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Energiekrise belastet Kliniken im Kreis Kassel – Vorbereitungen für Winter laufen

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Von: Daria Neu

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Licht aus, wenn es nicht nötig ist: Auch im alten Hofgeismarer Kreisklinik-Gebäude soll überprüft werden, ob zum Energiesparen zeitnah auf LED-Beleuchtung umgestellt werden kann.
Licht aus, wenn es nicht nötig ist: Auch im alten Hofgeismarer Kreisklinik-Gebäude soll überprüft werden, ob zum Energiesparen zeitnah auf LED-Beleuchtung umgestellt werden kann. © Thomas Thiele

Kliniken im Kreis Kassel wappnen sich gegen eine Verschärfung der Energiekrise. Ein Totalausfall im Winter soll verhindert werden.

Hofgeismar – Die Krankenhäuser im Landkreis Kassel bereiten sich intensiv auf die Herausforderungen des kommenden Herbsts und Winters vor – im Fokus steht dabei auch die Energiekrise. In den Kreiskliniken würden derzeit zahlreiche Lösungswege geprüft oder bereits umgesetzt, berichtet Kreissprecherin Fleur-Chantal Tauber. Ziel Nummer eins sei es, die Grund- und Regelversorgung sicherzustellen. Denn: „Nur mit funktionierender Energieversorgung der Kliniken können wir dem gesetzlichen Auftrag nachkommen.“

Die Kliniken seien in der Lage, den Heizbetrieb von Gas auf Heizöl umzustellen. Dafür habe der Landkreis sämtliche Tanks für Heizöl und die Notstromaggregate schon im Juli voll aufgefüllt. „Hiermit wird ein Back-up für den Gasbetrieb sichergestellt“, sagt Tauber. Darüber hinaus sollen in der kälteren Jahreszeit Treppenhäuser und ungenutzte Bereiche weniger beheizt werden. Durch Bewegungsmelder gesteuerte Beleuchtung soll den Stromverbrauch senken.

Möglicher Energieausfall: Kliniken im Kreis Kassel bereiten sich vor

Ina Bäcker, Geschäftsführerin des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen in Hofgeismar, sagt mit Blick auf die kalte Jahreszeit: „Wir sind bereits in vielen Bereichen gut aufgestellt. So wurde die gesamte Heizungsanlage ausgetauscht und modernisiert.“ Durch den Austausch der Heizkessel, der Pumpen und das Betreiben eines Blockheizkraftwerks in Verbindung eines Hydraulischen Abgleichs sei die Gebäude-Technik auf dem neuesten Stand gebracht worden. „Die Fenster und Türen wurden größtenteils erneuert“, sagt sie. Ebenso habe man die Klinik bereits zu 90 Prozent auf LED umgestellt.

In der Lungenfachklinik in Immenhausen ist man derzeit noch optimistisch, da primär mit Öl geheizt werde. „Der Tank ist voll. Damit versorgen wir sowohl das Pflegeheim als auch die Klinik“, berichtet Sprecher Björn Böhling. Dennoch sei es unerlässlich, Sparmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Ein Krankenhausbett verbrauche jährlich so viel Energie, wie mehrere Einfamilienhäuser.

Kreis Kassel: Energiekrise in Kliniken – Auch Mitarbeiter werden sensibilisiert

Um effektiv Energie zu sparen, ohne die Grund- und Regelversorgung in Krankenhäusern zu gefährden, müssen alle an einem Strang ziehen. So sei beispielsweise in den Kreiskliniken auch das Personal sensibilisiert, sagt Sprecherin Fleur-Chantal Tauber. In ungenutzten Räumen sollte immer das Licht ausgeschaltet werden. Die Haustechnik prüfe darüber hinaus, in welchen Bereichen zeitnah auf eine LED-Beleuchtung umgestellt werden könne.

„Die Priorität liegt ganz klar auf der Sicherstellung der medizinischen Versorgung der Patienten“, betont Tauber. Somit müsse die Versorgung mit Strom und Gas und eine Grundwärme in den Funktionsbereichen sichergestellt werden. Daneben müsse auch Heizung und Warmwasserzufuhr für stationäre Patienten gewährleistet sein. „Außerdem stellen wir die passenden Arbeitsbedingungen für unser Klinikpersonal sicher“, verspricht Tauber.

Wie in allen anderen Bereichen auch seien das Beheizen von Räumlichkeiten und die Kälteerzeugung für Kühlhäuser die größten Energiefresser. Beim Bau der neuen Klinik in Hofgeismar seien erneuerbare Energieträger bereits vor der Ukraine-Krise fester Bestandteil der Planungen gewesen. „Auch bei Neu- oder Umbauten am Standort Wolfhagen wird es eine Überprüfung der Energieversorgung geben“, sagt Tauber. In den aktuellen Gebäuden sei aufgrund des Alters ein kurzfristiger Umstieg nicht realisierbar.

Kreis Kassel: Klinik in Hofgeismar setzt auf„Einbindung von Photovoltaik-Technik“

Es sei wichtig, den technischen Stand des Gebäudes zu erhalten und zukünftig in erneuerbaren Energien zu investieren, betont auch Ina Bäcker, Geschäftsführerin des Evangelischen Krankenhauses Gesundbrunnen in Hofgeismar. Die größte Sorge wäre aus ihrer Sicht ein Totalausfall für längere Zeit des Gas- oder Stromnetzes. „Hierbei wäre die Patientenversorgung gefährdet.“ Und das gelte es zwingend zu verhindern. „Die nicht gegenfinanzierte Preissteigerung wird die Kliniken perspektivisch vor wirtschaftliche Probleme stellen“, warnt Bäcker.

Da das Krankenhaus Gesundbrunnen als Fachklinik keine OP-Kapazitäten habe, sei die Klinik von Schwerpunktgeräten mit sehr hohem Verbrauch eher nicht betroffen. Dennoch müsse sich jedes Krankenhaus vorbereiten. „Aktuell prüfen wir die Einbindung von Photovoltaik-Technik in unserem Haus“, sagt Bäcker.

Treppe statt Fahrstuhl: So handeln Kliniken im Kreis Kassel in der Energiekrise

Die Lungenfachklinik in Immenhausen hat sich etwas Besonderes überlegt, um Energie zu sparen. Es soll ein kleiner Schritt sein, der einen großen Effekt habe. „Wir bitten unser Team, so oft es geht, die Treppe zu laufen und nicht mit dem Fahrstuhl zu fahren“, sagt Sprecher Björn Böhling. Der Fahrstuhl mache rund fünf Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Krankenhäusern aus.

Von Vitos Kurhessen in Bad Emstal heißt es auf Anfrage: „Das Thema Energiemanagement gehört zu den laufenden Projekten.“ Dazu zähle – wie bei den anderen auch –die energetische Sanierung von Gebäuden und die kontinuierliche Umstellung der Beleuchtung auf LED. „Betriebsintern sensibilisieren wir die Mitarbeitenden in Newslettern und durch Schulungen zum Energiesparen“, heißt es weiter.

„Die steigenden Energiekosten sind für uns ein Problem. Wir können ja nicht beliebig unsere Behandlungspreise anpassen, um Kostensteigerungen einzufangen, sondern sind an das verhandelte Jahresbudget mit den Kostenträgern gebunden, was bei steigenden Preisen und einer stark energiekostengetriebenen Inflation eine wirkliche Herausforderung ist“, erklärt Sprecherin Ilona Polk. (Daria Neu)

Die Hessische Krankenhausgesellschaft sieht wegen der hohen Energiepreise die Patientenversorgung in den Kliniken sogar in Gefahr.

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