Betroffene berichten über erste Treffen

Endlich wieder Besuche in Seniorenheimen: Eine knappe Stunde pures Glück

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Abstand ist noch immer angesagt: Heinz König hofft sehr, dass er bald wieder mit seiner Frau Gisela im Caldener Seniorenzentrum Menetatis mehr Zeit verbringen kann.

Tränen kullern Heinz Königs Wangen herunter, als er seiner Frau in einem Besuchsraum im Seniorenzentrum Menetatis gegenübersitzt. Wochenlang hat er seine Frau nicht sehen dürfen.

Ein Zustand, der dem Senior schwer zu schaffen macht, wie er sagt. Während einigen Angehörigen die Einschränkungen in den Altenheimen offenbar stark aufs Gemüt schlagen, können sich andere gut mit dieser Situation arrangieren.

„Das Schlimmste ist, dass man sich nicht mal berühren darf“, sagt König. Dass der 79-Jährige aus Dörnberg nun seine Frau Gisela einmal wöchentlich für 45 Minuten sehen dürfe, sei zwar ein Fortschritt. Doch er sehne sich danach, wieder täglich mit ihr Zeit verbringen zu können. Während Heinz König davon erzählt, wie gerne er einfach nur mal wieder neben ihr auf dem Sofa sitzen würde, um vielleicht gemeinsam eine Sendung im Fernsehen anzusehen, sitzt seine Frau gut zwei Meter entfernt am anderen Tischende. „Wir haben zwar jeden Tag telefoniert, doch sich so lange gar nicht zu sehen, ist schon schwer“, bemerkt sie traurig.

Wochenlang kein Besuch von der Familie

Die gedrückte Stimmung lässt auch Pflegedienstleitung Monika Bienecker nicht kalt, die dem Gespräch kurz beiwohnt: „Bald ist es doch geschafft. Noch bis Anfang Juni, dann wird es sicher besser“, macht sie den beiden Mut. Zwei Räume hat das Seniorenzentrum für Besucher derzeit eingerichtet, wo jeweils zwei Menschen sich auf Abstand begegnen dürfen. „Auch während der totalen Sperrung hat sich der eine oder andere vom Fenster aus zugewunken oder man hat mit seinen Angehörigen vom Balkon aus ein kleines Gespräch geführt“, berichtet Bienecker von den vergangenen Wochen.

Natürlich habe man alles versucht, um den Bewohnern eine möglichst angenehme Zeit zu bereiten. So habe beispielsweise der häusliche Sozialdienst diese stark während der Quarantäne unterstützt. Dass es mit der Zeit „immer schwieriger“ wurde, die Bewohner bei Laune zu halten, daraus macht die Leiterin kein Geheimnis. Schließlich konnten die Senioren wochenlang keinen Besuch empfangen.

Langsame Schritte Richtung Normalität

Im Alten- und Pflegeheim Schloss Stammen hat man den Betreuungsdienst aufgestockt. „Obwohl wir das Beste draus gemacht haben, war es für uns eine anstrengende, schwere Zeit“, sagt Seniorchefin Uta Kölling-Haustein. Auch sie ist froh, dass es nun langsam wieder in Richtung Normalität geht.

Sie hat die Einschränkungen kaum wahrgenommen: Martha Klöckner, hier mit Pflegedienstleiterin Petra Nierichlo, hat die Ausnahmezeit im Schloss Stammen nach eigenen Angaben gut verkraftet.

Im Caféraum des Hauses dürfen sechs Bewohner täglich abwechselnd ihre Angehörigen treffen. Maske, Handdesinfektion, Abstand und Adressangabe sind wie auch im Caldener Seniorenzentrum für die Gäste ein Muss. Auch Martha Klöckner hatte gestern Besuch von ihren Sohn. „Da ich hier in einer Gemeinschaft lebe, habe ich die Zeit der Sperre als gar nicht so schlimm empfunden“, erzählt die 91-Jährige.

Uta Kölling-Haustein meint, dass die meisten Bewohner die Ausnahmesituation in der Pandemie ganz gut verkraftet hätten. So habe man viel angeboten und häufig miteinander im Park gesessen. Ausnahmen vom Besuchsverbot habe es in den Altenheimen nur im Sterbefall gegeben. Dann habe man den Angehörigen Gelegenheit zum Abschied eingeräumt – denn das wollte man ihnen auf keinen Fall nehmen.

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