In Sielen kamen drei Storchenjunge zur Welt

+
Fütterung: Im gesamten Altkreis Hofgeismar gab es schon seit sieben Jahren keinen Bruterfolg bei Störchen mehr. In Sielen nahm Mitte März ein Storchenpaar einen Horst an und brütete. Drei sieben Wochen alte Jungen kann man derzeit dort beobachten - die wahrscheinlich schon in zwei Wochen das Nest verlassen werden.

Sielen. Seit kurzem ist das Diemeltal um eine Attraktion reicher: Drei Storchjunge bevölkern derzeit einen Horst in Sielen, der im Frühjahr vom Naturschutzbund aufgestellt wurde.

Dass sich an der Diemel Störche zum Brüten niederlassen, gab es seit 150 Jahren nicht mehr - somit ist die kleine Familie eine echte Besonderheit.

Zufriedene Naturschützer: Hans-Jürgen Schwabe und Christiane Sasse vom Naturschutzbund Hofgeismar freuen sich, dass ein Storchenpaar erfolgreich gebrütet hat.

Ganz bewusst hatten die Naturschützer vier Horste nahe des Sieler Sportplatzes aufgestellt, da hier schon im Vorjahr eine große Gruppe von Störchen gesichtet worden war. „Mitte März ist das Storchenpaar hier nach Sielen gekommen“, sagt Christiane Sasse, stellvertretende Vorsitzende des Hofgeismarer Nabu. Anfang Mai seien die Jungen dann geschlüpft, die nun rund sieben Wochen alt seien.

Erster Versuch: Anfang April hatten die Störche zunächst einen Horst an der Brückenstraße bezogen. Dort war es ihnen offenbar dann durch das Dorfleben doch etwas zu hektisch.

Geradezu optimal ist das Gebiet rund um den Sportplatz mit seinen vielen Feuchtwiesen, welche ein gutes Nahrungsangbot bieten.“ Beide Elternstörche tragen das Futter in ihren Kröpfen zu den Jungen und würgen es wieder aus“, erklärt Sasse. Sogar Wasser könnten die Eltern ihrem Nachwuchs im Schlund bringen. Wer sich dieses Schauspiel einmal ansehen möchte, sollte schon etwas Geduld mitbringen, da die Alten mitunter bis zu drei Stunden unterwegs sind.

Allerdings haben die Kleinen inzwischen auch einiges zu bieten: Da kann man etwa beobachten, wie sie ihren Kot aus dem Nest spritzen, um dieses sauber zu halten oder wie sie kurzzeitig erste Versuche im selbstständigen Stehen unternehmen.

Da sich das Storchweibchen zuerst für einen anderen Horst entschieden hatte, der nahe des Grundstücks der Familie Rosenberger steht, bekam sie vom Nabu den Namen Rosi. „Da brauchte ihr Mann dann natürlich auch einen Namen, den wir Karl getauft haben - warum, wird allerdings nicht verraten“, bemerkte Nabu-Chef Hans-Jürgen Schwabe.

Schon damals machte sich der Nabu allerdings Sorgen, weil der Horst sich auf einem Baum direkt an der Brückenstraße befand und man Störungen durch Schaulustige befürchtete. Später zog das Storchenpaar dann auch tatsächlich um ans andere Ufer der Diemel.

Zwei Wochen werden die beiden ihren Nachwuchs im Horst wohl noch versorgen, dann, nach neun Wochen, werden die jungen Störche nämlich flügge. „Eigentlich wäre es schön gewesen, wenn die Störche zur 1000-Jahr-Feier im August noch hier wären, aber das ist unwahrscheinlich“, so die beiden Nabu-Vertreter. Glücklich sind Sasse und Schwabe allemal, dass sich der Aufwand gelohnt hat, tatsächlich ein Storchpaar sich hier zum Brüten entschieden hat. Letzte Bruterfolge gab es 2008 in Vaake an der Weser.

Hintergrund

Die Rückkehr des Weißstorches gehört zu den Erfolgsgeschichten des hessischen Naturschutzes. Durch das Aufstellen von Storchenmasten und der Sicherung von Feuchtwiesen konnten sich die Bestände erholen. In ganz Hessen ziehen nach Angaben des Naturschutzbundes NABU, dessen Wappentier der Storch ist, mittlerweile 380 Paare ihre Jungen groß. Im Gegensatz zu Südhessen ist Meister Adebar in Nordhessen nur vereinzelt vorzufinden. Die Auswahl des richtigen Platzes spielt eine große Rolle beim Storchenschutz. Ein ausreichendes Nahrungsangebot ist wichtiger als ein ruhiger Ort zum Brüten. Leider, so bedauern die Naturschützer, steigt der Lebensraumverlust immer noch rasant an.

Von Tanja Temme

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.