Schulchroniken sind Fundgruben für Ehrsten

Dorfgeschichte: Die von Hagen Helwig (rechts) nach Ehrsten zurückgebrachten alten Schulchroniken will Ortsarchivar Axel Träger jetzt lesen und auswerten. Im Hintergrund ist die so genannte Alte Schule von 1819 zu sehen, links eine Infotafel des Themenwegs über die Schulen. Foto: Binienda-Beer
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Dorfgeschichte: Die von Hagen Helwig (rechts) nach Ehrsten zurückgebrachten alten Schulchroniken will Ortsarchivar Axel Träger jetzt lesen und auswerten. Im Hintergrund ist die so genannte Alte Schule von 1819 zu sehen, links eine Infotafel des Themenwegs über die Schulen.

Ehrsten. Jahrzehntelang verschollen, sind sie jetzt wieder aufgetaucht: Zwei Schulchroniken aus Ehrsten, die das Dorfleben im 19. und 20. Jahrhundert beschreiben. Sie sind im Ort die einzigen Dokumente aus jener Zeit.

In Schönschrift ein „Sehr gut“. Diese Note hätten durch die Bank all jene Schreiber aus lang zurückliegender Zeit verdient. Sie, mit Feder und Tinte akkurat bis zum I-Tüpfelchen, waren aber nicht Schüler, sondern Lehrer: die Verfasser der ersten Ehrster Schulchroniken. Die dokumentieren in nahtloser Folge das Schul- und Dorfleben von 1876 bis 1932. Drei Jahrzehnte lang galten die Bände als verschollen, jetzt sind sie überraschend wieder aufgetaucht.

Zahlen, Namen, kleine und große Ereignisse, Frieden und Krieg. Die zurückgekehrten Bücher bilden eine wahre Fundgrube an Erkenntnissen - nicht nur zum Schulleben in früherer Zeit. Sie gewähren zugleich tiefe Einblicke in Ehrstens Dorfhistorie, schildern selbst Geschehnisse über Ehrsten hinaus.

Einzige Dokumente der Zeit 

Ortsvorsteher Axel Träger, Archivar des Arbeitskreises Geschichte und Dorfentwicklung (AGD), ist begeistert: „Ein echt wertvolles Geschenk und dann auch noch alle Texte im Original.“ Historische Ehrster Dokumente existieren aus diesem Zeitraum nämlich keine.

Hagen Helwig brachte die Chroniken zurück an ihren Ursprungsort. Er übergab sie im Saal des heutigen Dorfgemeinschaftshauses (siehe Hintergrund) an genau dem Ort, wo er selbst einmal im Klassenzimmer büffelte. Den Jungen aus Paderborn hatte der Lehrerberuf seiner Eltern nach Ehrsten verschlagen. Der Vater verstarb früh, die Mutter aber unterrichtete hier lange Jahre, zuletzt als Schulleiterin, bis zum Wegzug der beiden Mitte der 1950er Jahre. Einige ihrer früheren Schülerinnen hielten Kontakt und brachten der mittlerweile pensionierten Brunhilde Helwig die alten Chroniken zum geruhsamen Durchblättern in ihr Zuhause nach Kassel. Die Leihgabe geriet bald in Vergessenheit, die einstige Lehrerin starb 2006 hoch betagt.

Irgendwann machte sich Helwig daran, den bei ihm im Keller untergebrachten Büchernachlass seiner Mutter zu durchforsten und stieß vor kurzem auf die uralten Schulchroniken. Nur in verantwortungsvolle Hände wollte er sie abgeben, fand das Interesse des Stadtmuseums Hofgeismar, rief aber auch im Caldener Rathaus an. Der Kontakt zum AGD Ehrsten wurde hergestellt. Ein Versprechen nahm der 72-Jährige Hasgern Helwig dem Ehrstener Ortshistoriker Träger allerdings ab: Alles muss digitalisiert und dann dem Hofgeismarer Museum zur Verfügung gestellt werden.

Im Winter durchackern 

An Träger ist es nun, die beiden Bücher durchzuackern. Er freut sich auf die Lektüre und will sich ausreichend Zeit nehmen. „Der Winter steht vor der Tür.“ Um am Ende die interessantesten Inhalte allen Ehrstern zugänglich zu machen, ist an ihre Veröffentlichung als Broschüre gedacht. Dann in maschineller Schrift, versteht sich.

Von Dorina Binienda-Beer

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