König des Waldes auf dem Rückzug?

Jäger macht sich Sorgen um Rotwild im Reinhardswald

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Rothirsch Lucky mit Gefolge. Rotwild kann man im Reinhardswald kaum noch sehen. Dafür aber im Tierpark Sababurg, wo dieses Bild entstand. 30 Tiere gehören zu dem dortigen Rudel.

Gottbüren. Die Hirschbrunft war schon immer ein besonderes Ereignis im Reinhardswald. Röhrende Hirsche, die zur Paarungszeit, durch imposante Laute auf sich aufmerksam machen, gibt es laut Winfried Häsing aus Gottsbüren aber kaum noch zu hören.

Seit Jahren beobachtet er einen stetigen Rückgang des Rotwildes im Reinhardswald, eben dort, wo auch er zur Jagd geht.

„Laut Hessen-Forst sollen die Schälschäden bei drei Prozent liegen“, sagt der 78-Jährige. Allein diese Zahl sei ein deutlicher Indikator dafür, wie wenige Hirsche und Alttiere noch im Wald unterwegs seien.

Da Häsing schon als Junge von seinem Großvater mit auf die Jagd im Reinhardswald genommen wurde, weiß er, wie es einst war. Es gab Zeiten, da sah man überall Rotwild – auch vor zehn Jahren hätte man noch 15 geweihte Hirsche auf einmal entdecken können, doch dies sei nun vorbei.

„Es geht nur ums Geld“

„Seit zwei Jahren haben ich kein Rotwild mehr gesehen – normalerweise dürfte niemand im Reinhardswald in den kommenden Jahren auch nur ein Tier erlegen, damit sich der Bestand erholen kann.“ Laut Häsing hat man in der Vergangenheit einfach zu viel Rotwild erlegt. Sogar extra Jagden auf Muttertiere seien veranstaltet worden. „Hessen-Forst mit dem Ministerium im Rücken verfolgt die Politik Wald vor Wild und dabei geht es ihnen einzig und allein nur ums Geld.“

Ein Baum an welchem ein Hirsch geknabbert habe, bringe für den Forst erhebliche finanzielle Einbußen und könne dann nur noch als günstiges Industrieholz verkauft werden, sagt Häsing..

Busse voller Besucher

Dass kaum noch Rotwild im Reinhardwald vorhanden ist, spiegelt sich laut Häsing auch im Abschlussplan wider: Der sei trotz intensiver Bejagung nur zu 75 Prozent außerhalb des Wildschutzgebietes umgesetzt worden. „Früher sind Menschen mit Bussen in den Reinhardswald gekommen, um die Brunft zu erleben – heute kann man lange warten, mal einen Hirsch röhren zu hören.“

„Rotwild bald Geschichte“

Da der Gottsbürer eine sogenannte Hochwildjagd gepachtet hat, entsprechend viel Geld bezahlt, zieht er in Erwägung künftig eine Änderung herbeizuführen. „Wenn ich fast drei Jahre kein Rotwild sehe, ist es keine Hochwildjagd mehr.“ Einzig am Weserhang würden sich derzeit noch Tiere aufhalten. „Wenn das so weitergeht, ist Rotwild im Reinhardswald bald Geschichte – dabei wollen wir Jäger doch regulierend eingreifen und nicht vernichtend.“

Mit seiner Meinung steht Häsing nicht allein da – ganz ähnlich bewertet beispielsweise Heinrich Baumann aus Trendelburg die Lage. „Vor mehr als zehn Jahren habe ich beispielsweise an einem Abend mal 44 Stück Rotwild gezählt – inzwischen sehe ich seit langem kein einziges mehr“, äußert der 76-Jährige, der in Stammen jagt.

Annäherung

Vielen Jägern, die Reviere am Reinhardswald hätten, sei die Situation bekannt und beklagten dies seit Jahren, weiß der Waidmann. Er hofft, dass in Zukunft Forst und Jäger näher zusammenrückten und Wege eingeschlagen würden, mit denen beide zufrieden seien.

Forst: Sind auf richtigem Weg

Dass Hessen-Forst auf dem rechten Weg ist, was die Bejagung des Rotwildes im Reinhardswald anbelangt, davon ist Klemens Kahle, Sprecher des Forstamtes Reinhardshagen, überzeugt. Seit rund zehn Jahren würde Rotwild stärker reduziert in dem Waldgebiet. Grund dafür sind Verbiss- und Schälschäden an den Bäumen, die Ertragseinbußen beim Verkauf des Holzes mit sich bringen. Laut Kahle gibt es keinen Grund, sich Sorgen um den Rotwildbestand zu machen – auch sie seien bemüht, einen gesunden Bestand zu erhalten. Deshalb seien auch die Abschusszahlen zurückgenommen worden. Mit dem derzeitigen Zustand der Bäume ist man „sehr zufrieden“ – die jetzige geringe Schädigung durch Rotwild zeige, dass sie den richtigen Kurs eingeschlagen hätten, der auch beibehalten werden soll. Kahle: „Die Abschusszahlen werden auch in Zukunft so bleiben."

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