Schwerverletzte Flüchtlinge werden von Sea-Watch versorgt

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Waren sich nicht gleich bewusst, dass Rettung da ist: Die Crew traf Flüchtlinge in Schlauchbooten an, zu denen sie erstmal Vertrauen aufbauen mussten.

Die MS Sea-Watch bietet Platz für Crews bis zu acht Personen. Das Schiff kann selbst keine Flüchtlinge aufnehmen, weil es dafür zu klein ist. So läuft eine Rettung ab:

1. Schritt 

Das Schiff sticht mit wechselnden Besatzungen für jeweils zwei Wochen von Lampedusa aus in See. Nach einer eintägigen Reise in das Zielgebiet nordwestlich der libyschen Küste wird das Gebiet einem Suchmuster folgend abgefahren. Gesucht wird per Radar und auf Sicht. Außerdem arbeitet Sea-Watch mit der Organisation „Watch the Med“ zusammen, die von den Flüchtlingsbooten aus Notrufe durch Satellitentelefone empfangen und diese an Sea-Watch weitergeben. Je nachdem wie weit das Schiff von dem Flüchtlingsboot entfernt ist, steuert es die Menschen in Seenot an.

2. Schritt 

Beim Flüchtlingsboot angekommen, fährt eine kleine Gruppe der Retter mit einem Schnellboot an das Schlauchboot heran, um nah an die Menschen heranzukommen. Jetzt versuchen die Retter sich einen ersten Eindruck von der Situation und dem Zustand der Menschen zu verschaffen und Vertrauen aufzubauen. Wenn sich Schwerverletzte auf dem Boot befinden, werden sie erstversorgt. Das macht ein Arzt, der wie alle Sea-Watch-Aktivisten ehrenamtlich bei den Rettungseinsätzen hilft.

3. Schritt 

Die Aktivisten geben Rettungswesten aus. Das passiert geplant und nach einem System, da auf den Schlauchbooten im Durchschnitt 120 Menschen dicht an dicht stehen. „Da muss man wirklich aufpassen, dass sich die Menschen nicht um die Westen reißen und durch starke Bewegung das Boot kentert“, erklärt Reinhard Schmitz. Dasselbe gelte für das Versorgen mit Trinkwasser.

4. Schritt 

Die Sea-Watch-Crew verständigt andere Hilfsorganisationen, die sich mit größeren Schiffen in der Nähe befinden. Diese kommen dann und holen die Flüchtlinge von ihren Schlauchbooten. Die MS Sea-Watch bleibt solange in der Nähe des Flüchtlingsboots bis ein anderes Schiff da ist. „Wenn man die Menschen in Seenot gefunden hat, kann man auf keinen Fall wieder wegfahren“, sagt Schmitz. „Dann bricht bei den Flüchtlingen die blanke Panik aus.“

Hintergrund

Sea-Watch ist eine private Organisation, die eine zivile Seenotrettung für Flüchtlinge aufgebaut hat. Dazu wurde ein Schiff gekauft und umgebaut. Die MS Sea-Watch ist in diesem Jahr von Juni bis Mitte Oktober auf dem Mittelmeer unterwegs gewesen.

Die Basisstation befindet sich auf Lampedusa. Als Anlaufstelle für die freiwilligen Crewmitglieder und Helfer dienen zwei gemietete Häuser vor Ort. Die wechselnden Crews bestehen aus sechs bis acht Mitgliedern, darunter Skipper, Ärzte, Mechaniker und Funker. Ein Einsatz dauert etwa zwei Wochen. Die Schlüsselposition hat der Kapitän inne, der auch die seemännische Verantwortung trägt. Der Initiator der Organisation ist Harald Höppner aus Berlin.

Weitere Infos: www.sea-watch.org

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