Flaschenpost aus der Diemel

Kanufahrer finden Schatulle in der Diemel – Wer kennt den Mann auf dem Foto?

Der unbekannte Soldat: Wer der Mann auf dem Foto ist, wüssten die Finder der Schmuckschatulle gern. Das Amulett ist nur etwa so groß wie ein Ein-Euro-Stück.

Trendelburg/Eberschütz. Es klingt wie das Ende eines aufregenden Piratenabenteuers: Sarah Lingnau und Philippe Seguin haben einen Schatz gefunden.

Eine Kiste mit Schmuck. In der Diemel bei Eberschütz. Das ist echt wahr, kein Witz.

Leider – und damit platzt die schöne Gedankenblase – ist er nichts wert. Ein paar Euro für das Material, mehr geben die Ketten, Armbänder und Ringe nicht her. Und dann ist da noch ein kleines Medaillon mit dem Bild eines Soldaten. Doch von vorn.

Lingner und Seguin arbeiten beim Trendelburger Kanuverleih Rust. Wie üblich fuhren sie kurz vor Beginn der Saison vor einigen Tagen die Diemel ab, um den Fluss auf mögliche Hindernisse oder Gefahren zu kontrollieren. „Ich habe noch im Scherz zu Philippe gesagt: ‘Wäre doch cool, wenn wir heute eine Flaschenpost finden’“, sagt Lingnau. 

Und siehe da: Keine zehn Minuten später fischen sie eine solche aus dem Wasser. angespornt von diesem Fund, gibt Lingnau das nächste Ziel aus: „Jetzt finden wir auch einen Schatz“. Wie unglaublich das im Nachhinein klingt, wissen beide, sie schütteln noch Tage später ungläubig den Kopf.

Der Schatz hing fest im Gestrüpp, gerade anderthalb Meter vom Ufer entfernt. Die rote Lederkiste fiel sofort ins Auge, dick ummantelt von Schlamm und Matsch – und verschlossen. „Bis wir sie ins Kanu geholt haben, dachten wir noch, dass es sich um Angelzubehör handeln könnte“, sagt Seguin.

Unbeabsichtigt auf Schatzsuche: Kanufahrer Philippe Seguin und Sarah Lingnau haben in der Diemel , eine Schmuckschatulle gefunden. Darin befindet sich neben Ketten, Ringen und Armbändern unter anderem ein Amulett mit dem Bild eines Soldaten.

Wieder auf dem Trockenen war das rostige Schloss schnell geknackt und die Überraschung groß. Denn die Schatulle barg tatsächlich eine Menge Schmuck, zwar angelaufen und teilweise rostig, aber noch nicht gänzlich kaputt. Wie sie in die Diemel kam und wie lange sie dort schon lag, darüber lässt sich nur spekulieren. 

Dass die Schatulle verschlossen gewesen ist, könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich nicht um Diebesgut handele, glaubt Lingnau.

Besonders auffällig ist ein aufklappbares Medaillon, kaum größer als ein Ein-Euro-Stück. In ihm befindet sich gut erhalten das Foto eines Soldaten. „Die Frage, wer das ist, finden wir sehr interessant“, sagt Lingnau. Ihr Kollege habe den Fund auch bei der Stadtverwaltung und der Polizei gemeldet, dort habe man aber nichts von einer vermissten Schatulle gewusst.

Die endgültige Ernüchterung dann beim Juwelierbesuch. Denn der Fachmann bestätigt die Vermutung: Einen relevanten Wert hat der Fund nicht. Statt unermesslichem Reichtum behalten Sarah Lingnau und Philippe Seguin eine ungewöhnliche Geschichte, die für die Mitarbeiter des Kanuverleihs auch fast ein guter Marketing-Gag sein könnte.

Sie kennen den Mann auf dem Foto oder können Hinweise zu Schatulle geben? Schreiben Sie uns an  hofgeismar@hna.de

Flaschenpost: Vater schrieb an seine Kinder 

„Seit zwei Tagen ohne Schnupftabak, verschmachten wir auf dieser Insel!“

Als Pippi Langstrumpf im berühmten Kinderbuch ihrem Freund Tommy einen Brief diktiert, befinden sich die Kinder in einer (vermeintlich) dramatischen Lage. Ein Hilferuf per Flaschenpost scheint – ganz seemännisch gedacht – der einzige Ausweg. Doch der Brief in der Flasche ist kein Relikt aus Märchen und Legenden. Noch heute schicken Menschen Nachrichten auf diese Weise auf die Reise – wenn auch meist ohne ernsten Hintergrund.

Dass sie kurz vor dem Fund der Schmuckschatulle auch eine Flaschenpost aus der Diemel zogen, erzählen Sarah Lingnau und Philippe Seguin im Gespräch mit unserer Zeitung eher nebenbei. Für die Mitarbeiter des Kanuverleihs ist das eben kein so ungewöhnlicher Vorfall. „So zwei bis drei Flaschen pro Saison finden unsere Gäste und wir schon“, sagt Lingnau.

Nicht immer ist die Flasche so dicht geblieben wie beim letzten Fund. In der Plastikflasche lagen drei zusammengerollte Zettel. Ein Vater aus Warburg hatte seinen Kindern die Funktion einer Flaschenpost demonstrieren wollen. „Ein kleiner Spaß“, schreibt er und bittet um Rückmeldung und Fundort. Das erledigen die Finder gerne. Dem Antwortbrief legen sie sogar einen Gutschein vom Kanuverleih bei. Die aus Warburg mitgeschickten Kindergemälde – Osterhase und Tyrannosaurus Rex – haben sie behalten.

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