd und berichtet, dass seine Herzensdame schön rank und schlank gewesen sei und – ganz wichtig – ebenso wie er sehr gerne und gut tanzte. „Keinen Tanz haben wir ausgelassen“, ergänzt seine Frau und fügt hinzu, dass sie heute noch gerne zusammen tanzen: „Manchmal auch ganz allein zu Hause, wenn die Musik im Radio gerade so schön ist.“

Erste heimliche Treffen des Paares wurden von den Freunden in Westuffeln durch die Spur aus Sägespänen verraten, was aber nicht so schlimm war, denn auch die Mutter von Ursel Alhart riet ihr: „Nimm den Alhart-Jungen!“ Als es im Winter 1961 zum Standesbeamten nach Obermeiser ging, versorgte dieser erst einmal in Ruhe seine Tiere im benachbarten Stall, bevor er sich der Trauung widmete.

Weil die Braut so jung war, musste die Mutter noch ihr Einverständnis erklären. „Wir mussten nicht heiraten – wir wollten es“, erklärt Ursel Alhart noch heute bestimmt. Im Anschluss an die Trauung wurde dann angestoßen, was sich auch der Standesbeamte nicht nehmen ließ und schließlich sogar ein wenig angeschickert war. „Es war bitterkalt“, erinnert sich Willi Alhart an seinen Hochzeitstag, „die Rosen im Brautstrauß meiner Frau waren gefroren und wir haben für die Feier in der Turnhalle extra zwei Öfen aufgestellt. Dort spielte dann auch eine Kapelle.“

Mehr als 100 Personen waren damals zu Gast, doch die Hochzeitsgeschenke konnte man in einem Wäschekorb nach Hause tragen. Bett- und Tischwäsche von damals sei noch heute da und zum Teil auch in Gebrauch, aber die große Bodenvase wurde ein Opfer des Staubsaugers. Zwei Kinder machten die kleine Familie perfekt. Heute gehören noch drei Enkelkinder und sogar ein Urenkel dazu.

Während Willi Alhart bei Hentschel tätig war, war seine Frau 30 Jahre lang als Haushälterin in einem Haushalt in Kassel beschäftigt. Lange Urlaubsreisen waren nie im Sinne von Willi Alhart. „Wenn er den Kirchturm nicht sehen kann, ist er nicht glücklich“, lacht seine Frau. Doch gemeinsame Busfahrten unternahmen sie gerne.

Volleyball und Turnen sind nach wie vor die Hobbys des Senioren, sowie Fußball gucken. Ursel Alhart hingegen macht nicht nur gerne Gymnastik, sie engagiert sich auch im Geschichtsverein und im Kirchenvorstand. Besuchsdienste in der Gemeinde machte sie immer gerne – bis die Pandemie kam.

„Wir wünschen uns, noch gemeinsam ein paar glückliche und zufriedene Jahre erleben zu dürfen“, sagt das Diamantene Hochzeitspaar. „Die Jahre sind so schnell vergangen. Es war nicht immer Eitel Sonnenschein – aber wir haben es zusammen gemeistert.“ (Gitta Hoffmann)

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