Forderung der Stadt Liebenau und eines Bürgers

Belastungen doppelt so stark? Windkraft-Lautstärke soll neu berechnet werden

Die Stadt Liebenau und ihre Ortsteile sind von Windkraftanlagen umgeben: Die meisten Anlagen stehen auf westfälischem Gebiet. Sollte der Windpark Heuberg noch dazu kommen, dann ist die Stadt von knapp 90 Anlagen eingekesselt. Archivfoto:  Thiele

Hofgeismar/Liebenau. Bisherige Berechnungen sollen oft fehlerhaft gewesen sein. Deshalb wird gefordert, für den geplanten Windpark auf dem Heuberg bei Hofgeismar die Lautstärke neu zu berechnen.

Es geht um den Schall der Windkraftanlagen (WKA), der auf die Wohnbebauung trifft. Das fordern die Stadt Liebenau wie auch ein betroffener Bürger.

Von den drei genehmigten Windkraftanlagen auf dem Heuberg seien insbesondere die Liebenauer Stadtteile Ost-heim und Lamerden betroffen, sagt Liebenaus Bürgermeister Harald Munser. Deshalb habe die Stadt nach Bekanntwerden der möglicherweise mängelbehafteten Messreihen beim Regierungspräsidium Kassel als Genehmigungsbehörde den Antrag auf Neuberechnung der Schallimmissionen gestellt. Munser beruft sich dabei auf das sogenannte Interimsverfahren, auf das sich die Umweltministerien der Länder im November vergangenen Jahres geeinigt hatten. Dem Beschluss der Umweltminister war die wissenschaftlich basierte Erkenntnis vorausgegangen, dass bei Abständen von mehr als 800 Metern der von WKA ausgehende Schall um bis zum Dreifachen über bisherigen Berechnungen liegen kann. 

Die Stadt Liebenau hatte schon bei Offenlegung und Erörterung Widerspruch gegen die Pläne zum Heuberg-Windpark eingelegt. „Wir wollen zumindest erreichen, dass das Ganze zugunsten unserer Bewohner abgemildert wird“, so der Bürgermeister. 

Harald Merz, Sprecher des RP Kassel, sagte, dass sich die Behörde in dieser Frage mit dem Umweltministerium in Wiesbaden abstimme. Dort habe sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Umsetzung des Interimsverfahrens befasse. Klar sei, dass aufgrund des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImschG) bei neuen Erkenntnissen gegebenenfalls auch nachgesteuert werden müsse. Ein Beispiel sei Nachtabschaltungen von WKA

Bürgermeister sieht Ostheim und Lamerden stark betroffen

Wenn Neuberechnungen von Lärmimmissionen des geplanten Windparks auf dem Heuberg zu neuen Ergebnissen führten, dann müsse das auch Konsequenzen haben. Das sagt Liebenaus Bürgermeister Harald Munser. Er fordert, dass dann auch die von den Anlagen ausgehenden Belastungen für Ostheim und Lamerden neu bewertet werden müssen. Das sehe auch das Hessische Verwaltungsverfahrensgesetz so vor.

Munser sieht die Bewohner der Liebenauer Stadtteile besonders belastet. Er wundert sich, dass von den ehemals geplanten sechs Anlagen „ausgerechnet die drei übrig geblieben sind, die für uns am nächsten liegen.“

Wenn der Heuberg-Windpark gebaut wird, dann ist Liebenau geradezu eingekesselt mit WKA. Der Bürgermeister weist darauf hin, dass um die Kernstadt mit ihren Ortsteilen derzeit 86 Anlagen stünden. „Und nur an drei Standorten ziehen wir als Stadt selber einen kleinen finanziellen Obulus daraus.“

Windkraftanlagen auf dem Hofgeismarer Heuberg: Diese Grafik der wpd AG zeigt die Standorte der geplanten drei Anlagen. Foto/Grafik : wpd/nh

Die Bremer wpd AG sieht die Diskussion um die fehlerhaften Messreihen der Vergangenheit indes noch gelassen. Die Windpark-Projektierer hätten bislang noch keine Aufforderung der Immissionsschutzbehörde im Regierungspräsidium erhalten, neue Berechnungen vorzulegen, sagt Ekkehard Darge, Mitarbeiter der wpd-Niederlassung Kassel. Darge weist darauf hin, dass frühestens ab 1. Oktober mit den Rodungen auf dem Heuberg begonnen werden könne. In der Vegetationszeit dürfe nicht gerodet und deshalb auch nicht gebaut werden.

Die Baugenehmigung erhielt wpd vom RP im vergangenen Jahr. Im Februar kam dann der Zuschlag bei der ersten Auktion dieses Jahres der Bundesnetzagentur. Damit ist die wpd zur Einspeisung von Strom vom Windpark Heuberg berechtigt.

Doch nicht nur die Stadt Liebenau, sondern auch Hofgeismarer Bürger sehen die Lärmimmissionen, die offenbar größer sind als bislang gedacht, mit Sorge. Antje Steinweg kann nicht nachvollziehen, „warum die Stadt Hofgeismar die Bürger nicht vor den möglichen katastrophalen Auswirkungen der über 200 Meter hohen Anlagen im Erholungswald schützen will“, sondern den Bau unbedingt realisieren wolle.

Das gerade erst von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Baugebiet „Auf dem Rennebaum“ verliere von vornherein an Attraktivität. Wem bewusst werde, mit welchen Schallpegeln unterhalb des Heubergs zu rechnen sei, werde dort kaum bauen wollen, meint Steinweg, die von Anfang an eine Wortführerin des Protests gegen die Heuberg-Pläne war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.