Sonntag zum vorerst letzten Mal geöffnet

Betrieb bis zum letzten Tag: Hotel Sababurg schließt nach über 60 Jahren

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Haus mit Vergangenheit: Pächter Karl Koseck (rechts) und Geschäftsführer Günther Koseck bereiten seit Tagen den Auszug vor. Zu ihrem Inventar gehören auch diese Skulptur der Brüder Grimm, die viel für den Betrieb bedeutet haben, und etliche Rocholl-Gemälde.

Sababurg. Freitag, der 6. April 2018: Im Hotel und Restaurant der Sababurg ist Betrieb wie immer. Hotelgäste checken ein und aus, Restaurantbesucher treffen ein, darunter eine nicht angemeldete Trauergesellschaft aus dem Friedwald.

Dazu geht ständig das Telefon und Geschäftsführer Günther Koseck, der eine erkrankte Kollegin vertritt, nimmt Anmeldungen für Essen entgegen und Zimmerreservierungen für Schloss Höhnscheid. Denn am Sonntag ist das Hotel zum vorerst letzten Mal geöffnet, die Familie Koseck zieht nach der Kündigung durch das Land Hessen nach 61 Jahren aus und um.

Täglich 15 bis 20 Personen kommen vorbei, um sich zu verabschieden, kleine Präsente oder Rosengutscheine dazulassen. Günther Koseck ist zu beschäftigt, um das drohende Ende näher an sich heranzulassen. Er hat schon immer, außer in der Schul- und Studienzeit, in einer Wohnung auf der Burg gelebt. Um Abstand zu gewinnen, lebt er seit einigen Wochen in einem nicht mehr genutzten Hotelzimmer, „nur mit Zahnbürste und etwas Gepäck“. Vor 18 Jahren hatte er die Leitung und überaus erfolgreiche geschäftliche Ausrichtung übernommen. Die Burg ziehe in sieben Sommermonaten mehr Besucher an als mehrere andere große Touristenziele in der Region zusammen, sagt er. Es ist das Alleinstellungsmerkmal, das weltweit zutrifft: Die Saba-burg wurde als das einzige Dornröschenschloss weltweit aufgebaut und wirkt jeden Tag.

Schlüssel rumgedreht: Am 30. April zieht die Familie Koseck nach 61 Jahren aus. Foto: Thiele

Alles das werden die Kosecks mitnehmen in das kaum 55 Kilometer entfernte Schloss Höhnscheid bei Bad Arolsen, das am 11. April schon für ein Treffen der Burgenvereinigung ausgebucht ist und im Mai/Juni offiziell eröffnet werden soll. Günther Koseck hat die frisch sanierte, zwar nicht in einem Wald, aber dafür in einem Park liegende Barockanlage auf zehn Jahre mit Verlängerungsoption gepachtet. Er ist froh, dass sie mit größerem Gewölbekeller, 30 Zimmern und elf Veranstaltungsräumen deutlich mehr Möglichkeiten biete als die Sababurg, die das Land nun sanieren will.

Restaurant und Hotel auf der Sababurg sind heute den ganzen Tag und am morgigen Sonntag noch bis 18 Uhr in Betrieb. Vier 7,5-Tonnen-Lkw haben bereits Mobiliar und Ausstattung nach Höhnscheid transportiert, der Rest folgt bis Ende April. Das wird, mit Ausnahme einiger Restaurantstühle, das gesamte Inventar sein, einschließlich Gemälden, Geschirr und antiker Möbel.

Am 28. und 29. April wird es noch zwei Tage der offenen Tür geben, in denen man sich das leere Schloss ansehen kann. „Wir werden so aufhören, wie meine Schwiegereltern 1957 angefangen haben – mit einem Bratwurststand auf dem Burghof“, sagt Seniorchef Karl Koseck (76). Er wird mit seiner Frau Sabine, die gestern verhindert war, in Hofgeismar wohnen bleiben, aber drei bis vier Tage pro Woche in Höhnscheid mithelfen.

Er erinnere sich besonders gern an die Staatsjagden, als Minister in der Burg ein und aus gingen. Heute lasse sich kaum noch jemand aus Wiesbaden sehen. Er gehe mit Wehmut, doch trauere er der Burg nicht nach, „nach so einem entsetzlichen Ende“.

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