Ort nun mit Stein gekennzeichnet

Ehemaliger Richtplatz bei Gottsbüren: Hier gab es 1694 eine Enthauptung

Befinden sich an einem besonderen Ort: Die Heimatforscher Egon Haake (links) und Roland Henne stehen vor einem ehemaligen Richtplatz bei Gottsbüren. Ein neuer Stein weist auf dessen ehemalige Existenz hin.
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Befinden sich an einem besonderen Ort: Die Heimatforscher Egon Haake (links) und Roland Henne stehen vor einem ehemaligen Richtplatz bei Gottsbüren. Ein neuer Stein weist auf dessen ehemalige Existenz hin.

Der Reinhardswald ist ein beliebtes Ausflugsziel. Dass sich aber an einer Stelle in diesem idyllischen Fleckchen, ein ehemaliger Richtplatz befindet, wissen nur Wenige.

Gottsbüren - Wer nun auf dem Eco-Pfad Pilgerweg unterwegs ist, kann einen Blick auf die Richtstätte werfen. Der Platz ist mit mehreren Steinen eingefasst und ein großer Info-Stein weist auf den Ort hin.

Entdeckt hat den Platz Roland Henne, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Oberweser. „Das war 1999. Ich habe nach dem Grenzort des Reinhardswalds gesucht und bin auf den Richtplatz gestoßen, der in einer Karte von 1590 als neuer Galgenplatz von Gottsbüren eingezeichnet war“, erzählt Henne. Genau dort, mitten im Wald, soll der letzte bekannte Galgen im Amt Sababurg gestanden haben.

Mit Egon Haake hat Henne einen weiteren begeisterten Heimatforscher an seiner Seite, der sich um die Freilegung der Richtstätte gekümmert hat. „Man konnte den Platz zuerst nicht gut erkennen, da die Umrandung mit den Steinen mit Laub und Ästen bedeckt war“, sagt Haake. Die Entdeckung sei für ihn eine Faszination, auch, wenn an diesem Ort Enthauptungen durchgeführt wurden.

Wie viele es letztendlich waren, ist nicht ganz überliefert, sagen Henne und Haake. „Aus der Zeit des Amtes Sababurg, bezogen auf den Gerichtsort Gottsbüren, gibt es ansonsten kaum Niederschriften von Justiz- und Gerichtsverhandlungen oder von Gerichtsurteilen und ihren Vollstreckungen“, heißt es von Haake und, dass es „grausamste Formen der Todesstrafe gab.“

Enthauptung am 12. Dezember 1694

So auch am 12. Dezember 1694: Aus diesem Jahr gibt es dank des damaligen Pfarrers Christoph Ellenberger eine schriftliche Aufzeichnung über eine verhängte Todesstrafe. Der Verurteilte war Johannes Breidenstein, ein Mann aus Vaake. Dieser wurde mit der Begründung verurteilt, seinen Schwager vergiftet zu haben – die Motive waren nicht bekannt. Das Urteil lautete: Enthaupten mit dem Schwert. In dem Bericht des Pfarrers heißt es: „Nach der Enthauptung durch das Schwert, wurde der Körper auf ein Rad gelegt und der Kopf auf einen Esel gestellt. Die Körperteile wurden nicht am selben Tag begraben, sondern blieben lange über den Tod hinaus am Ort des Galgens liegen. Damit war die abschreckende Wirkung zeitlich nicht begrenzt.“

Bei der Enthauptung seien viele Menschen aus dem Ort anwesend gewesen. „Die Hinrichtung war ein Volksfest. Wahrscheinlich hat man den Galgen auf einem Hügel angebracht, damit die Leute aus der Gemeinde alles sehen konnten“, vermutet Haake. (Nela Müller)

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