Referat vor Trendelburger Stadtverordneten

Würgassen: Geologe zweifelt Baugrund weiter an

Das abgeschaltete Atomkraftwerk Würgassen.
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Das abgeschaltete Atomkraftwerk Würgassen: Geologe Claus Schubert hält den Baugrund für ein Atommüll-Logistikzentrum dort für unsicher.

Über die Eignung des Baugrundes für das geplante zentrale Zwischenlager für mittel- und schwachradioaktive Abfälle in Würgassen gibt es schon länger Diskussionen.

Trendelburg - Nun ging Geologe Dr. Claus Schubert mit den von der Bundesregierung und der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) betriebenen Planungen erneut hart ins Gericht. In der Sitzung der Trendelburger Stadtverordneten am Donnerstagabend sprach Schubert auf Einladung des Magistrats von „einem intransparenten Verfahren mit vielen nebulösen Vorgängen“. Hier die wichtigsten Aspekte:

Der Geologe

Schubert sieht den Standort für das Logistikzentrum Konrad (LoK), wie die BGZ das Zwischenlager für das Endlager Konrad bei Salzgitter bezeichnet, auf geologisch unsicherem Terrain. Die Politik habe den Standort ausgewählt, weil im Dreiländereck am wenigsten Widerspruch zu erwarten gewesen sei.

Der Geologe betreibt ein Beratungsbüro für Boden und Umwelt im Trendelburger Stadtteil Eberschütz. Er sei an das Thema Zwischenlager Würgassen „herangegangen wie auch sonst immer“. Das bedeutet, dass er zunächst öffentlich zugängliche geologische Karten liest. In diesem Fall die des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen. Diese Karten wiesen aus, dass der Weserbogen bei Würgassen im Dreiländereck auf einer Deckschicht von Buntsandstein stehe, ebenso wie der Solling und der Reinhardswald. Doch neben dem Buntsandstein tauchten immer wieder auch Gerölleinlagerungen aus dem Pleistozän auf. Das Pleistozän begann vor 2,6 Millionen Jahren und endete vor 12 000 Jahren.

In tieferen Erdschichten in dieser Region befinden sich demnach zudem Formationen aus wasserlöslichem Salz und Gips. Werden Salz oder Gips mit der Zeit ausgewaschen, entstehen Hohlräume. Über solchen Subrusionen, wie sie in der Fachwelt heißen, könnten die Deckschichten nachgeben und einbrechen. Es entsteht ein Erdfall. Der bekannteste ist der Große Wolkenbruch bei Trendelburg.

„Das Risiko solcher Erdfälle in Würgassen ist schon seit 1967 bekannt“, berichtete Schubert den Stadtverordneten. Bei zwei von vier Bohrungen auf dem Gelände des AKW Würgassen sei der Bohrer damals auf Hohlräume getroffen. „Bei 100 Metern fehlten plötzlich zwei Meter im Bohrkern“, so Schubert. Das bedeute nichts anderes, als dass sich an diesen Stellen Hohlräume in der Tiefe gebildet hatten. Dass damals das Atomkraftwerk dennoch gebaut wurde, habe damit zu tun gehabt, dass man das Risiko von Erdfällen nicht so ernst genommen habe. Doch heute, 50 Jahre später, sei die Wissenschaft weiter.

Aber auch das Gutachterbüro aus Hannover, das für die BGZ vor einem Jahr 130 Bohrungen auf und neben dem Gelände des AKW vorgenommen hat, wolle diese Risiken nicht zur Kenntnis nehmen, kritisiert Schubert. Deshalb spricht er diesem Gutachten nach wie vor Objektivität und Aussagekraft ab. „Das Gutachten mit dem die BGZ hier argumentiert, ist in höchstem Maße unfachmännisch“, so der Geologe wörtlich. Schubert bezweifelt, dass solche Risiken bautechnisch beherrschbar sind.

Der Bürgermeister

Zweifel an der Objektivität und Transparenz der BGZ hat auch Bürgermeister Martin Lange. In einem Brief an die Planer (HNA berichtete) hatte er auf die offiziellen Karten des Geologischen Dienstes NRW hingewiesen, auf denen auch die Ergebnisse der Bohrungen von 1967 dokumentiert seien. Die BGZ habe daraufhin geantwortet, dort seien keine Risiken verzeichnet. Lange dazu: „Das war eine nachweislich sachliche Falschinformation.“

Die Planer

Die BGZ hat Schuberts Kritik, die dieser auch bei einem Pressetermin für die Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ geäußert hatte, bereits ebenso zurückgewiesen wie die Forderung des Trendelburger Magistrats nach einem neuen, unabhängigen Bodengutachten. Der Gutachter der BGZ bleibe auch nach einer neuerlichen Begutachtung aller zur Verfügung stehenden Unterlagen bei seiner Einschätzung, dass auf dem künftigen Baugelände kein überdurchschnittliches Erdfallrisiko vorliege. Zudem werde in einem Genehmigungsverfahren ohnehin die Frage des Baugrunds erörtert und gegebenenfalls durch einen weiteren Gutachter geprüft. (Gerd Henke)

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