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Parlament in Trendelburg bleibt gespalten

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Von: Nela Müller

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Ein Windradrotor dreht sich hinter Bäumen.
So könnte es mal aussehen: Die Genehmigung ist durch, die Bauarbeiten haben begonnen. Der geplante Windpark im Reinhardswald, der aus 18 Anlagen bestehen soll, spaltet die Fraktionen in Trendelburg. © Markus Löschner

In Trendelburgs Parlament gibt es weiter Gegner und Befürworter des Windparks im Reinhardswald.

Trendelburg – Windkraftanlagen im Reinhardswald? Kaum eine Frage hat die Stadtverordneten Trendelburgs in den vergangenen Jahren so umgetrieben wie diese. Immer wieder wurde in Sitzungen darüber diskutiert. Dabei zeigte sich schnell, wie die drei Fraktionen von FWG. SPD und CDU dazu stehen: Während die Freie Wahlgemeinschaft sich gegen 18 Windräder im Wald ausspricht, sind die Sozial- und Christdemokraten mehrheitlich dafür. über eine Woche steht nun fest, dass der Windpark gebaut werden darf. Unsere Zeitung hat deswegen um Stellungnahmen der Fraktionen gebeten, die beinhalten sollen, wie sie zu der getroffenen Entscheidung des Regierungspräsidiums Kassel stehen.

Genehmigung

FWG: „Die Genehmigung macht für uns deutlich, dass wir noch mehr unternehmen müssen, um den genehmigenden Stellen aufzuzeigen, dass die Mehrheit in Trendelburg keinen Windpark im Reinhardswald wollen“, heißt es vonseiten der Freien Wahlgemeinschaft. Wenn man nicht gemeinsam mit den Bürgern, den Bürgerinitiativen, den Austrittskommunen aus der Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) gegen den Windpark kämpfen, dann würde es in Trendelburg keiner machen. „Bisher ist seitens der SPD und der CDU keine Unterstützung des durch die geleisteten Unterschriften der Bürgerbegehren klar erkennbaren Bürgerwillen zu sehen“, schreibt der Fraktionsvorsitzende Tobias Seydler weiter. Für viele Menschen käme der Windpark im Reinhardswald nicht in Frage – das habe der Protestmarsch vor einer Woche gezeigt.

SPD und CDU: „Unsere Auffassung, dass eine grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit für Windkraftanlagen in den ausgewiesenen Vorranggebieten gegeben ist, wurde durch die Genehmigung des Windparks mit 18 Windkraftanlagen bestätigt“, betonen SPD und CDU in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ihrer Meinung nach ist es möglich, die Chancen des Ausbaus von erneuerbaren Energien mithilfe von Windkraftanlagen mit „den besonders sensiblen ökologischen Bedingungen und dem Naturschutz im Reinhardswald zu vereinen.“ Am Ende würde der Wald durch die Erzeugung der regenerativen Energie vor Ort und die damit verbundene mögliche Einsparung von CO2 geschützt und erhalten werden. „Denn im Rahmen der Umsetzung des Windparkprojektes werden umfangreiche Aufforstungen in den betroffenen Bereichen vorgenommen, um einen zukunftsfähigen Mischwald aufzubauen“, heißt es weiter. Zudem würden dem Land durch die Pachteinnahmen für die Flächen weitere Mittel zur Verfügung stehen, „um diese in den Waldschutz zu investieren“.

Bedeutung des Projekts

FWG: Die Freie Wahlgemeinschaft ist sich sicher: „Wenn man das Ziel der Energiewende so verbissen und einseitig angeht, wie es die derzeitige Regierung vorantreibt, dass selbst die unsinnige Zerstörung von Wäldern kein Tabu mehr darstellt, dann kann dies dazu führen, dass weitere Flächen im Wald ausgebaut werden.“ Das führe zu einer Spaltung der Gesellschaft und zu einem Ausverkauf der Wälder kommen. „Die Gesellschaft wird durch diese Vorhaben gespalten. Dieser Trend wird sich fortsetzen und verstärken. Wenn man sich für den falschen Weg entscheidet, dann fehlt sowohl die Zeit, als auch das Geld für sinnvolle Lösungen“, schreibt die FWG in ihrer Stellungnahme.

SPD und CDU: Für die Energiewende sei Energieerzeugung aus Windkraft unerlässlich, sagen die beiden Fraktionen. „Jedoch muss jeder Standort sorgfältig geprüft werden, ob er für den wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen geeignet ist. Der Eingriff in die Natur muss zudem immer im Verhältnis zum Nutzen stehen“, sagen Diana Harten (SPD) und Henning Albrecht (CDU). Ihnen sei es wichtig, dass die Kommunen vor Ort ihre Chancen nutzen und konkreten Einfluss auf die Planungen nehmen: „Durch die direkte Beteiligung ist Trendelburg in der Lage, die Vorzüge aus dem Windpark zu nutzen.“

Chancen und Risiken

FWG: Enorme Risiken birgt der Windpark laut der FWG. Unter anderem sei das Brandschutzkonzept nicht hinnehmbar, außerdem werde die Tourismusbranche „massiv geschädigt.“ Skeptisch schaut man auch auf den erhofften Ertrag. „Wenn dann der Windertrag in den kommenden Jahren so verläuft, wie in 2021, dann wird kein Gewinn erzielt. Wir können in Trendelburg nicht die Grundsteuer erhöhen, um Zins und Tilgung für Darlehen für den Windpark zu bezahlen“, so die FWG auf Anfrage weiter.

SPD und CDU: Für die Fraktionen überwiegen bei diesem Projekt mehr Chancen als Risiken. Als Beispiel geben sie an, dass die 18 Windkraftanlagen über 250 Millionen Kilowattstunden regenerativen Strom pro Jahr produzieren und damit rund 90.000 Haushalte jährlich versorgen könnten. Zudem würden die Überschüsse für den Trendelburger Haushalt von Vorteil sein, wenn es um die Umsetzung kommunaler Projekte gehe. (Nela Müller)

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