Stadtverordnete stimmen wiederholt gegen Abwasserbecken im Reinhardswald

Trendelburger Bürger: „Die Salz-Pipeline gefährdet unser Wasser“

Wasserschutzgebiet Gottsbüren: Unmittelbar am Wasserwerk vorbei soll das Salzrohr durch die Schutzzone 2 des Wasserschutzgebietes geführt werden. Das Wasserwerk liefert jährlich 700 000 Kubikmeter bestes Trinkwasser nicht nur für die Trendelburger, sondern auch nach Borgentreich. Fotos:  Henke

Trendelburg. In ihrer Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren lehnen Trendelburger die Pläne für Salzrohr und Stapelbecken ab.

Die Planungen für eine Salzpipeline vom hessisch-thüringischen Kalirevier an die Oberweser stoßen in Trendelburg auf einhellige Ablehnung. In ihrer Sitzung am Donnerstagabend haben die Stadtverordneten zum wiederholten Mal gegen ein solches Rohrleitungssystem mit dazugehörigem riesigen Salzabwasserlagerbecken im Reinhardswald votiert. Ein solches Vorhaben sei gegen die elementaren Interessen der Stadt gerichtet, machte das Parlament in seiner einstimmig gefassten Stellungnahme klar. Das Regierungspräsidium Kassel wird aufgefordert, das Raumordnungsverfahren (ROV) auszusetzen.

Am Hochbehälter soll das Salzrohr in Richtung Gottsbürener Wasserschutzgebiet abknicken. Die Stelle zeigen FWG-Fraktionschef Gerhard Niemeyer und Stadtrat Winfried Stenda (rechts).

Durch die mögliche Realisierung der Pipeline- und Stapelbeckenpläne sehen die Trendelburger ihr Grundwasser gefährdet. Der Grund: Die geplante Pipeline soll von der Hümmer Dickte kommend nordöstlich vom Stadtteil Friedrichsfeld direkt am Trinkwasser-Hochbehälter vorbeigeführt werden. Einige hundert Meter weiter soll das Salzabwasserrohr unter der Holzape verlegt werden, um dann die Schutzzone 2 des Wasserschutzgebietes Gottsbüren zu durchqueren.

Diese Linienführung halten die Trendelburger für eine „potentielle Gefahr für die Trinkwasserreservoir im Havariefall in und um den Reinhardswald bei Gottsbüren.“ Deshalb sei dieses Gebiet ein „Ausschlusskriterium“ für jede Salzabwasserleitung, macht die Stadt in ihrer Stellungnahme deutlich. „Sollte das Becken oder die Pipeline aus diversen vorstellbaren Gründen (Erdfall, Terroranschlag, bauliche Mängel etc.) versagen, würde Industrieabwasser wertvolles Ackerland über Jahre hinweg unbrauchbar machen“, heißt es darin weiter.

Für CDU-Fraktionsvorsitzende Kerstin Baumann „haben wir damit das stärkste Argument gegen die Salzpipeline überhaupt.“ Vor diesem Hintergrund sei es richtig und wichtig gewesen, dass das Parlament im Dezember 20.000 Euro für die Ausweitung der Schutzzone 2 im Wasserschutzgebiet bereit gestellt habe, so Baumann.

„Wenn solche Leitungen mit Stapelbecken hier gebaut werden, können wir den Reinhardwald nicht wiedererkennen“, sagte Gerhard Niemeyer, FWG-Fraktionschef. Wie alle anderen fordert auch er, dass die Salzabwässer aus der Kaliproduktion und Abraumhalden vor Ort im Kalirevier mit modernen technischen Mitteln entsorgt werden.

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