Stadtmuseum Hofgeismar zeigt Werke aus China

Imposantes Exponat: Der Ahnenaltar, Peking um 1900, stammt vermutlich aus einem sehr vornehmen Haus. Er befindet sich im Eigentum des Stadtmuseums Hofgeismar (im Bild Mitarbeiterin Andrea Tömösy) und ist Teil der aktuellen Sonderausstellung.

Hofgeismar. Das alte China und die Deutschen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Stadtmuseum Hofgeismar.

Die Sonderausstellung zeigt dieses heute weitgehend vergessene Kapitel nationaler Vergangenheit, verflochten mit ferner Kulturgeschichte. Zu sehen sind unter anderem Werke und Reisesouvenirs des Malers Theodor Rocholl.

Der aus dem Waldeckischen stammende Maler begleitete 1900 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II deutsche Truppen als Kriegsberichterstatter mit Stift und Pinsel ins Land der aufgehenden Sonne. Als Verehrer der chinesischen Kultur kehrte er im folgenden Jahr zurück. Von der untrüglichen Faszination, die Menschen, Landschaften, Architektur, Traditionen und eine hoch entwickelte Handwerkskunst auf ihn ausübten, zeugen nicht nur seine Bilder. Die Ausstellung „Rocholl reist“, die den in der Region besonders für seine Reinhardswaldmotive bekannten Künstler als Botschafter fremder Kulturen zeigt, präsentiert überdies eine Vielzahl aus China mitgebrachter volkskundlicher Erinnerungsstücke.

Der Anlass für Rocholls Reise ins Reich der Mitte: Vor heute 115 Jahren erheben sich chinesische Bauern gegen Armut, Missionierung, Fremdherrschaft und die Einführung moderner Technologien. Das Deutsche Reich hat schon 1897 die Bucht von Kiautschou besetzt und bald darauf die Provinz Schantung „gepachtet“. Acht Nationen schlagen schließlich den sogenannten Boxeraufstand (Freiheitsbewegung mit traditioneller Kampfkunstausbildung) von 1900 nieder.

Allein ein einziges, großformatiges Schlachtengemälde gibt in der Ausstellung Zeugnis von der blutigen Auseinandersetzung. Rocholl wählt auf seiner Motivsuche bevorzugt Persönlichkeiten, unabhängig von ihrem Rang, und außergewöhnliche Situationen. Seine exzellenten Portraits sprechen eine andere Sprache als die der Besatzungsmächte: Mit Offenheit und unparteiischem Blick begegnet der Pfarrerssohn aus Sachsenhausen/Waldeck Fremden, zeichnet und malt sie in ihrer menschlichen Würde. Schon auf der Hinreise mit der Panzerkorvette Sachsen portraitiert er dunkelhäutige Heizer in derselben Unvoreingenommenheit wie deutsche Offiziere auf See und später an Land.

Seine Skizzen und Bilder wie auch die ausgestellten Objekte - chinesische Silberkunst, Münzen, alte Briefmarken und China-Postkarten, Ton- und Holzfigürchen in der Darstellung von Alltagsszenen, Kleidungsstücke oder die Abzeichen hochgestellter Mandarine - lassen den Ausstellungsbesucher einen Hauch des alten China erleben.

Ein kleinerer Teil von „Rocholl reist“ entführt den Betrachter auf den Balkan, wo der Maler schon 1897/98 in Bildern festhielt, was im Zuge des türkisch-griechischen Krieges geritten und gefahren kam. Erläuterungen geben Auszüge aus seinen Aufzeichnungen in „Ein Malerleben“.

Die Ausstellung läuft bis zum 1. November.

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 10 bis 12 Uhr, Mittwoch 15 bis 18 Uhr, Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag geschlossen, Sonntag 11 bis 13 und 15 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

Von Dorina Binienda-Beer

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