Angelverein feiert 50-jähriges Bestehen

Gottsbürener Angelsportverein beklagt beim Vereinsjubiläum die Verunreinigung von Gewässern

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Begeisterte Jungangler sind Ole Feuerstack (vorn) und Nick Betz.

Der Angelsportverein Gottsbüren feierte kürzlich sein 50-jähriges Bestehen. Neben der Freude über das Jubiläum gab es aber auch Kritik am Zustand der Gewässer.

Mit dem Angeln ist das so eine Sache – erst werden die Fische gekauft, dann ins Wasser gegeben, um sie anschließend mit der Rute wieder herauszufischen. Ob sich das Angeln tatsächlich auf diesen simplen Ablauf reduzieren lässt oder ob da noch viel mehr dranhängt, berichteten die Gottsbürener Petrijünger am Samstag bei ihrem Teichfest. Das fand anlässlich des 50-jährigen Bestehens des örtlichen Angelvereins an ihrem Domizil am Keß-Pfuhl-Teich statt.

400 Forellen eingesetzt

Da die Gewässer nicht genug Fische haben, bleibt den Angelsportlern eigentlich nichts anderes übrig, als diese zu besetzen. „So geben wir beispielsweise 400 Bachforellen in den Diemelabschnitt oder 200 Zander und noch mal 150 Forellen in unseren Teich“, berichtet Manfred Schäfer, der dem Verein seit fünf Jahren vorsitzt. Zudem würden sie auch Karpfen, Weißfische und Aale fangen.

Viele der Vereinsmitglieder lieben vor allem das Naturerlebnis, da „werde das Fischen oft sogar zur Nebensache, wenn man frühmorgens am Wasser sitze, erlebe wie es langsam hell werde, es nach frisch gemähter Wiese dufte und bis auf ein Vogelgezwitscher totale Ruhe herrsche“, schwärmte da Christian Bauer, einer von noch drei Gründungsmitgliedern, die der Vereinigung angehören.

Kanus bringen Unruhe

Fragt man sie, was sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat, so beklagen beide die hohe Anzahl an Kanufahrern auf der Diemel. „Denn die bringen viel Unruhe und machen einiges kaputt“, wettern Bauer und sein Vereinskollege Ewald Gerke. So würde durch diese etwa der Laich Schaden nehmen und Fische sowie Wassergeflügel gestört werden. Kein Freund der Angler ist zudem der Kormoran, der es ebenso auf die Fische abgesehen hat, sich nicht wenige als Leckerbissen holt. „Ohne die Gewässer zu besetzen, bliebe unser Hobby auf der Strecke“, erklärten die beiden, selbst Ende der 60er-Jahre, zu Gründungszeiten, hätten sie schon Fische aussetzen müssen.

Gifte im Wasser

Da sie nicht alle Fische herausangeln, einige im Teich und dem Fluss bleiben, wird so auch etwas für deren Vermehrung getan. Auch wenn auf den ersten Blick das Wasser der Diemel sauberer erscheint als vor 50 Jahren, so meinen die erfahrenen Angler, dass das ein Trugschluss sei. „Früher waren jede Menge harmlose Abwässer aus den Haushalten in den Flüssen, die den Tieren sogar Nahrung brachten – heute in Zeiten der Kläranlagen ist das weg, dafür sind die Gifte aber immer noch drin.“ So habe man etwas festgestellt, dass die Fische inzwischen wesentlich lustloser als zu früheren Zeiten seien, denn die Rückstände von Psychopharmaka würden den Fortpflanzungstrieb beeinflussen.

Köstliches aus Fisch

Bei der Veranstaltung selbst fehlte es an nichts, was eine gute Feier ausmacht. Natürlich gab es Köstlichkeiten aus frischem Fisch, für die Kinder wurde Schnupperangeln angeboten und man konnte einiges aus dem Vereinsleben erfahren.

„Stolz sind wir auf unsere Hütte, die wir vor drei Jahren in Eigenleistung selbst aufgebaut haben“, berichtete Schäfer und meinte damit das schmucke Blockhaus auf einer Anhöhe am Wasser. Bisher fehlt hier noch Strom, was derzeit per Aggregat gelöst wird. 6000 Euro würde sie eine Stromversorgung kosten, das wäre eines der Projekte, die sie in naher Zukunft angehen wollten.

Bald Jugendabteilung

Auch eine Jugendabteilung möchte man gründen, da es da einige junge Interessenten gibt. Und weil Angler sowieso Flora und Fauna lieben, wird es auch nicht mehr lange dauern, bis sie ihren eigenen Storchenhorst am Keß-Pfuhl-Teich aufgestellt haben. Der Stamm dafür wäre schon vorhanden, hieß es da.

Drei Fragen: Die Tiere spüren den Haken im Maul nicht sehr

Axel Keller aus Neuental (Schwalm-Eder-Kreis) gehört dem Präsidium des Verbands Hessischer Fischer an. Schon als Kind war er beim Angeln dabei. Er gehört seit 54 Jahren einem Angelverein an und ehrte in Gottsbüren die Gründungsmitglieder im Namen des Verbandes. 

Ist Angeln für die Fische brutal? Wenn ein Angler waidmännisch vorgeht, ist das keine schlimme Sache für die Tiere. Wir gehen davon aus, dass der Mundbereich recht schmerzunempfindlich ist, deshalb merken die Fische auch nicht viel von der Verletzung durch den Haken im Maul. Wichtig ist, dass man zügig handelt, den Fisch schnell betäubt und ihn dann ausnimmt. 

Was ärgert Sie als Angler? Die Zoohandlungen, die Fische verkaufen, die nicht hierhergehören und sich irgendwann in unseren Gewässern wiederfinden. Dazu gehört etwa der Signalkrebs, der zu den invasiven Arten gehört, das Gleichgewicht stark stört. Das gilt auch für Pflanzen, wie die kanadische Wasserpest oder der japanische Knöterich, die hier fremd sind, sich extrem im Gewässer ausbreiten und so zu einem gewaltigen Problem werden. Auch die Politik der Grünen ist schlimm. So sind die etwa für Wasserkraftanlagen, die allesamt Turbinen haben und 80 Prozent der Fische, die dort durchgehen zerhäckseln, was eine ganz brutale Angelegenheit ist. Furchtbar finde ich auch die Angler, die gerne riesige Fische rausholen, diese dann ausmessen, wiegen, fotografieren und am besten noch küssen, nur um damit anzugeben. Nach der Prozedur wird das Tier dann wieder ins Wasser gelassen. 

Warum genau gehen Sie angeln? Weil man nirgends so gut entspannen kann, wie in der Natur am Wasser. Ohne Fernseher, Handy sowieso nicht, höchstens mit einem Anglerkollegen dabei, ist es eine feine Sache zu erleben, wie ein Mäuschen übers Wasser paddelt, irgendwo ein Hase hoppelt, ein Reh etwas nascht und sich langsam der Tag dem Ende zuneigt. Ich bin nämlich am liebsten in den Abendstunden am Wasser.

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