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Angler sorgen sich um die Fische in der Diemel

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Von: Daria Neu, Tanja Temme

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Vier Angler sitzen an der Diemel.
Für mehr Ruhe auf dem Fluss wollen sich einige Angler aus dem Kreisteil einsetzen. Im Bild sind (von vorn) Thorsten Hofeditz, Uwe Lischewski, Bernhard Götte und Armin Fülling zu sehen. © Tanja Temme

Angler und Kanuverleiher sind mit Blick auf den Bootstourismus auf der Diemel unterschiedlicher Meinung. Beide betonen ihre Liebe zur Natur.

Kreisteil Hofgeismar – Bei den örtlichen Angelsportvereinen sorgt man sich vor allem um die Tierwelt, die „des schwindenden Wassers wegen“ schon genügend Stress hätte, wie es beim Freundschaftsangeln in Sielen hieß. Die Gegenargumente der Betreiber vom Hofgut Stammen und von Kanu Schumacher in Trendelburg überzeugen sie nicht.

Jürgen Raabe, Vorsitzender des Sielener Angelsportvereins (ASV), sagt: „Wir möchten, dass der Kanutourismus stärker kontrolliert wird.“ Viele Kanufahrer seien auf der Diemel unterwegs. „Ganz besonders an den Wochenenden im Sommer“, erklärt Raabe und fügt an, dass die Fische damit zu kämpfen hätten, wenn sie immer wieder in ihrem Lebensraum gestört werden.

Wasserentnahme bereits verboten

Bruno Sasse vom Lamerder Angelsportverein bewertet die Lage wie folgt: „Wir sind ja keine Unmenschen und wollen das Kanufahren verbieten, aber unter den aktuellen Bedingungen muss da eine Bremse rein.“ Dass das Thema Wasser auch im Kreis Kassel brisant ist, zeigt das aktuelle Wasserentnahmeverbot, das auch für die Diemel gilt. Manfred Schäfer, Vorsitzender der Gottsbürener Angler, wünscht sich ebenfalls mehr Rückendeckung: „Ich habe das Gefühl, dem Tourismus wird alles andere untergeordnet.“

Bei dem Thema kommen immer wieder die Kiesbänke im Fluss zur Sprache: „Bei Eberschütz oder auch hier in Sielen gibt es Bereiche, wo das Wasser gerade mal wenige Zentimeter hoch ist“, sagt Peter Gante vom Sielener ASV. In diesen Abschnitten soll es laut Gante schmale Ausweichbereiche geben. Problematisch wäre dies, da diese Wasserschneisen oft in Ufernähe wären – dort, wo die Fische sich zurückzögen.

Mehr Ruhe gewünscht

Dass es zwischen Haueda und Helmarshausen Pegelmessstellen gibt, jeder Kanufahrer eine Genehmigung vor seiner Tour einholen muss und es zeitliche Begrenzungen fürs Paddeln gibt, sei den Angelsportlern bekannt. „Die Standorte dieser Messstellen kann man kritisch sehen“, sagt Sasse. Sie befänden sich oft in den ohnehin tiefen Stellen im Fluss.

„Wir wünschen uns mehr Ruhe auf dem Fluss“, betont Raabe. Denn auch der in Ufernähe abgelegte Laich nehme immer wieder Schaden durch die Boote, sagt Raabe.

„Wir beobachten den Fluss genau‘“

Die Kanuverleiher Jörg Valtingojer vom Hofgut Stammen und Sebastian Rust von Kanu Schumacher in Trendelburg reagieren auf die Kritik der Angler. Sie betonen: „An der Diemel finden seit mindestens 1997 Kanufahrten statt. Wir arbeiten und leben am Fluss, lieben, was wir tun und beobachten den Fluss täglich sehr genau.“

Man teile die Sorge der Angler, langfristig könnten die trockenen Sommer problematisch werden. „Bislang haben wir hierzulande jedoch Glück im Unglück. Die Diemel wird vom Ablass des Diemelsees gespeist.“ So sei das Befahren der Diemel möglich. Man erreiche einen „guten Pegel“ – auch in trockenen Jahren. Die Betreiber thematisieren in ihrer Stellungnahme außerdem:

 Die Messstellen in der Diemel: Die Messstelle in Haueda wurde vom Land Hessen installiert und das Regierungspräsidium habe diese Position für die Befahrungsregelung der Diemel übernommen. Deswegen seien die Kanufahrer selbst nicht erste Anlaufstelle bezüglich einer stärkeren Kontrolle, heißt es in der Stellungnahme.

