Eisenbahnröhre im Winter nur für Tiere offen

Radwegetunnel bei Deisel: Erste Saison endete mit Andrang

Gute Bilanz: Für die Winterpause wurde jetzt der Bahntunnel bei Deisel wieder verschlossen. Dabei waren auch Vertreter von Landkreis, Denkmalbeirat, Kommunen und Unterstützern. Foto: privat

Trendelburg. In den gut sieben Wochen seit seiner Eröffnung im September ist der Radwegetunnel bei Deisel zu einem Besuchermagneten geworden.

Diese Bilanz zogen Vertreter des Landkreises und der Anwohner, als der sanierte und ausgebaute Eisenbahntunnel für die Winterpause geschlossen wurde.

Schon vom ersten Tag an herrschte ständig Betrieb in dem jahrelang gesperrten Tunnel, der im Spätsommer als Teil des Diemelradweges freigegeben wurde und nun einen 800 Meter-Umweg mit Steigung erspart. Die Trasse durch den Tunnel mit einer Rampe neben der Treppe am Südportal wird von Mountainbike-Fahrern bevorzugt, während Fahrer von Rennrädern und Sporträdern lieber auf der alten Trasse mit höherem Asphaltanteil bleiben.

Es sind ebenso viele Wanderer wie Radfahrer, die das 200 Meter lange und beleuchtete Tunnelstück erkunden. „Es ist der Wahnsinn, wie viele Leute da durchgehen“, schildert Willi Predak aus Deisel seine Beobachtungen beim täglichen Spazierengehen mit seinem Hund. Es seien viele ehemalige Eisenbahner dabei, die sagten, dass sie früher noch mit dem Zug durchgefahren seien. Der Streckenabschnitt zwischen Trendelburg und Bad Karlshafen, in dem der Tunnel liegt, wurde 1968 stillgelegt, der Rest zwischen Trendelburg und dem Abzweig bei Hümme folgte 1986.

Sackgasse

Vertreter des Landkreises, des Denkmalbeirates, der Anwohner und der Unterstützer, die sich für die Tunnelöffnung eingesetzt hatten, waren dabei, als jetzt die Tunneltore sonntagnachmittags wieder geschlossen wurden. Beim Durchgang vom Südportal zum Nordportal kamen ihnen noch fast zwei Dutzend Personen entgegen, die dann wieder kehrt machen mussten, weil der Ausgang schon versperrt war.

Kurz zuvor waren die Bauarbeiten abgeschlossen worden mit der Montage von zehn Betonkästen, die senkrecht und waagerecht montiert wurden als Unterkunft für die Fledermäuse, die im Tunnel leben. Sie sind Ersatz für die bei der Sanierung verschlossenen Mauerfugen und Ausbrüche.

Mehr Übernachtungen

Auf der aufgegebenen Bahntrasse wurde schon vor Jahren der Diemelradweg eingerichtet, der sich touristisch schon sehr positiv ausgewirkt habe. Das historische Haus Temme in Deisel mit seinen Übernachtungsmöglichkeiten sei durch die Radfahrer ausgebucht. Inzwischen sei in Deisel eine neue Ferienwohnung eröffnet worden und zwei bis drei weitere seien in Arbeit, nachdem dieses Metier im Ort seit den 1980er-Jahren eingeschlafen war, wie sich Predak erinnert.

Neue Diemelbrücke

Die Einwohner in Deisel hoffen jetzt auf eine verbesserte Beschilderung, die sowohl auf den Tunnel als auch auf ihren Ort und die dortigen Angebote verweist. Denn anders als auf der bisherigen Strecke, die die Radwegtouristen bis in Sichtweite des Dorfes und der dorthin führenden Diemelbrücke brachte, werden diese nun durch den Tunnel am Ort vorbeigeleitet. Ziel der Deiseler ist eine neue Brücke über die Diemel, deren Zugang kurz vor dem Tunnel abzweigt und dann in Höhe der Badestelle in Verlängerung der Poststraße auf 40 Meter Länge den Fluss überquert. Vorbild soll die um 1970 gebaute Brücke an der Helmarshäuser Anglerhütte sein, Geld könnte von der EU kommen.

Von Thomas Thiele

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