Verein hat eine kleine Halle für die große Maschine gebaut – Einweihung am kommenden Sonntag

Schiffsmotor bereichert Museum

Arbeiten am alten Motor. Unser Foto zeigt von links Heinz Noll, Hartmut Rossel, Erhard Weskamp, Gustav Waldeck und Eberhard Noll in der neuen Halle am Schiffermuseum in Gieselwerder. Fotos: Pinto

Gieselwerder. Im Schiffermuseum in Gieselwerder herrscht in diesen Tagen hektische Betriebsamkeit. Da wird nach Kräften gehämmert, gebohrt, geschraubt, gesägt und geputzt. Die Zeit drängt, am kommenden Sonntag will der Schifferverein die neue Halle für einen alten Schiffsmotor mit einem großen Fest einweihen (siehe Programm rechts), und bis dahin muss alles fertig sein. Aber Vorsitzender Jürgen Noll und dessen Stellvertreter Hartmut Rossel sind da ganz optimistisch. „Das schaffen wir schon“, sagt Rossel. Er hat das alte Schätzchen besorgt und ist „Projektleiter“ bei dessen Aufbau.

Baujahr 1954

Aber der Reihe nach: Das drei Meter lange, zwei Meter breite und ebenso hohe Schwergewicht ist kurioserweise noch nie auf einem Schiff gewesen. Denn der 1954 in Darmstadt gebaute Modag-Motor hat von Anfang an bis in die 90er-Jahre hinein seinen Dienst als Notstromaggregat in der Bundeswehrkaserne in Fritzlar versehen. Gleichwohl: Zahlreiche baugleiche oder ähnliche Maschinen desselben Herstellers treiben bis heute Schiffe an. Um das blaue, zehn Tonnen schwere Ungetüm vor Wind und Wetter zu schützen, haben Rossel und seine Mitstreiter eine schmucke Motorenhalle aus Holz gezimmert, die später weitere Exponate des kleinen Museums aufnehmen soll.

Zu teuer und zu laut

Laufen tut der Motor allerdings nicht mehr. „Technisch wäre das überhaupt kein Problem, aber eine komplette Instandsetzung wäre zu aufwändig und zu teuer“, erklärt Rossel. Allein die etwa 200 Liter Öl würden den Verein ein kleines Vermögen kosten. Ganz zu schweigen von der Lautstärke und dem Emissionsschutz, wegen dem er seinerzeit aus dem Betrieb genommen wurde.

Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Der 480 PS starke Diesel ist ein echter Hingucker und macht das schmucke Museum im ehemaligen Schulgebäude um eine Attraktion reicher. Dort halten die rund 60 Mitglieder die Erinnerung an die einstige Schiffertradition in Gieselwerder wach. In der Spitze waren fast 30 Schiffe in der Gemeinde gemeldet. Bis zu 200 Gieselwerderer waren seinerzeit in der Schifffahrt tätig.

Das liebevoll eingerichtete Museum zeigt, wie die Flussschiffer gelebt und gearbeitet haben. Besonders sehenswert sind der Nachbau eines Steuerhauses und eines der ersten Flussradare der Marke Decca. Hinzu kommen historische Fotos, Dokumente und Flaggen, Schiffsmodelle, Anker Taue, Seilwinden und allerlei Werkzeug, wie es früher auf Schiffen verwendet wurde. Ein echter Knaller aber ist ein detailgetreues Modell einer Havarie eines Gefahrguttransports mit Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Polizei.

Sonntags geöffnet

Das Museum ist von Mai bis September jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Individuelle Besuchszeiten für Gruppen, Schulklassen und Einzelpersonen können mit Günter Rossel, 05572/500, vereinbart werden.

Von José Pinto

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