Spectaculum im Tierpark Sababurg mit Hexen und Gauklern

Von weit her: Von Borken und Berlin ins nordhessische Mittelalterlager kam Familie Bunk mit dem zweijährigen Liam. Insgesamt waren laut Veranstalter mehrere Tausend Besucher beim Spectaculum. Foto: Hoffmann

Sababurg. Trotz strömenden Regens wird im Tierpark Sababurg gekämpft, gefeiert und gefeilscht. Denn dort wird am Wochenende ein Mittelalterliche Spectaculum gefeiert.

Auch im Mittelalter hat es geregnet. Das weiß Eifilia Celtica, ohne ihre Kristallkugel bemühen zu müssen. Die ist ohnehin nur schmückendes Beiwerk im gemütlichen Zelt, in dem es sich die Kartenlegerin am Wochenende im Tierpark Sababurg gemütlich gemacht hat und den dicken Wassertropfen trotzt, die draußen vom Himmel auf das mittelalterliche Spectaculum herab prasseln.

Im Kerzenschein breitet sie da ihre keltischen Tarotkarten aus, die allerlei über die Menschen verraten, die sich magisch vom sanftmütigen Auftreten des Mediums angezogen fühlen. „Über die Zukunft verrate ich grundsätzlich nichts, das wäre unseriös“, sagt sie. Sie wolle nicht ins Schicksal ihrer Besucher eingreifen, „das wäre vermessen“. Vielmehr wolle sie auf Potenziale aufmerksam machen, die in jedem schlummern. Das tut sie derart überzeugend, dass nicht wenige mit verdutzter Miene ihr Reich verlassen und wie verzaubert ins feuchtfröhliche Treiben zu Füßen der Sababurg entschwinden.

Da riecht es nach Feuer, Holz und würzigen Speisen. Musik aus einer anderen Zeit schallt durch das einmalige Ambiente des kulturhistorischen Mauerparks, der für ein Wochenende fest in Händen von Gauklern, Hexen und Bogenschützen ist. Auch die Ritter sind zurückgekommen mit ihren klirrenden Rüstungen und farbenfroh strahlenden Wappenröcke, die zeigen, unter welchem Herrn sie dienen. Das niedere Volk ist ebenfalls da, hat seine Lager am Rande des Spectaculums aufgeschlagen, wo die Flammen der Feuerstellen lodern und allerlei köstliche Leckereien darauf warten, verspeist zu werden. Da schmort der Krustenbraten auf dem Grill, gart das Hühnchen im Topf. Angerichtet wird ohne Pommes, Tomaten oder sonstige Lebensmittel, die es im Mittelalter noch nicht gab. Dafür schmeckt das frischgebackene Brot umso besser, der selbstgemachte Obstwein tut sein Übriges, stilecht gereicht aus Krug oder Kalebasse, der ausgehöhlten und getrockneten Hülle eines Flaschenkürbisses.

Mittelalterliches Spektakel im Tierpark Sababurg

Weil die Kraft des fruchtigen Gesöffs gegen die herbstlich-kalten Temperaturen dann aber doch nicht ausreicht, hat die Ritterschaft zu Grenzbach - ganz fortschrittlich - gar eine Fußbodenheizung unter ihrer langen Tafel installiert. Die funktioniert selbstredend ohne Strom, dafür mit jeder Menge glühender Kohle, die zu später Stunde dann doch überflüssig wird, als die Kapelle Tanzwut unweit auf der großen Lagerbühne die Temperaturen anheizt. Eifilia Celtica scheint das gewusst zu haben, denn in ihrem Zelt hat sie auf wärmendes Beiwerk verzichtet. Vielleicht wagt sie ja doch ab und an einen Blick in die Zukunft, und wenn auch nur in ihre eigene.

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