Spurensuche in Hofgeismar: Der unauffällige Andreas T.

Hofgeismar/Deisel. Keine Auffälligkeiten, keine Spuren, die in die rechte Ecke führen. Andreas T., der für den Verfassungsschutz in Kreisen von Neonazis gearbeitet haben soll, hat in seinem jetzigen Wohnort Hofgeismar ein völlig unauffälliges Leben geführt. Eine Spurensuche.

Auch in Deisel, wo er früher gewohnt hat, deutet nichts auf illegale Aktivitäten des Mannes hin, der immer wieder mit der Nazi-Mordserie in Zusammenhang gebracht wird.

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Die Familie von Andreas T. soll am Dienstagabend abgereist sein. Das wurde von Journalisten kolportiert, die das Haus am Hofgeismarer Schützenhagen seit zwei Tagen belagern. Den Kamerateams blieb am Mittwoch nichts anderes übrig, als die Fassade zu filmen. Andreas T. lebt ohnehin sehr zurückgezogen, berichten Nachbarn. „Ich habe ihn aber schon seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen, aber er ist ein netter Kerl“, sagt ein Postbote.

Gleiches meint auch Frank Peters, Inhaber eines benachbarten Geschäfts: „Die Frau habe ich schon mal gesehen, die Familie ist nicht sehr auffällig“. Der in Deisel wohnende Bruder von Andreas T. wollte sich nicht gegenüber unserer Zeitung äußern.

Als engagiert und nicht besonders auffällig beschreibt Trendelburgs Bürgermeister Bernhard Klug den ehemaligen Verfassungsschützer. Der Verwaltungschef kennt den Mittvierziger und dessen Eltern. Vom Spitznamen „kleiner Adolf“ habe er noch nie etwas gehört; er sei geradezu geschockt gewesen, davon in der Zeitung zu lesen. „Diese Bezeichnung deckt sich nicht mit dem, was ich von ihm weiß“, sagt Klug. Konservativ – das sei er sicherlich. Aber eine rechte Gesinnung sei ihm an T. nie aufgefallen.

Auch nicht damals, als er 1987 als Jugendwart bei der Feuerwehr in Deisel gearbeitet hatte. Im Jahr 2006 hatten Hausdurchsuchungen in Hofgeismar und der elterlichen Wohnung in Deisel für Aufsehen gesorgt. Damals war bekannt geworden, dass sich der Mitarbeiter des Verfassungsschutzes wenige Minuten vor dem Mord an Halit Yozgat in dessen Internetcafé in Kassel aufgehalten hatte.

Nach Nazi-Mordserie: Hofgeismarer Verfassungsschützer im Fokus

In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA
In diesem Haus in Hofgeismar soll der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. früher gewohnt haben. © HNA

Bei den ehemaligen Feuerwehrkameraden in Deisel herrscht Schweigen. Trendelburgs Stadtbrandinspektor Markus Hortz, zugleich Chef der Deiseler Feuerwehr, will sich über Andreas T. nicht äußern. Und der Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Hofgeismar, Horst Klinge, will den Namen des ehemaligen Jugendwartes aus Deisel noch nicht einmal gehört haben. Dabei gilt Klinge als jemand, der bei der Feuerwehr Gesichter und Namen kennt.

Ein anderer Feuerwehrführer der Stadt Trendelburg erinnert sich daran, dass T. auch Zugführer der Deiseler Wehr gewesen ist. Er sei aktiv, aber „als Person immer etwas distanziert“ gewesen. Nazis, die es wie im Schwalm-Eder-Kreis in die Feuerwehren dränge, seien allerdings auch nicht unmittelbar zu erkennen. „Weiße Schnürsenkel in ihren Springerstiefeln tragen die nicht mehr“, gibt der Feuerwehrmann Erkenntnisse des hessichen Landesamtes für Verfassungsschutz wieder.

Über die Familie sei in Deisel „überhaupt nichts Negatives bekannt“, sagt Ortsvorsteher Ralf Heere. „Die sind alle völlig in die dörfliche Gesellschaft integriert.“ Auch Heere, der T. aus Schulzeiten kennt, bestätigt, dass der ehemalige Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, der heute beim Regierungspräsidium arbeite, sich nie mit extremistischen Äußerungen hervorgetan habe. (tty)

Rubriklistenbild: © Vossen

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