Familie hilft 

Tierärztin aus Niedermeiser kastriert Streuner in der Karibik 

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Zurück im Praxisalltag: Tierärztin Claudia Bretthauer ist wieder in ihrer Praxis aktiv. Nach einer solchen Reise sehe sie die Welt hier mit anderen Augen, Probleme relativierten sich da. Im März will sie wieder helfen, dann in Grenada Hunde kastrieren. 

Claudia Bretthauer will mit Kastrationen das Leid verwahrloster Hunde in der Karibik lindern. Die Tierärztin aus Niedermeiser behandelte in zehn Tagen 328 Tiere. 

Streuner auf der Schattenseite der Dominikanischen Republik. Auch kranke, verwahrloste, unterernährte Hunde gehören zum Straßenbild des Touristenparadieses. Vor allem fernab der Zentren offenbart es sich in seiner Tragik. Dagegen engagiert sich die Tierärztin Claudia Bretthauer seit vielen Jahren. 16 Mal war sie in verschiedenen Ländern der Welt im Einsatz.

Dabei sind solche Aufenthalte neben dem Verdienstausfall mit immensen Kosten verbunden. Kürzlich war sie in der Karibik, um das Leid der verwahrlosten Straßenhunde einzudämmen. Bei ihrem zehntägigen Aufenthalt kastrierte sie 328 Tieren.

Von madenzerfressenen Beinen der von Staupe geplagten, halbtoten Welpen, die im Geschlecht ihrer Mutter hängen, handeln die Geschichten, die die Tiermedizinerin vor ein paar Tagen hautnah erlebt hat. Tierschicksale, denen sie mit ihrer Arbeit Einhalt gebieten möchte: „Auch wenn es dort noch immer viele herrenlose Hunde gibt, so ist es in den vergangenen Jahren viel besser geworden“, berichtet die 50-Jährige vom Erfolg der zurückliegenden Kastrationsaktionen. 

Kastrieren im Akkord

Als sie das erste Mal dort gewesen sei, hätte man beispielsweise an bestimmten Plätzen bis zu 30 herrenlose Hunde gesehen. Inzwischen seien es nur noch etwa fünf. Als „Kastrieren im Akkord“ beschreibt Bretthauer ihren Einsatz auf der Insel, bei dem ihre Familie sie begleitete. Benötigt ein erfahrener Tiermediziner eine Dreiviertelstunde für eine Kastration, so nimmt Bretthauer den Eingriff in ihrer Praxis gewöhnlich in 15 Minuten vor. 

Operieren in der Karibik: Claudia Bretthauer kastrierte und behandelte zehn Tage lang Hunde in der Dominikanischen Republik. Unter teilweise extremen Bedingungen musste die Tiermedizinerin aus Niedermeiser dort arbeiten.

Ihre persönliche „Bestzeit“ erreichte sie nun in der Karibik: „Sechseinhalb Minuten für eine Hündin und dreieinhalb für einen Rüden“, erzählt sie. Insgesamt konnte sie 328 Hunde während des zehntägigen Aufenthaltes unfruchtbar machen und damit verhindern, dass künftige Hundegenerationen das gleiche Schicksal ereilt. Die Arbeit fand teilweise unter extremen Bedingungen statt. Zum Beispiel gab es drei Tage lang kein fließendes Wasser.

Zu ihren Patienten gehörten herrenlose Streuner, aber auch viele Vierbeiner, die die einheimischen Besitzer brachten. Da die Armut dort groß sei, nutzten manche Besitzer gern solche kostenlosen Angebote von Tierschutzorganisationen.

Auch Katzen wurden von der engagierten Tierärztin behandelt. So kam es, dass Bretthauer auch Amputationen, Impfungen und sonstige Behandlungen vornahm. „Leider mussten wir diesmal viele Tiere einschläfern, die nicht mehr zu retten waren.“ Natürlich ist der nächste Einsatz schon geplant: Im März wird es nach Grenada gehen.

Ganze Familie im Einsatz

Die Tierärztin wurde bei ihrem Einsatz in der Karibik von ihrem Ehemann und den beiden Söhnen begleitet. „Mein Mann anästhesiert die Tiere, während ich an zwei Tischen operiere“, sagt sie und berichtet nebenbei, dass ihre Mann eigentlich Technischer Zeichner sei. Und auch ihre zehn- und dreizehn Jahren alten Jungen mischen tatkräftig mit. Sie helfen, wo sie gebraucht werden. Zudem gehörten zwei Studenten aus dem Warburger Raum zum Team Bretthauer.

Viel Handlungsbedarf beim Tierschutz

Diesmal war Claudia Bretthauer für den Verein zur Hilfe und Förderung des kreolischen Hundes tätig. Da Tierschutz im Vergleich zum Mittelmeerraum in der Karibik erst spät entstand, gibt es dort reichlich Handlungsbedarf. Auf jeden vierten Einwohner solle ein Hund kommen. Durch Kastrationen versucht man, die Straßenpopulationen unter Kontrolle zu bekommen, um das Tierleid einzudämmen. 

Streuner finden sich überall dort, wo es genügend Abfälle gibt wie etwa auf Müllhalden. Hunger, Durst und die ständige Suche nach einem geschützten Plätzchen prägen das Leben der Tiere. Hinzu kommen Verwurmung, Parasitenbefall, unbehandelte Verletzungen und sonstige Erkrankungen. Ein dreijähriger Hund ist in der Karibik alt, ein fünfjähriger ein Greis. Wer sich über die Arbeit des kleinen, engagierten Tierschutzvereines informieren oder ihn unterstützen, findet hier Informationen: www.kreolischerhund.de

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