Stolpersteine erinnern an ermordete jüdische Nachbarn

41 Tote haben ihre Namen zurück

Innehalten: Schüler der Grundschule Grebenstein spielten nach dem Einbau der Stolpersteine ein Musikstück. Das Haus gehört seit einigen Jahren der Familie Croll, die bei der Erforschung der Hausgeschichte auf die früheren jüdischen Besitzer stieß. Die Familie brachte das Projekt Stolpersteine ins Rollen. Gemeinsam mit der Geschichtsgruppe forschten sie nach den Schicksalen von 20 ermordeten Grebensteiner Juden. Schüler und Erwachsene trugen die Lebensdaten vor den Häusern vor.

Grebenstein / Hofgeismar. Bis vor 70 Jahren betrieben Else und Bernhard Mandelstein im Haus Hochzeitsberg 6 in Grebenstein ein Textil-, Schuh- und Möbelgeschäft. Als die Repressalien der Nationalsozialisten immer schlimmer wurden, gelang es ihren Kindern Walter, Irma und Rudolf, nach Amerika und Palästina zu entkommen.

Alle Versuche, ihre Eltern nachkommen zu lassen, scheiterten jedoch. Das Ehepaar Mandelstein musste Grebenstein 1939 verlassen, flüchtete nach Thüringen. 1942 wurden sie nach Leipzig befohlen und dann im Vernichtungslager Belzyce ermordet.

Schicksale wie diese sind mit allen 41 Stolpersteinen verbunden, die der Künstler Gunter Demnig gestern im Pflaster vor den früheren Wohnhäusern in Hofgeismar und Grebenstein einbaute - in der 608. und 609. Kommune seiner Aktion. Die 95 Euro pro Stein wurden von Steinpaten - in Hofgeismar unter anderem die Herwig-Blankertz-Schule - getragen, in Grebenstein teilten sich Stadt und Stadtsparkasse die Kosten. In beiden Städten bereiteten die Bauhöfe das Pflaster vor.

Während der Künstler jeweils wortlos seine Pflasterarbeit verrichtete, mahnten die Teilnehmer der Rundgänge - darunter Politiker, engagierte Bürger, Schüler und der Runde Tisch in Hofgeismar - an die Verantwortung zur Erinnerung und dass sich derart Menschenverachtendes wie vor 70 Jahren in Deutschland niemals wiederholen dürfe.

Bürgermeister Danny Sutor (Grebenstein) sagte, dass die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradierten NS-Opfer so ihre Namen zurückerhielten. Gleichzeitig betonte er, dass mit der Verlegung vor den Haustüren keinesfalls eine Schuldzuweisung verfolgt werde.

In Hofgeismar sagte Bürgermeister Heinrich Sattler, dass bei einem ersten Anstoß vor etlichen Jahren die Zeit noch nicht reif war. Jetzt aber könne sich dem Innehalten und Erinnern niemand mehr verschließen. Weitere Stolpersteine folgen 2011 in Calden und Immenhausen. (tty)

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