Deiseler Wandmalerei soll Beweise für Hotelausbau liefern

Erhoffter Beweis: Architekt Willi Predak führt das Wandbild aus der Deiseler Kirche als Beweis für die Fachwerkarchitektur der Trendelburg (links) an. In dem Bild von 1560, das die Geburt Evas (aus einer Rippe Adams) darstellt, ist rechts die Krukenburg zu sehen. Foto: Thiele

Trendelburg. Kann ein Wandgemälde das Rätselraten um das frühere Aussehen der Trendelburg beenden? Weil die Besitzer der Burganlage für eine Erweiterung ihres Hotelbetriebes gerne den ruinösen Nordwestturm wieder aufbauen, dessen oberes Stockwerk verschwunden ist, hatte es im Spätsommer einen Ortstermin mit Landesdenkmalpfleger Professor Dr. Gerd Weiß gegeben.

Dabei konnte aber noch keine Klarheit geschaffen werden.

Denn die vom Inhaber Dr. Rolf Lohbeck und seinem Sohn Stephan Lohbeck vorgelegten Pläne sehen eine Aufstockung ces Turmes und des Wehrgangs mit Fachwerkbauten vor, um sechs zusätzliche Hotelzimmer zu gewinnen. Der Landeskonservator befürchtet jedoch, dass das den ursprünglichen Wehrcharakter der Burganlage verfälschen könnte. Als Alternative hatte die Denkmalpflege einen Aufbau ohne Fachwerk beziehungsweise einen Neubau im Burghof vorgeschlagen, wo sich schon einmal ein Gebäude befand.

Um das Problem zu lösen, beauftragte die Landesdenkmalpflege einen Burgenforscher mit näheren Nachforschungen. Unterdessen stieß Architekt Willi Predak in der Deiseler Kirche auf ein etwa 450 Jahre altes Wandgemälde mit zwei Abbildungen, die der frühere Deiseler Pfarrer Karl-Wilhelm Wolff als Trendelburg und Krukenburg identifizierte. Willi Predak hat sie untersucht und ist überzeugt, dass diese Abbildungen beweisen, dass sich über dem Wehrgang früher ein Fachwerkbau befand. Er sandte seine Unterlagen an den zuständigen Bezirksdenkmalpfleger Dr. Tobias Michael Wolf nach Marburg und ist optimistisch, damit den entscheidenden Beweis geliefert zu haben, dass das Bauvorhaben ausgeführt werden kann.

Wie Dr. Wolf auf Anfrage der HNA bestätigte, hat der Burgenforscher auch bereits ein Gutachten erstellt. Das muss jedoch noch mit der Landesdenkmalpflege abgestimmt werden. Dann werde man das weitere Vorgehen in einen Termin mit dem Denkmalbeirat des Kreises Kassel und den Eigentümern abstimmen. Die Darstellung aus Deisel deute jedoch nicht auf Fachwerk hin und sei eher eine symbolische Darstellung, meint Dr. Wolf.

Von Thomas Thiele

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