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Das Jüdische Bad in Trendelburg wird erhalten

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Von: Markus Löschner

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Mikwe: Das etwa ein mal einen Meter große und einen Meter tiefe Tauchbad im Kellergewölbe des Hauses.
Mikwe: Das etwa ein mal einen Meter große und einen Meter tiefe Tauchbad im Kellergewölbe des Hauses. © Löschner, Markus

Einen Förderbescheid von 27.000 Euro übergab Landrat Andreas Siebert der Stadt Trendelburg. Damit soll das Haus „Am Brunnen 6“ und damit auch die das jüdische Ritualbad (Mikwe) saniert werden.

Trendelburg – Ein weiterer Anziehungspunkt in der Region wird aufgewertet: Die Stadt Trendelburg erhält für das Haus „Am Brunnen 6“ eine Förderung von rund 27 000 Euro für die Sanierung und Funktionsverbesserung. Die Mittel setzen Bund und Europäische Union zur Förderung der ländlichen Entwicklung ein. Nach der Erneuerung der Fenster, der Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden und der Abdichtung des Gewölbekellers soll im Erdgeschoss wieder das Trendelburger Tourismusbüro öffnen. Eine Info-Stele ist ebenfalls geplant. Bis zum Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Neben dem Tourismusbüro beherbergt das Gebäude eine historisch-kulturelle Besonderheit: Im Gewölbekeller befindet sich eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad. Eingerichtet im 17. Jahrhundert nimmt das ein mal einen Meter große und einen Meter tiefe Tauchbad den kleinen Kellerraum fast komplett ein. Es fasst 850 Liter Wasser, eine Feuerstelle sorgte für angenehme Temperaturen im Raum. Ein zweiter, etwas größerer Gewölbekeller diente als Vorratsraum.

Was ist eine Mikwe?

Durch Untertauchen von Personen oder Gegenständen in der Mikwe soll religiöse Reinheit erlangt werden. Die Bäder müssen besondere Anforderungen erfüllen, von Größe und Fassungsvermögen bis hin zum Wasser. Dieses darf nicht geschöpft oder gepumpt werden, es muss sich um „lebendiges Wasser“ aus natürlichen Quellen handeln. Die Wasserkunst Trendelburg versorgte früher, angetrieben durch die Diemelmühle, die hoch gelegene Altstadt mit Trinkwasser. 1782 wird beantragt, eine Leitung von der Wasserkunst für das Bad abzuzweigen. Tonscherben im Kellerschutt zeugen davon.

Jüdisches Ritualbad wurde vor mehr als 20 Jahren erst wiederentdeckt

Das Fachwerkhaus wurde durch einen Stadtbrand vor rund 140 Jahren zerstört. Beim Neubau des Hauses wurde der Eingang zu den beiden Gewölbekellerräumen zugemauert – das Bad blieb unversehrt und wurde erst mehr als 100 Jahre später im Jahre 2001 bei Sanierungsarbeiten wiederentdeckt. Keller und Erdgeschoss wurden zur Erhaltung des jüdischen Bades von der Stadt Trendelburg gekauft und zugänglich gemacht. Funde aus dem Kellerschutt sind ebenfalls in den Räumen ausgestellt. „Samstags und sonntags gehöre ich der Mikwe“, sagt Renate Paetzmann, die mit Gästen Führungen macht und die Anlage erläutert. „Manchmal kommen jüdische Besucher aus den USA oder Japan. Diese Gespräche machen mir sehr viel Spaß“, fügt Paetzmann hinzu.

Förderung für das Haus „Am Brunnen 6“: (von links) Patrick Pfeiffer (Bauamt Trendelburg), Anna Ohlwein (Region Kassel Land e.V.), Landrat Andreas Siebert, Renate Paetzmann, Manuel Zeich (Hauptamtsleiter), Peter Nissen (Regionalentwicklung Landkreis Kassel) und Stadtrat Gerhard Stenda.
Förderung für das Haus „Am Brunnen 6“: (von links) Patrick Pfeiffer (Bauamt Trendelburg), Anna Ohlwein (Region Kassel Land e.V.), Landrat Andreas Siebert, Renate Paetzmann, Manuel Zeich (Hauptamtsleiter), Peter Nissen (Regionalentwicklung Landkreis Kassel) und Stadtrat Gerhard Stenda. © Markus Löschner

„Ich freue mich, wenn wir dazu beitragen können, die Spuren jüdischen Lebens in Trendelburg und dem Landkreis Kassel zu erhalten“, sagte Landrat Andreas Siebert bei der Übergabe des Förderbescheids. Auf die Bedeutung für den Tourismus wies Peter Nissen, Leiter des Servicezentrums Regionalentwicklung des Landkreises hin: „Angebote zur Geschichte und Kultur wie dieses sollen Anlaufstellen für Touristen in der Naturparkregion werden.“ (Markus Löschner)

Info: Eine Besichtigung der Mikwe ist von Mai bis Oktober an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen zwischen 11 und 15 Uhr möglich.

Jüdisches Leben in Trendelburg

Jüdisches Leben ist in Trendelburg seit dem Jahr 1676 belegt. Etwa acht Familien mit 20 bis 30 Menschen lebten hier. In der Nachbarschaft der Mikwe, im Haus „Am Brunnen 8“, befand sich die Synagoge, die auch als jüdische Schule diente. Zudem ist ein jüdischer Friedhof vorhanden. Im Jahr 1937 verkaufte die jüdische Familie Giesberg das Wohnhaus, in dem sich die Synagoge befand, und ging in die USA. Zuvor wurde von regelmäßigen gewalttätigen Anschlägen gegen das Haus durch die Nationalsozialisten berichtet.

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