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Tagelöhner erschlug betrunken seine Frau im Wald bei Hombressen

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Von: Peter Klebe

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Ein lichter Laubwald
Lichter Laubwald: Herrlicher Anblick, große Bedeutung für Erholung, Wirtschaft und Klima. Forscher aus acht Ländern sammeln Erkenntnisse, die auch Hilfe für Förster, Wissenschaflter und Politiker sein sollen. © Hessenforst/nh

Das kurze und traurige Leben von Marie Herbold aus Hombressen (heute Landkreis Kassel) bestand vor allem aus Angst und Leid. 

Angst vor ihrem Ehemann Julius, den sie im Alter von 23 Jahren geheiratet hatte, einem gewalttätigen Tagelöhner und Trinker. Er behandelte Maries uneheliches Kind, das sie mit in die Ehe gebracht hatte, schlecht, es starb früh.

Einmal verwundete er seine Frau mit einem Schemel derart stark, dass sie aus dem Fenster sprang und zu Verwandten flüchtete. Als sie nach Wochen zurückkehrte, kam es wieder zu Gewalt. Ein Gericht verurteilte den 28-Jährigen daraufhin zu einer sechswöchigen Zwangsarbeit.

Marie versuchte trotz allem, den Haushalt zusammen zu halten. Als sie am 18. Februar 1851 vom Holzsammeln aus dem Wald kam, nahm das Schicksal seinen Lauf. Julius lauerte ihr betrunken auf und forderte sie auf, mit ihm zurück in den Wald zu gehen, angeblich, um besseres Holz zu sammeln. Sie versuchte, vor ihm ins Dorf zu fliehen. Julius verfolgte sie, riss sie zu Boden, trat und prügelte sie. Als ein Schäfer zur Hilfe eilte, floh er. Marie wurde medizinisch betreut, aber es half nichts mehr. Sie starb am 22. März.
Als Julius Herbold davon erfuhr, stellte er sich einem Kasseler Richter. Er erklärte, schon am Morgen des Tattages Streit gehabt zu haben, weil seine Frau ihn einen „Söffer und faulen Kerl“ genannt habe. Sie habe ihn an den Haaren gezogen, er habe sie daraufhin mit einem Knüppel geschlagen, damit sie ihn loslasse. Eine Aussage, der der helfende Schäfer widersprach.

Später zeigte sich, dass die Tatwaffe kein Holzknüppel, sondern ein eiserner Mörserstößer war, der den Herbolds gehört hatte und der in Tatortnähe gefunden wurde.

Herbold wurde zu 22 Jahren „Eisenhaft zweiter Klasse“ verurteilt, wegen seiner Trunkenheit befanden die Richter lediglich auf Totschlag. Die Staatsbehörde überprüfte den Fall später und hob das Urteil auf. Das Kasseler Schwurgericht erkannte Mordabsicht und verneinte die Frage, ob Herbold so betrunken gewesen sei, dass seine freie Willensbestimmung eingeschränkt gewesen sein könnte. Das Urteil: Tod durch das Schwert.

Am letzten Abend seines Lebens, dem 6. Januar 1853, gestand er, den Mord schon länger geplant zu haben. Zu seiner Hinrichtung kam eine große Menschenmenge.

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Der Artikel erschien erstmals am 18. August 2017 in der HNA.

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