Tod von Muttertier: Jungluchse im Tierpark Sababurg sind über den Berg

+
Ungewohnte Vaterrolle: Vater Kalle beobachtet majestätisch anmutend das Treiben seiner Sprösslinge, die in seiner Nähe toben und spielen. Kalle hat offenbar die Mutterrolle mit übernommen und sorgt sogar für die Fellpflege. Das Bild fotografierte HNA-Leser Pascal Drubel mit einem 120-400mm-Zoom.

Sababurg. Die beiden halb erwachsenen Jungluchse im Tierpark Sababurg sind über den Berg. Schon seit geraumer Zeit fressen sie feste Nahrung und haben den plötzlichen Tod der Mutter vor fünf Monaten offenbar ohne größere Probleme überstanden - trotz fehlender Muttermilch.

Während die Lage anfangs kritisch war und man um das Überleben der Tiere bangte, die deshalb in einem abgetrennten Bereich vor Stress geschützt wurden, hat sich das Leben im Gehege normalisiert. Vor allem dank des Luchs-Vaters. Der Kater verhält sich nach Angaben der Tierparkleitung völlig untypisch. Während er sonst die Jungenaufzucht allein der Mutter überließ und den Jungtieren aus dem Wege ging, kümmert er sich jetzt väterlich um sie.

Die beiden Jungtiere sind jetzt sieben Monate alt, über zehn Kilogramm schwer und „gut im Futter“. Der Luchs-Vater Kalle duldet die Tiere um sich, spielt mit ihnen und duldet sie auch beim Füttern neben sich, lässt sich sogar Portionen stibitzen.

Bei der Tierparkverwaltung ist man zuversichtlich, dass sie ganz normal zu großen Luchsen heranwachsen.

Dann nähert sich auch der Zeitpunkt, wo der Tierpark handeln muss, wenn es um die Zukunft der Tiere geht.

Bisher wurden jeweils die Jungtiere an andere Einrichtungen abgegeben, sobald sie geschlechtsreif wurden, damit es im Sababurger Gehege nicht zu Kämpfen kommt.

Jetzt ist die Situation anders. Wurde anfangs noch überlegt und dann rasch verworfen, eine Ersatzmutter hinzuzuholen, will der Tierpark vorerst keine neuen Luchse dazu holen, erklärte Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Anfrage. Damit der Luchs-Vater nicht alleine bleibt, werden die beiden Jungtiere nicht abgegeben. Da es sich aber um ein Weibchen und ein Männchen handelt, stehen Probleme ins Haus. Kühlborn: „Zwei Kater und eine Katze in einem Gehege, das geht nicht gut aus“.

Nur eine Möglichkeit

Einzige Möglichkeit nach derzeitigem Stand: Der Luchs-Vater Kalle und sein Sohn werden kastriert, sobald der Junior geschlechtsreif ist und der Tierpark Sababurg wird auf eine gewisse Zeit auf eigenen Luchs-Nachwuchs verzichten.

Im Tierpark Sababurg ist der Weg zu eigenen Luchs-Nachzuchten damit erst einmal verbaut. Einen Notfallplan für diese unerwartete Situation nach dem Tod der Mutter gibt es im Tierpark nicht. „Wie es weiter geht, hängt ganz davon ab, wie sich die Tiere verhalten“, sagte Kühlborn weiter.

Vorerst noch können die Luchse weiter unbeschwert herumtollen: Die Tiere werden mit zwei (Weibchen) beziehungsweise drei (Männchen) Jahren geschlechtsreif.

Von Thomas Thiele

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.