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Die Wallfahrtskirche Gottsbüren vereint Kunst und Geschichte

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Von: Stefanie Lipfert

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Blick auf den 50 Meter hohen Kirchturm. Das Kirchenschiff schmücken hohe gotische Fenster.
Blick auf den 50 Meter hohen Kirchturm. Das Kirchenschiff schmücken hohe gotische Fenster. © Lipfert, Stefanie

„Hier kommt die Seele zur Ruh“ - die Wallfahrtskirche in Gottsbüren wurde 1330 errichtet und ist durch den gotischen Baustil und den Wandmalereien ein Blickfang.

Trendelburg – „Immer wenn ich die Kirche betrete, strahlt sie eine ganz besondere Atmosphäre aus“, sagt Pfarrer Jürgen Schiller über die Wallfahrtskirche in Gottsbüren. Der Pfarrer, der schon 30 Jahre Gottesdienste und andere Veranstaltungen in der Kirche ausgetragen hat, habe die Wallfahrtskirche einfach in sein Herz geschlossen. Die Deckenverzierungen, die Wandmalereien, die imposanten Fenster, all diese Elemente stünden in einem ausgewogenen Verhältnis. „Hier an diesem schönen Ort kommt die Seele zur Ruhe.“

Die Wallfahrtskirche in Gottsbüren hat nicht nur eine spannende Entstehungsgeschichte, auch baulich ist das gotische Gotteshaus ein Blickfang. Erhöht auf einem kleinen Hügel steht die Gottsbürener Kirche mit Geschichte: „Gottsbüren war damals ein bedeutender Wallfahrtsort“, sagt Pfarrer Jürgen Schiller. Ab 1330 kamen viele Pilger aus der Umgebung in den kleinen Ort.

Nur ein Jahr später strömten viele Pilger aus ganz Europa an die Wallfahrtskirche: Am 10. Juni 1331 erkannte der Erzbischof von Mainz Gottsbüren offiziell als Wallfahrtsort an, denn: „Das Wunder von Gottsbüren war der damals überlieferte Fund des Leichnams Christi“, erklärt der Pfarrer. Die Wallfahrt hielt etwa 50 Jahre an und brachte viel Geld ein: Damit wurde unter anderem der Ausbau der Kirche finanziert. Beim Betreten der Kirche fällt nicht nur der 50 Meter hohe Holzturm direkt ins Auge.

Verzierte Decken und gotisches Buntglasfenster schmücken die Kirche

Die Kirche wurde beim Bau in drei Bauabschnitte eingeteilt. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick direkt auf den Chor, den ersten Bauabschnitt der Wallfahrtskirche: Etwa 16 Meter ragen die verzierten Decken der Rundbögen in die Höhe. Die hohen gotischen Maßwerkfenster links und rechts erhellen den Innenraum der Kirche.

Hinter dem schlichten Altar sticht in sechs Metern Höhe ein kunstvoll verziertes Buntglasfenster heraus, die Farben sind satt und intensiv. „An sonnigen Tagen fallen die Sonnenstrahlen durch das bunte Fenster. Das Licht bricht dann so schön und es funkelt überall“, sagt der Pfarrer aus Hofgeismar.

Auf dem Glasfenster zu sehen: Weinblätter und Trauben sowie in der Mitte: Christus thront über der Erde. „Christus Pantokrator, der Weltenherrscher, ist ein häufiges Bildmotiv in Kirchen“, sagt Jürgen Schiller. Um ihn herum sind die vier Evangelisten als Tiere symbolisiert. Von dem Chor aus wandert der Blick in die große Haupthalle mit Seitenschiffen auf der linken und rechten Seite.

Das große Buntfensterglas: Zu sehen ist Christus über der Erde thronend und die vier Evangelisten in Tierform.
Das große Buntfensterglas: Zu sehen ist Christus über der Erde thronend und die vier Evangelisten in Tierform. © Lipfert, Stefanie

Freilegung und Restauration der Wandmalereien des 13. Jahrhunderts

Pfarrer Schiller, der schon lange für die Wallfahrtskirche in Gottsbüren zuständig ist, ist heute noch von den eindrucksvollen Wandmalereien der Seitenschiffe fasziniert. „Zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert wurden Malereien an die Außenwände angebracht, die aber zur Zeit der Säkularisierung entfernt oder übermalt wurden“, erklärt Schiller.

Um die 1960er Jahre herum wurden die Malereien so weit wie möglich wieder freigelegt und restauriert. Einige sind gut erhalten, wie die Abbildung der heiligen Margarete, oder die Kreuzigungsdarstellung am rechten Seitenschiff. Andere weniger, wie die Abbildung der Christopherus-Legende (Doppeldarstellung) oder die Malerei an der Stirnwand, die nur noch teilweise erkennbar ist. 1990 seien diese Malereien schonend restauriert und gesichert worden und geben der Kirche „ihren eigenen Charakter“, sagt Schiller.

Nicht nur der Chor und die Seitenschiffe bieten Sehenswertes. Auch die goldverzierte Orgel im hinteren Bereich der Kirche mit ihren drei Meter hohen Pfeifen steht ausdrucksstark auf der Empore. Sie wurde 1897/98 von der königlichen Hof-Orgelbauer-Familie Euler gebaut. „Die letzte bauliche Veränderung an der Kirche war der Turmanbau um etwa 1900“, sagt Schiller.

Wandmalerei: Malereien aus dem 14. Jahrhundert zieren die Seitenschiffe der gotischen Wallfahrtskirche.
Wandmalerei: Malereien aus dem 14. Jahrhundert zieren die Seitenschiffe der gotischen Wallfahrtskirche. © Lipfert, Stefanie

Großer Brand in der Wallfahrtskirche 2010: Sanierung dauerte zwei Jahre

Doch mit den Umbau- und Sanierungsarbeiten der letzten Jahrhunderte war es nicht getan: „2010 hatten wir in der Wallfahrtskirche einen großen Brand“, erinnert sich der Pfarrer aus Leidenschaft zurück. Die Sanierung der Kirche sei sehr umfangreich gewesen.

„Unsere Kirche musste komplett eingerüstet werden. Die Wandmalereien in der Haupthalle wurden Quadratmeter für Quadratmeter mit Wattestäbchen gesäubert“, berichtet Schiller. „Der Ruß setzte sich in der Orgel ab und diese musste komplett auseinandergebaut werden.“ Zwei Jahre schloss die Kirche ihre Pforten, bis sie 2012 schließlich wieder begehbar war. „Es war eine reine Sisyphusarbeit.“

Der Pfarrer hat in seiner Amtszeit schon viele Kirchen gesehen, jedoch steht für ihn fest: Die Wallfahrtskirche in Gottsbüren sei am schönsten, hier will er bleiben und er kommt immer wieder gerne zurück. Stefanie Lipfert

Die Wallfahrtskirche Gottsbüren: In dem gotischen Gotteshaus hält sich Pfarrer Jürgen Schiller am liebsten auf. Ein großes Buntglasfenster, alte Wandmalereien und die goldverzierte Orgel lassen die Kirche erstrahlen.
Die Wallfahrtskirche Gottsbüren: In dem gotischen Gotteshaus hält sich Pfarrer Jürgen Schiller am liebsten auf. Ein großes Buntglasfenster, alte Wandmalereien und die goldverzierte Orgel lassen die Kirche erstrahlen. © Stefanie Lipfert

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