Beim ersten Treffen der Stoma-Selbsthilfegruppe tauschten sich 15 Betroffene aus

Sogar ins Schwimmbad

Waren beim Gründungstreffen dabei:Völlig offen plauderten die Stoma-Träger beim ersten Treffen der Selbsthilfegruppe über ihre Krankheit. Auch Angehörige und Interessierte sind willkommen bei der Gruppe, die sich ab sofort einmal im Monat trifft. Fotos: Temme

Hofgeismar. Menschen mit dem gleichen Krankheitsbild verstehen einander einfach besser. Das wurde auch beim Treffen der Stoma-Selbsthilfegruppe deutlich, das diese Woche erstmals in Hofgeismar zustande kam.

„Unser Ziel ist es aufzuklären sowie Informationen und Erfahrungen auszutauschen“, sagte Monika Skrzypczak, die durch die Erkrankung ihres Mannes viel Wissen rund um das Thema angesammelt hat und deshalb auf die Idee kam, in Hofgeismar eine Stoma-Gruppe zu gründen. Ein Stoma ist übrigens eine künstlich geschaffene Öffnung in der Bauchwand, die der Ausleitung von Ausscheidungen dient.

Dass man mit einem Stoma sein Leben fast normal weiter führen kann, wurde schon bei der Vorstellungsrunde deutlich. „Wenn man erst mal das richtige Produkt gefunden hat, kann man mit einem Stoma sogar ins Schwimmbad gehen“, sagte Helmut Pfeiffer, der wie die andern völlig offen über sein Krankheitsbild berichtete. Auch Günther Hilpert, der sogar zwei Stomas trägt, lässt sich von seinen künstlichen Ausgängen im Alltag nicht einschränken: „Mit der Zeit habe ich genau rausbekommen, worauf ich achten muss und jetzt habe ich mich damit gut arrangiert“.

Schlafen bereitet Probleme

Problematisch sei für ihn nur das Schlafen, denn durch die Schläuche könne er nur bestimmte Positionen einnehmen, ergänzte der Immenhäuser. Über einige Pannen mit dem Stoma konnte Emmi Botsch berichten: „Gerade am Anfang war ich sehr unsicher, ist es dicht und riecht es vielleicht, habe ich da häufig gedacht. Und gerade, wenn man es überhaupt nicht gebrauchen kann, passiert eben etwas“, so die Langenthalerin, die vor zwei Jahren an Darmkrebs erkrankte. Wie wichtig es ist, einen Partner zu haben, der zu einem hält, machte sie im Weiteren klar.

Jüngstes Gruppenmitglied ist die erst 29-jährige Daniela Bär, die gute Chancen hat, ihr Stoma bald wieder los zu werden. Im Gegensatz zu den meisten anderen leidet die Kasselerin nicht an Krebs, sondern an einer Endometriose, bei der Gebärmutterschleimhaut im Bauchraum wächst. Dass eine Rückverlegung vor allem nach Bestrahlung und Chemotherapie oft schwierig ist, in ihrem Fall aber wahrscheinlich keine Probleme machen werden, gaben ihr die Gruppenmitglieder mit auf den Weg.

Wie die Treffen zukünftig strukturiert werden sollen, will die Gruppe bei ihren nächsten Zusammenkünften festlegen. Nach einer ersten Annäherung, wo es viel Raum für das Wer-hat-was-und-warum gab, soll künftig mehr Zeit für den persönlichen Austausch vorhanden sein. Um an der Gruppe teilzunehmen, muss man nicht unbedingt ein Stoma tragen - auch Interessierte und Angehörige sind willkommen.

Info: Jeden ersten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im Gasthaus Zum alten Brauhaus trifft sich die Stoma-Selbsthilfegruppe. Kontakt: Monika Skrzypczak 01 72/8 57 08 96.

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