Weitere Kritik an Plänen

FWG-Fraktion Trendelburg: Geplanter Windpark im Reinhardswald gefährdet Wasser

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Windkraft über Baumwipfeln: Pläne für Anlagen gibt es auch für den Reinhardswald.

20 Windräder sollen sich im Windpark Reinhardswald drehen: Das zumindest plant die gleichnamige GmbH.

Dafür stehen jetzt wichtige Entscheidungen in den Parlamenten der beteiligten Kommunen an. Dass diese ausgerechnet in der Coronakrise fallen sollen, sieht die FWG-Fraktion aus Trendelburg kritisch – und noch einige andere Aspekte. Wir haben einige Kritikpunkte zusammengefasst:

Der Zeitpunkt

Die Position der FWG macht deren Fraktionschef in der Trendelburger Stadtverordnetenversammlung deutlich: Man unterstütze regenerative Energien, sagt Gerhard Niemeyer. „Aber Windkraft im Reinhardswald? Das muss, das darf nicht sein.“

Und jetzt sieht die FWG einen Zeitpunkt gekommen, bei dem es auf kommunalpolitischer Ebene um eine Grundsatzentscheidung dazu geht. Denn, wie berichtet, stehen in Kürze wichtige Beschlüsse zur Realisierung für den Windpark an. Vom Vorstand des kommunal dominierten Mehrheitseigners Energiegenosseschaft Reinhardswald (EGR) heißt es, dass diese Beschlüsse bis Mitte Juni fallen müssten – das habe man grundsätzlich schon im Vorjahr mitgeteilt. Wegen Corona seien eher geplante Infoveranstaltungen für die Mandatsträger nach hinten verschoben worden. Diese sollen nun Anfang Juni stattfinden.

Der Zeitplan sei zu eng, kritisiert Niemeyer. Man könne sich als Mandatsträger so schnell nicht unabhängig und tiefgreifend informieren. Zudem sollten die Parlamente, so die FWG, laut Vertragsfassung erst entscheiden, wenn die endgültige Baugenehmigung für die Anlagen vorliege.

„Laut Vertrag besteht keine Eile, erst muss die EGR liefern“, sagt Niemeyer. Und es sei nicht sicher, wie sich die kommunalen Finanzen wegen Corona entwickeln würden, da könne man jetzt nicht diese Entscheidung treffen. „Hier sollen Fakten geschaffen werden“, meint sein Fraktionskollege Klaus-Rüdiger Herrmann „Mit diesem Ja, das jetzt verlangt wird, gibt es kein Zurück mehr – dann bist du als Stadt Trendelburg immer dabei,“ ergänzt Niemeyer. Außerdem sei in Coronazeiten mit einer Obergrenze von Veranstaltungsteilnehmern die Beteiligung der Öffentlichkeit eingeschränkt.

Die Informationen

Kalkulationen zum erwarteten Energieertrag, Bilanzen, Kosten für Gutachten, Geschäftsführer und Aufsichtsrat, Verträge in endgültiger Form: Solche ausführlichen Informationen vermisst die FWG zum Windparkprojekt. „Wir Mandatsträger wissen nicht, wo wir aktuell stehen“, sagt Fraktionsmitglied Carsten Blum. Und das, obwohl man als Stadt Trendelburg mit 20 Prozent an der EGR beteiligt sei.

„Ich brauche die Verträge in der neuesten Fassung, wenn ich in der Stadtverordnetenversammlung abstimmen soll“, sagt dazu Gerhard Niemeyer. Schließlich vertrete er seine Wähler mit dieser Stimme.

Das Trinkwasser

Besonderes Augenmerk legt die FWG auf den Bereich Trinkwasser. Trendelburg gewinne pro Jahr 800.000 Kubikmeter Trinkwasser aus dem Reinhardswald. Gleichzeitig sei man durch einen langfristigen Vertrag, der erst 2015 bis 2050 verlängert wurde, verpflichtet, Trinkwasser an die Stadt Borgentreich zu liefern. „Der ehemalige Bürgermeister Kai-Georg Bachmann hat diesen Vertrag in seiner Amtszeit unterschrieben“, erklärt Gerd Niemeyer. Nun fordere Bachmann, als Aufsichtsratsmitglied der EGR, Windkraftanlagen im Reinhardswald zu bauen.

Die FWG befürchtet mögliche Verunreinigungen des Wassers durch den Bau der Anlagen sowie eine Blockade oder Umleitungen von Zuläufen durch die Fundamente. Dies könne die vereinbarte Versorgung für Borgentreich gefährden, Regressansprüche gegen Trendelburg seien dann nicht auszuschließen.

Trotz Dürre komme derzeit noch genug Wasser in den Brunnen an: „Was wäre jedoch, wenn Wasseradern durchschnitten werden?“, fragt die FWG. „Bisher konnte kein Gutachten diesen Tatbestand ausschließen“, formuliert Niemeyer. Das vorliegende Gutachten im Zuge der Projektierung besage nur, „es wäre nicht auszuschließen“.

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