Denkmalbeirat erhofft Hilfe vom Minister

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Für Experten: Der nördliche Reinhardswald zwischen Gottsbüren und der Weser ist voller Relikte aus der Vergangenheit. Sie sind aber meist nur für Experten erkennbar, wie hier für Roland Henne und Egon Haake bei Gottsbüren. Schätze sind hier nicht zu finden, aber wichtige Hinweise auf die Geschichte der Landschaft und der Besiedlung über die Jahrhunderte. Hier ist noch viel zu erforschen, aber die Zerstörung durch großflächige Baumaßnahmen droht. Unser Foto zeigt einen angeschnittenen Hochacker.

Der Landkreis Kassel lässt nicht ab von dem Ziel, den nördlichen Reinhardswald unter Denkmalsschutz zu stellen.

Trendelburg/Wiesbaden. Nachdem das Landesamt für Denkmalpflege den Antrag des Kreises Kassel abgelehnt hat, den archäologisch hoch bedeutsamen nördlichen Reinhardswald als Kulturdenkmal unter Schutz zu stellen (wir berichteten), geht der Landkreis nun noch eine Stufe weiter und wendet sich direkt an den Minister für Wissenschaft und Kunst.

Der Denkmalbeirat des Kreises regt jetzt bei der Obersten Denkmalschutzbehörde des Landes an, den Fall nochmals zu prüfen, berichtete Dr. Udo Schlitzberger als stellvertretender Vorsitzender des Beirates. Begründet wird der erneute Vorstoß unter anderem mit der unterschiedlichen Bewertung der betreffenden Flächen innerhalb der Denkmalpflege.

In seiner Antwort führte das Landesamt für Denkmalpflege vor allem juristische Gründe an. Das Hessische Denkmalschutzgesetz lasse es nicht zu, das Waldareal zwischen der Landesstraße Gieselwerder-Gottsbüren, der Diemel, der Weser und der Sieburg bei Bad Karlshafen großflächig als Flächendenkmal unter Schutz zu stellen, da es zu groß sei. Möglich wäre lediglich die Ausweisung eines Grabungsschutzgebietes.

Der Denkmalbeirat argumentiert dagegen, dass manche als Gesamtanlage geschützte Altstadtbereiche noch größer seien und dass die Bodendenkmäler nicht nur vermutet, sondern umfassend dokumentiert seien - und zwar von der Denkmalpflege selber. In dem Ablehnungsschreiben der Denkmalpflege werde sogar eingeräumt, dass die Bodendenkmalpflegeabteilung des Landesamtes die sachliche Berechtigung zur Unterschutzstellung und damit auch die Argumentation des Landkreises Kassel „völlig teile“.

Obwohl die Landes-Archäologie die Bodendenkmäler in den Regionalplan-Entwurf eingebracht habe, seien jetzt auf den Mittelalterflächen Windkraftanlagengebiete ausgewiesen.

Hintergrund: Schätze für die Wissenschaft

Der Denkmalbeirat und der Kreisausschuss des Kreises Kassel hatten in ihrem Antrag auf Unterschutzstellung des nördlichen Reinhardswaldes schon 2014 darauf hingewiesen, dass es sich nördlich der Linie Gottsbüren-Gieselwerder um eine in Mitteleuropa einzigartige mittelalterliche Siedlungs- und Kulturlandschaft handelt. Mittelalterliche Wölbäcker und verlassene Siedlungsplätze (Dorfstellen und Glashütten) böten einen reichhaltigen archäologischen Schatz und wissenschaftliches Betätigungsfeld, heißt es. Zudem befinden sich in dem Waldbereich etwa 100 Hügelgräber aus der Bronzezeit sowie mittelalterliche Relikte von Bergbau, Waldglashütten und Tonabbau. (tty)

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