Eine große Stimme ist verstummt

Schauspieler Jörg Falkenstein vom Rollwagen-Theater starb mit 76 Jahren

Friedrichsfeld. Nordhessen ist um eine große Stimme ärmer. Der Schauspieler Jörg Falkenstein, eine Hälfte des bekannten Rollwagen-Theaters aus Friedrichsfeld, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Einem großen Publikum wurde er durch die Inszenierungen bekannt, die ab 1982 über 20 Jahre lang auf der Sababurg stattfanden.

Falkenstein wurde 1941 in Kiel geboren, absolvierte die Schauspielschule Wien und spielte am Jungen Theater Göttingen, bevor er Redakteur der NDR-Fernsehspielabteilung in Hamburg wurde. Später kehrte er nach Göttingen zurück und lernte seine spätere Ehefrau Brunhild Geipel kennen.

Vollblutschauspieler: Jörg Falkenstein im Jahre 2004 mit seiner Frau Brunhild in ihrer Inszenierung von Shakespeares Kaufmann von Venedig.

Zwischen 1970 und 1982 wirkte der Schauspieler in 14 Spiel- und Fernsehfilmen sowie TV-Serien mit, unter anderem zweimal im Trimmel-Tatort, in „Bauern, Bonzen, Bomben“ sowie „Finkenwerder Geschichten“. 1982 agierte er im Berlinale-Spielfilm „Eine deutsche Revolution“.

Mit ihr wagte er, ein eigenes mobiles Theater („Rollwagen“) zu gründen, das in Schulen, Altenkreisen, Büchereien und bei Festen auftrat, um mit Kurzprogrammen Menschen zu erreichen, die nicht von sich aus ins Theater gehen. Der Märchen-Premiere „Die kluge Gretel“ im Juni 1982 auf der Sababurg folgte eine Vielzahl von Inszenierungen, für die sie komplexe Geschichten zu Zwei-Personen-Stücken verdichteten, die mit einfachsten Requisiten viel Raum für Fantasie ließen. Der Zuschauerkreis wuchs ebenso wie der Umfang der Inszenierungen, von Schwänken, Gruselgeschichten und Valentinaden, über Goethe und Shakespeare bis zu Schiller, Moliere und erotischen Geschichten. Vor allem Jörg Falkenstein grub ständig fast vergessene Texte aus und machte mit seiner nuancierten, klaren, ausdrucksstarken Sprache Freude beim Zuhören, er weckte und wiedererweckte bei vielen das Interesse an Literatur.

Hinter seinen Rollen war der Mensch Jörg Falkenstein nicht sofort zu erkennen, aber er offenbarte sich im Gespräch schnell als aufgeschlossener, sympathischer Mensch, der das Gefühl von Geborgenheit vermittelte.

2005 verabschiedeten sich die Falkensteins von der Sababurg zugunsten mehrerer Spielstätten in der Region, gaben dann die Freiluftveranstaltungen auf und konzentrierten sich auf reines Lesetheater und boten weiter viele literarische Entdeckungen.

Geprägt war Jörg Falkenstein da schon von seiner Parkinson-Erkrankung, die ihm das Spielen erschwerte, nicht aber das Lesen und Sprechen. Am Dienstag ist er gestorben.

Er hinterlässt neben seiner Frau und Theaterpartnerin auch die Kinder aus erster Ehe und ein großes, trauerndes Publikum. Die Trauerfeier ist am Freitag, 18. August, ab 14 Uhr auf dem Friedhof in Trendelburg-Friedrichsfeld. 

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