Unterschiedliche Vorstellungen 

Schloss Höhnscheid: Pachtvertrag mit Günther Koseck beendet

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Gut zu erreichen und idyllisch gelegen: Das von den Baltischen Ritterschaften von der Waldeckischen Domanialverwaltung erworbene Schlossgut Höhnscheid. 

Die Schloss Höhnscheid-Gesellschaft in Bad Arolsen-Bühle hat sich von dem im Frühjahr verpflichteten Pächter Günther Koseck aus Hofgeismar getrennt. Wir erklären die Gründe.

Zu weit liegen die Ansichten über den Betrieb zwischen den Eigentümern und der Dornröschenschloss Sababurg GmbH auseinander. Die von der Gemeinschaft der Baltischen Ritterorden getragene Schloss Höhnscheid GmbH und Co. KG teilt mit, dass sie den Betrieb des Familien- und Tagungshotels in Eigenregie übernommen hat.

„Wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Fortführung des Geschäftes wurde der Pachtvertrag mit der Dornröschenschloss Sababurg GmbH gekündigt“, heißt es in einer Mitteilung. „Wir haben inzwischen alle Maßnahmen eingeleitet, um das Familien- und Tagungshotel Schloss Höhnscheid planmäßig weiterzuführen“, so Geschäftsführer Arved von Oettingen. 

„An diesem zentralen Ort in Deutschland bieten wir den Rahmen und den Service für Veranstaltungen regionaler Auftraggeber sowie für zahlreiche Familientreffen und - feiern“, sagt von Oettingen.

Im Frühjahr hatte der Baltische Ritterorden mitgeteilt, dass der Sababurg-Hotelier Günther Koseck als neuer Pächter den privaten Hotelbetrieb mit Restaurant und Tagungsbetrieb übernimmt. Die Sababurg wird derzeit vom Land Hessen saniert. Der langjährige Pachtvertrag mit der Familie wurde aufgelöst - diese ging sich nach über 60 Jahren.

Der Präsident der Baltischen Ritterschaften, Klaus Baron von Hahn, hatte bei der Bekanntgabe des neuen Pächters im März dessen jahrzehntelange Erfahrung und Kompetenz hervorgehoben. 

Koseck beabsichtigte, das Schloss Höhnscheid im Rahmen der Grimm-Heimat-Aktivitäten und der Märchenstraße zu führen: als Tagungsdomizil, Ort für Familienfeste, Station für Kultur-, Golf- und Gartenrreisegruppen, für diverse Veranstaltungen in historischem Ambiente sowie als neuer Anziehungspunkt für Grimm-Interessierte und Märchenfreunde. 

Günther Koseck (Mitte) bereitete gerade mit Regine Brunke und Andreas Richhardt ein neues Märchenprojekt vor.

Für das Restaurant wurde auf regionale Produkte gesetzt. Hier schieden sich die Geister: Der Baltische Ritterorden indessen nutzt das Gebäude hauptsächlich an Wochenenden für Familientreffen, zudem soll das ländlich und ruhig gelegene Schloss mit schneller Internetverbindung für Tagungen und Sitzungen von Firmen und Verbänden genutzt werden, die die ruhige Lage schätzen, und für Familienfeiern.

Die heutige Eigentümergesellschaft war bereits seit 1995 Mieter von Schloss Höhnscheid. Seit über 22 Jahren waren der in 2017 verstorbene Hotelier Johannes Steinacker und seine Frau Pächter des Tagungshotels, das sie mit großem Erfolg betrieben haben, wie von Oettingen betont. Susanne Steinacker allein habe den Betrieb nicht mehr fortführen wollen.

2017 erwarb die Schloss Höhnscheid GmbH & Co. KG das Schloss von der Waldeckischen Domanialverwaltung und verpachtete es nach einer umfassenden Renovierung im Frühjahr an die Dornröschenschloss Sababurg GmbH. 

Die Eigentümer würden den Betrieb wieder einem Pächter übertragen. Doch sei es nicht einfach, Personen zu finden, die Hotel, Tagungsräume und Restaurant dem Konzept von Schloss Höhnscheid entsprechend führen könnten.

Schon Differenzen mit dem früheren Verpächter

Der jetzt gekündigte Schloss-Pächter Günther Koseck hat auch seinen vorherigen Betrieb, das Hotel Dornröschenschloss Sababurg, nach Differenzen mit dem Verpächter verlassen. Die Eltern und Großeltern Kosecks hatten die damals baufällige Schlossruine im Reinhardswald seit 1959 zu einem weltweit bekannten Reiseziel ausgebaut. Ein wichtiger Schub kam Mitte der 1970er Jahre mit Gründung der Deutschen Märchenstraße. 

Seither wurde das Schloss als Heimat der Märchenfigur Dornröschen vermarktet und stieß besonders in den USA und Japan auf großes Interesse. Zudem wurde auf der Sababurg das in Deutschland erste externe Standesamt eingerichtet, was viele Hochzeitspaare anzog.

 Die Familie Koseck sammelte über Jahrzehnte ein umfangreiches Archiv zum Thema Märchen und Dornröschen an, das Günther Koseck nach dem Auszug aus der Sababurg mit nach Höhnscheid nehmen wollte, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung ankündigte. 

In seiner Werbung für den neuen Standort ließ er die von Schauspielern dargestellten Figuren Dornröschen und Prinz mit umziehen, obwohl die seit kurzem so firmierende Dornröschenstadt Hofgeismar ebenfalls an ihrer Markenfigur festhält. Auf Schloss Höhnscheid wollte Koseck zusätzlich die Kluge Gretel der Brüder Grimm als Märchenfigur etablieren. 

Auf der Sababurg hatte die Familie über Jahrzehnte viel eigenes Geld in Konzept und Ausstattung gesteckt. Immer wieder gab es mit dem Land Hessen Debatten über Ausbauten und Sanierungen, weil die Zimmer nicht ausreichten. Günther Koseck war ebenso kreativ wie streitbar. Am Ende kündigte das Land den Pachtvertrag wegen nötiger Umbauarbeiten.

Hier liegt das Waldgut Schloss Höhnscheid:

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