Imkerverein betreut zwei Völker

Große Sorge um die Honigbiene im Tierpark Sababurg

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Stechen gehört dazu: Dass Hunderte von Bienen auf der Wabe sitzen, stört Willi Finis (von links), Klaus Persch und Mark Weisheit vom Hofgeismarer Imkerverein wenig. Sie sind es gewöhnt, dass die Insekten ab und zu mal zustechen.

Sababurg. Stirbt die Biene, dann stirbt auch der Mensch – diese Weisheit ist bekannt. Wie es tatsächlich um unsere Bienen bestellt ist, erfuhren Besucher am Sonntag beim Aktionstag in der Bienenwelt des Tierparks Sababurg.

Theoretische und ganz praktische Einblicke in die Welt dieser so wichtigen Nutztiere gaben Imker des Hofgeismarer Vereins. Zwei Völker betreut der Imkerverein im Tierpark. „Heute zeigen wir auch, wie Honig gemacht wird“, sagte Willi Finis aus Westuffeln, denn zwei- bis dreimal könne man im Jahr ernten. Mit einer speziellen Zentrifuge wird dabei der Honig aus den Waben geschleudert.

Besonders Mutige näherten sich mit den Imkern auch einer der Behausungen der Insekten, den so genannten Beuten, die im Hintergrund der Anlage stehen. Schon beim Öffnen zeigten sich Hunderte Bienen, was manch einen der Gäste das Weite suchen ließ.

Nur ganz Furchtlose blieben, als Klaus Persch unerschrocken verschiedene Waben zeigte. „Hier, das ist eine Drohne, die sticht nicht, nehmen Sie mal eine auf die Hand“, ermutigte der Immenhäuser die Zuschauer. Doch das war nur in den ersten Minuten möglich, denn die Tierchen wurden zunehmend wilder, fühlten sich bedroht. Dass man als Imker keine Angst vor Stichen haben darf, machte Mark Weisheit klar: „Wir werden immer mal gestochen, aber wenn man sich mit viel Ruhe nähert, dann bleiben die Bienen auch meist ruhig.“

Kurz vorm Schleudern: Christa und Wolfgang Drube (von links) aus Reinhardshagen schauten zu, wie Imker Werner Scheele die Waben von der obersten Schicht befreite. Rechts Imker Mark Weisheit.

Beunruhigt werden die Imker hingegen von ganz anderen Themen: „Ich habe dieses Jahr 29 Völker durch die Varroamilbe verloren“, berichtete Persch. Da er mehr als 70 habe, sei der Verlust zu verschmerzen, dennoch sei dies ein großes Problem, dem die Imker noch immer nicht Herr geworden seien.

Neben der aus Asien eingeführten Milbe machen die Imker zudem den immensen Pestizideinsatz sowie Monokulturen in der Landwirtschaft für das Bienensterben verantwortlich. „Selbst sogenannte bienenfreundliche Spritzmittel sind problematisch, da sie nicht ausreichend getestet werden“, ergänzt Weisheit.

Da die Tierchen bei ihren Flügen, die bis zu sechs Kilometer weit vom Stock gehen können, teilweise keine geeignete oder zu wenig Nahrung finden, „käme es auch vor, dass sie verhungerten“. Deshalb begrüßen die Imker das Engagement vieler Landwirte, die nahe ihrer Felder Blühstreifen als Nahrungsquelle ausbringen.

„80 Prozent aller Pflanzen werden von ihnen bestäubt“, betont Persch die Wichtigkeit der Bienen. So sei es auch allein wirtschaftlich gesehen wichtig, sie zu schützen. Dass es zunehmend auch in den Großstädten mehr Imker gebe, erfuhr man außerdem beim Aktionstag: „Und der Honig aus der Stadt ist oft sogar schadstoffärmer als der vom Land“, wusste Weisheit, denn dort würden ja weniger Pestizide ausgebracht.

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