Jahrhundertealtes Naturdenkmal

Sturmböe riss große Schweinseiche um

Umgefallen: Seit einigen Tagen liegt die Schweinseiche bei Reinhardshagen auf dem Waldboden. Der Baum war bereits vor mehr als 30 Jahren abgestorben.
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Umgefallen: Seit einigen Tagen liegt die Schweinseiche bei Reinhardshagen auf dem Waldboden. Der Baum war bereits vor mehr als 30 Jahren abgestorben.

Reinhardshagen. Jeder Reinhardshäger kannte sie. Sie war die Anlaufstelle für Schulklassen an Wandertagen und eines der Wahrzeichen des Reinhardswaldes: die Schweinseiche an der Ostseite des Staufenbergs. Jetzt steht der jahrhundertealte Baum nicht mehr. Vergangene Woche riss eine Sturmböe ihn um.

Der bekannte ehemalige Forstmann Hermann-Josef Rapp entdeckte den umgestürzten Baum am Samstagnachmittag auf einer Wanderung von der Staufenberghütte zum Paulistein. Rapp war auf dem Wanderweg X6 mit einer Gruppe von Waldfreunden unterwegs. Dabei stießen sie auf die Trümmer der mächtigen Eiche. „Ehrfürchtig standen wir gemeinsam davor“, schildert Rapp die Reaktion der Gruppe. „Solche Momente erlebt man nicht jeden Tag.“ Über das Alter des einstmals riesigen Baumes gibt es keine Angaben. Förster Eckhard Kamm schätzt es auf 700 bis 800 Jahre, möglicherweise aber auch noch älter. Abgestorben war der Baum allerdings schon vor mehr als 30 Jahren. Jetzt genügte offenbar eine kräftige Böe, um den verrottenden Stamm umzuwerfen.

Die alte Eiche legte sich so, dass sie den Wanderweg nicht blockierte und auch das vor ihr aufgestellte Schild nicht umriss. Man könnte sagen: Sanft und friedlich legte sie sich nieder. Förster Kamm hält den Platz um die Schweinseiche herum seit Jahren frei. Damit der Nachwuchs der um sie herum stehenden Buchen sie nicht überwuchert.

Der Name Schweinseiche weist auf die besondere Bedeutung der Eiche in Zeiten der Schweinemast und des Hutebetriebs hin. In vergangenen Jahrhunderten fanden die zur Mast in den Wald getriebenen Schweine reichlich Fressen in Form nahrhafter Eicheln.

Die Schweinseiche liegt im Naturwaldreservat Weserhänge. In diesem Reservat soll sich der Wald wieder zum Urwald entwickeln – ohne größere Eingriffe der Forstwirtschaft. Im Wirtschaftswald wäre die tote Schweinseiche längst gefällt worden. Hier aber blieb sie stehen. Denn Totholz bietet vielen Tieren Lebensraum. Asthöhlen werden zu Nistplätzen von Vögeln und zum Quartier von Fledermäusen. Das sich zersetzende Holz bietet einer Vielzahl von Pilzen und Kleinlebewesen Nahrung.

Den Wald sich selbst zu überlassen, ist der Zweck der Naturwaldreservate. Im Reservat Weserhänge verfolgen Forscher der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalten diese Entwicklung wissenschaftlich. In Hessen gibt es 31 Naturwaldreservate.

Von Gerd Henke

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