Kanufahrer richtig einweisen

„Aus unserer Sicht wäre es jedoch wenig zielführend, die Messstellen gezielt an flachen Stellen zu installieren – Veränderungen der Flussmorphologie über die Jahre führen zu dynamischen Änderungen des Flusses und so auch der Kiesbänke, die ganzjährig kaum überspült werden.“ Diese „Inseln“ würden von den Kanuten umfahren, da die Hauptströmung daran vorbeiführe. „Die reine Wassertiefe an besonders flachen Bereichen besitzt keine absolute Aussagekraft über die Befahrbarkeit des gesamten Flusses“, sagen Valtingojer und Rust. Es gelte, den Kanufahrern bei der Einweisung das richtige Fahren zu vermitteln, damit sie in der Lage seien, mit der Strömung der tieferen Fahrrinne zu folgen.

Zwei Kanus sind auf der Diemel unterwegs.
Das Kanufahren auf der Diemel ist im Kreisteil Hofgeismar eine beliebte Freizeitaktivität. © Björn Friedrichs

. Die Gefahr für Lebewesen im Flachen: „Seit Jahren wird an der Diemel gepaddelt. Natürlich: Kanufahren stellt einen Eingriff in die Natur dar. Angeln ebenfalls“, heißt es seitens der Kanufahrer. Doch der Fluss werde auf eine relativ naturverträgliche Art genutzt. „Die Anzahl der Kanus, die die Diemel am Tag befahren dürfen, ist kontingentiert. Es ist wie überall, ob unter Radfahrern, Wanderern oder eben Kanufahrern und Anglern: Die meisten Menschen, die sich draußen bewegen, wünschen sich ein Naturerlebnis und verhalten sich dementsprechend rücksichtsvoll und an die Natur angepasst.“ Ausnahmen bestätigten die Regel – das sei nicht abzustreiten.

„Schwarze Schafe gibt es überall“

. Den Wunsch nach Ruhe auf dem Fluss: An der Diemel gebe es zahlreiche Badegäste, es gebe Angler, die sich nicht immer korrekt verhalten – und ebenso Kanufahrer, „denn schwarze Schafe gibt es überall“, sagen Valtingojer und Rust. Abgelegter Laich zum Beispiel könne Schaden durch ein solches Verhalten nehmen – durch jede der genannten Gruppen. Dass die Angler sich mehr Ruhe auf dem Fluss wünschen, dafür hätten die Kanufahrer Verständnis. Aber nicht jede Beschwerde sei berechtigt. „In den meisten Fällen kann man sich arrangieren und man sollte immer versuchen, nicht nur die eigene Perspektive im Hinterkopf zu behalten, denn uns allen liegt der Fluss am Herzen.“

Interessant wäre es, eine wissenschaftliche Untersuchung zur Entwicklung der Fisch- und allgemein Tierpopulation in und an der Diemel auf den Weg zu bringen. „Vielleicht würde sich unser Eindruck, dass die Tierwelt weiterhin sehr intakt ist, dadurch belegen lassen.“

RP: Bis zu 75 Boote täglich auf der Diemel

Die Obere Naturschutzbehörde des Landkreises Kassel ist für den Diemelabschnitt zwischen Haueda und Bad Karlshafen zuständig und erteilt Genehmigungen für das Befahren mit Booten. Das ist nur zwischen dem 15. April und dem 15. Oktober jedes Jahr möglich. In dieser Zeit darf die Diemel zwischen 9 Uhr und 19.30 Uhr befahren werden.

Wie der Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Hendrik Kalvelage, mitteilt, dürfen gewerbliche Kanuverleiher in dem Abschnitt gemeinsam täglich 50 Boote aufs Wasser lassen, weitere 25 sind für private Nutzer vorgesehen. Somit dürfen täglich 75 Kanus zwischen Haueda und Bad Karlshafen auf der Diemel unterwegs sein. Es muss eine Mindestwassertiefe von durchgängig 30 Zentimetern gegeben sein. Diese soll vorliegen, wenn der Messpegel in Haueda mindestens 45 Zentimetern aufweist.

Laut Kalvelage lag der Pegel jetzt in Haueda bei 46 Zentimetern. „Wenn der Pegel weiter fallen sollte, werden keine Fahrten mehr genehmigt.“ Noch sei der Pegel aber ausreichend. Bezüglich der Kiesbänke machte er klar, dass diese nicht betreten werden dürften und weiträumig zu umfahren seien. „Dabei ist vom Ufer und seiner Vegetation weitmöglichst Abstand zu halten.“ Zum Vorwurf der Angler, Kanuten würden nicht genug kontrolliert, verweist Kalvelage auf die erforderliche Genehmigung, die bei der Fahrt mitgeführt werden muss. Kontrollen fänden sonst anlassbezogen statt.

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