Betreiber gehen in den Ruhestand

Eberschützer Dorfladen schließt nach 60 Jahren

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Alles andere als anonym: Sigrid Brenne kennt fast all ihre Kunden mit Namen. Natürlich bedauern die Eberschützer es sehr, dass sie nun nach Hümme, Trendelburg oder Hofgeismar ausweichen müssen. Auch Karina Tebus (links) hat gerne hier eingekauft. 

Eberschütz. Fast 60 Jahre konnten Kunden sich im Herzen von Eberschütz mit Lebensmitteln versorgen – am Mittwoch öffnet einer der letzten Tante-Emma-Läden im Kreisteil Hofgeismar ein letztes Mal.

Sigrid und Klaus-Dieter Brenne haben vor 33 Jahren den Kaufladen ihrer Familie übernommen, nun wollen sie in den Ruhestand wechseln. „Die erste Zeit wird bestimmt nicht einfach sein – vieles in unserem Leben hat sich um den Laden gedreht“, sagt der 65-Jährige. Jahrzehnte lang hat Sigrid Brenne das Lädchen allein geführt – „erst als mein Mann vor drei Jahren seinen Beruf als Konditormeister aufgab, hat er viele Aufgaben in unserem Geschäft übernommen“, berichtet sie. Zuvor war der Hausherr vor allem für die Getränkeauslieferung zuständig – Bier, Wasser und Limonade brachte er zweimal pro Woche den Eberschützern nach Hause. Und natürlich habe es auch immer mal wieder eine Ausnahmefahrt gegeben: etwa, wenn einem der Senioren der Einkauf zu schwer war. 

Laden war Treffpunkt im Ort 

Nicht nur das umfangreiche Sortiment wird den Bürgern im kleinen Trendelburger Stadtteil künftig fehlen. Der Laden war auch ein Treffpunkt zum Neuigkeiten austauschen. Eigentlich alles, was eine Familie zum täglichen Leben benötigt, hatte der Kaufladen zu bieten: Von der Edelschokolade über Joghurt und Käse bis hin zur Tiefkühlpizza, Konserven und Eis. Auch Zeitschriften, Schreibwaren, Putzmittel, Schuhcreme und Hunderte von anderen Artikeln wurden angeboten. 

Dass das Ehepaar Brenne fast all seine Kunden mit Namen kennt, versteht sich von selbst. „Nur im Sommer, wenn viele Radfahrer hier unterwegs sind, kommen hin und wieder Fremde rein.“ Besonders gemütlich ging es oft samstags im kleinen Laden zu: „Dann haben sich meine Kunden Brötchen gekauft und bei uns in der angrenzenden Küche gleich gefrühstückt“, erinnert sich die 62-Jährige. 

Nicht wenige nutzten diesen Privatraum auch als Zugang und schlüpften durch die Hintertür hinein. „Auf dem Dorf vertraut man sich – auch bei Feiern wussten meine Kunden, wo sie Getränke finden, wenn noch welche gebraucht wurden“, erklärt Klaus-Dieter Brenne. Viel Geld konnte das Ehepaar mit dem Dorfladen nie erwirtschaften: „Doch für Essen und Trinken brauchten wir nie etwas auszugeben – dass wir jetzt einkaufen gehen müssen, ist neu für uns“, so Sigrid Brenne.

Ihre Kinder haben sie zwar vertreten, wenn die beiden mal in den Urlaub fuhren. Trotzdem ist das Mehr an gemeinsamer Freizeit für sie eine der wichtigsten positiven Veränderungen am künftigen Ruhestand: „Einfach mal spontan in die Therme fahren war bei uns nie drin.“

Weil beide den alteingesessenen Laden sehr lieben, hätten sie sich über einen Nachfolger gefreut: „Leider gab es keine Interessenten – wir hätten bestimmt auch nicht viel Miete haben wollen.“

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