Einmalige Deckentapete erstrahlt wieder

Schloss Stammen: Historische Tapete in Salon entdeckt

+
Den Kronleuchter hält Jörg Hofmann mit Andrea Strietztel an den vorgesehenen Platz. Strietzel vollendete die Arbeiten an der Rosette im Mittelteil der historischen Deckentapete, indem sie Muschelgold auf Stuckelemente auftrug.

Ein weithin einmaliger Fund ist bei Renovierungs- und Umbaumaßnahmen im Schloss Stammen ans Licht gekommen.

Als der ehemalige Mittelsalon von Zwischenwänden befreit und die um 1920 abgehängte, stabile Deckenkonstruktion geöffnet wurde, kam eine farbige, mit Ornamenten und Motiven geschmückte großflächige Deckentapete zum Vorschein. Die Deckendekoration war jetzt kurz vor Abschluss der Arbeiten erstmals einsehbar.

„Es handelt sich um einen sensationellen Befund, der eindrucksvoll die Atmosphäre und das Lebensgefühl des Landadels im ausgehenden 19. Jahrhundert illustriert,“ meint dazu der zuständige Bezirkskonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Tobias Michael Wolf in Marburg.

Astrid Obermann von der Abteilung Bauforschung und Restaurierung in der Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege erläutert, dass überhaupt nur zwei erhaltene Deckentapeten aus der Zeit des Historismus um 1880 bekannt sind. Das ermöglicht nun einen Blick in die Vergangenheit vor der heutigen Nutzung als Altenheim, hob Obermann hervor.

In drei Schichten ist die Deckendekoration erhalten. Zunächst bestand eine einfache Malerei mit roten Streifen auf gelblichem Kalkanstrich. Darüber kam vor etwa 170 Jahren die erste Tapete auf grauem Grund mit einer markanten, fein vergoldeten Mittelrosette aus Stuck. 30 Jahre später wurde diese durch eine weitere Schicht aufgewertet. 

Die Rosette als Schmuck-element in der Mitte blieb erhalten. „Eine schablonierte und von freier Hand überhöhte Fassung auf Papier in klassizistischer Formensprache weist eine reiche polychrome Fassung mit Ornamentbändern, vegetabilem Dekor und Büsten auf“, lautet die genaue Beschreibung durch das Landesamt.

Starke Verschmutzungen, partieller Schimmelbefall und andere Schäden sowie die Instabilität der Farben - sie kreideten aus - erforderten eine aufwendige Restaurierung durch die Spezialistin für historische Tapeten, Andrea Strietzel (Großwechsungen).

Nach einer gründlichen Reinigung festigte sie die Farben, sodass eine etwa sechs Quadratmeter große Fläche dauerhaft sichtbar bleibt. Die nun unter fachlicher Begleitung des Landesamtes in Teilen freigelegte Papiertapete wurde mit 12 000 Euro aus Denkmalmitteln des Landes gefördert.

Das Schloss Stammen war seit 1429 Adelssitz der Familie Rabe von Pappenheim. Von 1770 bis 1773 erbaute Sophie du Thil nach dem Tod ihres Mannes Christoph das repräsentative Barockschloss. Er war als hessischer General im Krieg schwer verletzt worden und starb 1770.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.