Gegen Massentötung von Küken: Landwirt aus Wülmersen züchtet Bruderhähne

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Jörg Katzauer

Wülmersen. Das Schicksal von männlichen Legehuhnküken ist in der Regel ein trauriges. Nach ein bis zwei Stunden werden sie geschreddert, vergast oder zermust.

Neue Wege sucht man vor allem in der biologischen Landwirtschaft – Jörg Katzauer ist einer von denen, die sich der Bruderhahnaufzucht angenommen haben.

„Noch bin ich in der Erprobungsphase – ob ich tatsächlich dabeibleibe, wird sich zeigen“, sagt der Wülmerser Landwirt. 400 junge Hähne flattern, picken und scharren seit Juni auf seinem Hof, den der Quereinsteiger derzeit auf Bio umstellt. Eigentlich hatte der studierte Jurist einen ganz anderen Weg geplant, entschied sich dann aber doch, den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Familie fortzuführen. „Da meine Eltern sogenannte bäuerliche Landwirtschaft betrieben haben, wir nur über rund 40 Hektar an Fläche verfügen, musste ich mir Gedanken machen, was sinnvoll sein könnte.“

Somit begann Katzauer vergangenes Jahr mit der Aufzucht von Gänsen und erweiterte nun mit den Bruderhähnen. Eigentlich sei er eher zufällig zu dieser besonderen Haltung gekommen, Info-Material habe ihn darauf aufmerksam gemacht. „Sollte ich feststellen, dass die Bruderhahnaufzucht unwirtschaftlich ist, dann werde ich es wieder aufgeben müssen“, erklärt der Familienvater. Ein weiteres Aus könne auch vonseiten der Wissenschaft herrühren: „Noch gibt es kein vernünftiges Verfahren, um schon im Ei das Geschlecht sicher zu erkennen – wenn das irgendwann kommt, wird unser Konzept wohl auch hinfällig werden.“

Junggesellen unter sich: 18 Wochen alt werden die Bruderhähne auf dem Diemelhof in Wülmersen. Jörg Katzauer hat das Projekt mit 400 Bruderhähnen im Juni gestartet.

Doch mit all solchen Gedanken will sich der Trendelburger derzeit nicht herumplagen, ist er doch erst frisch dabei und recht optimistisch. Warum er sich tatsächlich für dieses Experiment entschieden hat, begründet er folgendermaßen: „Zum einen geht es natürlich um die ethische Komponente - ein Lebewesen, was zur Welt kommt, gleich zu töten, ist etwas, was ich nicht gut finde.“

Andererseits spielt auch der Aspekt der Nachhaltigkeit eine Rolle, denn aus einem Bruderhahn kann man ein schmackhaftes Gericht zaubern, es ist Fleisch, was sonst nicht genutzt wird.

Grundsätzlich hat ein Bruderhahn weniger Fleisch als ein Masthahn, der extra für die Fleischproduktion gezüchtet wird. Im Gegensatz zu diesen, die meist etwas mehr als einen Monat leben, dürfen seine gefiederten Jungs rund 18 Wochen leben.

Und das unter besten Bedingungen: Heller, freundlicher Stall, Auslauf ins Grüne und schadstofffreies Futter – ein Mehraufwand, der kostet. „Elf Euro werde ich fürs Kilo nehmen – gegen Vorbestellung kann man einen frischen Hahn bei mir auch am Hof bekommen.“ Ansonsten hat sich Katzauer durch eine Erzeugergemeinschaft abgesichert, in der er Unterstützung bei der Vermarktung etwa bekommt. Auch für die Bruderhahn-Initiative produziert er, ist allerdings noch kein festes Mitglied. Wenigstens zwei Jahre will der Biolandwirt auf jeden Fall mit den Bruderhähnen durchhalten.

Kontakt: Frisch geschlachtete Bruderhähne sind auf Vorbestellung direkt bei Familie Katzauer erhältlich, Telefon: 0 15 77 / 3 71 31 36.

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